Archäologen lernen am Weinberg immer mehr über mittelalterliches Töpferdorf Kugenhusen

(c) Foto: Frank Bertram

Die bisherigen archäologischen Grabungen am Weinberg im Nordosten Einbecks haben die bereits vorhandenen Erkenntnisse der Historiker bestätigt: Dort, wo bald Einfamilienhäuser gebaut werden sollen, existierte im frühen Mittelalter die Töpfersiedlung „Kugenhusen“; und bereits in der Eisenzeit haben hier und den gesamten Berg hinunter bis zum neuen KWS-Elitespeicher und zur Leinemasch Menschen gesiedelt, also vor mehr als 2500 Jahren. Aktuell haben die Archäologen vor der Erschließung des rund 16.000 Quadratmeter großen Neubaugebiets „Weinberg III“ durch die Sparkasse Einbeck die Möglichkeit, ihr Wissen zu erweitern.

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Gordon Bukowski (Ludwig & Partner), Frank Klenke (Sparkassenvorstand), Grabungsleiter Steven Ritter und Stadtarchäologe Markus Wehmer (v.l.) mit restaurierten Keramikfunden aus früheren Grabungsabschnitten. Foto: Frank Bertram

Der bisherige Erkenntnisgewinn der im September gestarteten Grabung habe die Arbeit bereits gelohnt, sagte Stadtarchäologe Markus Wehmer. Unerwartet habe man die Überreste von zwei Steinkellern gefunden. Neu seien außerdem Reste eines Hauses, in dem gewebt wurde: Gefunden wurde ein schweres tönernes Gewicht, von denen man etwa 20 bis 30 für einen mittelalterlichen Webstuhl benötigte.

Die Grabungen eines Teams der Archäologen von Steichardt & Wedekind (Göttingen) mit dem Stadtarchäologen Markus Wehmer sind zu gut der Hälfte abgeschlossen, in bislang 27 Schnitten des Hanggeländes haben die Experten Reste aus „Kugenhusen“ und der Eisenzeit gefunden. Wie lange die Grabungen noch dauern, hängt auch vom winterlichen Wetter ab. Studierende eines Proseminars der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Göttingen waren zu einer Exkursion vor Ort, lernten Arbeitsweise und Befundsituation kennen.   

Mittlerweile steht den Archäologen sehr deutlich vor Augen, wie dieses mittelalterliche Dorf „Kugenhusen“ wohl ausgesehen hat und wie es als Töpferort rund 200 Jahre lang funktionierte. Schon in den 1990-er Jahren hatte Einbecks erster Stadtarchäologe Dr. Andreas Heege vor den Neubauten am oberen Negenborner Weg die Überreste von insgesamt elf Töpferöfen ausgegraben, Markus Wehmer selbst hatte bei einer früheren Grabung am Weinberg ebenfalls zwei Töpferöfen gefunden. Bei den aktuellen Grabungen konnten zwei weitere Töpferöfen-Reste dokumentiert werden. Von einem haben die Archäologen um Grabungsleiter Steven Ritter ein 3D-Modell erstellt, um Größe und Lage später besser verdeutlichen zu können. Tongeschirr war im Mittelalter nicht so haltbar, es konnte nur wenige Male genutzt werden, dann benötigte man Neues – für eine Töpferei ein gutes Geschäft. Bewusst war die Lage weit vor den Toren der damals gerade entstehenden Stadt Einbeck gewählt, nahe am Wald – denn das Holz war wichtig, in den Stadtmauern gab es für Töpfer eine zu große Brandgefahr.

Es entstehen im Neubaugebiet Weinberg III insgesamt 20 Bauplätze für Einfamilienhäuser mit Grundstücksgrößen zwischen 521 und 1021 Quadratmetern. Erschließungsträger ist die Sparkasse, begleitendes Ingenieurbüro Ludwig & Partner aus Dassel. Über Einzelheiten der Vermarktung wolle man im Frühjahr entscheiden, kündigte Sparkassen-Vorstand Frank Klenke an.

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Studierende eines Proseminars der Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen waren auf dem Grabungsgelände auf Exkursion. Foto: Frank Bertram