Otto Almstadt: Skulpturen-Ausstellung in der Alten Synagoge in Einbeck zu sehen

Skulpturen aus 60 Jahren künstlerischen Schaffens sind an den Wochenenden bis zum 6. November in der Alten Synagoge in der Baustraße zu sehen. Sie stammen vom Künstler Otto Almstadt, der drei Werke seiner Heimatstadt Einbeck geschenkt hat – aus Dankbarkeit, dass ihn die Stadt in den 50-er und 60-er Jahren mit monatlich 30 D-Mark finanziell bei der Ausbildung zum Keramikmodelleur unterstützt hatte, ebenso beim späteren Studium in Hannover. Der heute in Wallenstedt lebende 82-Jährige ist unweit der Alten Synagoge aufgewachsen, hat sich schon als Schüler vom Drechsler am Sonnenhaken Holzstücke aus dicken Bohlen besorgt, um noch vor der Schule Tiere schnitzen zu können, wie er bei der Vernissage erzählte. Zu Geburtstagen habe er sich als Kind immer Werkzeuge und Knetgummi gewünscht, mit denen er Tiere modelliert habe.

Die Ausstellung bietet einen Überblick über eine lange Schaffensperiode von 60 Jahren – und ist doch nur ein kleiner „Blitzlichter“-Einblick in ein großes Ouvres, sagte Sabine Zimmermann zur Einführung in die Werkschau.

Zu sehen sind insgesamt 13 Werke, weitere zwei werden im Foyer des Stadtmuseums gezeigt. Sie stammen aus den Jahren 1962 bis 2007.

Bis zum 6. November ist die Ausstellung in der Alten Synagoge an den Wochenenden zu sehen. Foto: Frank Bertram
Künstler Otto Almstadt mit Ehefrau Sabine Zimmermann (links) im Gespräch mit Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Foto: Frank Bertram

Die älteste Skulptur ist die mit 22 Jahren entstandene Terrakotta-Keramik „Stier“, die Otto Almstadt als einzige der gezeigten Werke in Einbeck in seinem Atelier im Kalkwerk geschaffen hat. „Liegendes Borkiges“ aus Diabas-Stein von 1964 bezeichnete Sabine Zimmermann als Schlüsselarbeit im Werk Otto Almstadts. Damals habe der Künstler ziemlich gezweifelt, ob die Bildhauerei das Richtige sei. Aber schon als Kind habe es diesen künstlerischen Antrieb bei ihm gegeben. Bei dieser Skulptur habe er nun den „flow“ gespürt, dieses absolute Glück bringende Versinken in die künstlerische Arbeit, die Abstraktion von Naturformen. Mit dieser Schlüsselarbeit habe er gewusst, es sei der richtige Weg. Der Stein sei zum Lieblingsmaterial geworden, sagte Sabine Zimmermann. Oftmals bringe ein Werk schon die Idee für die nächste Skulptur. Nach der Wende 1989 konnte Otto Almstadt als Professor an der HAWK Hildesheim mit seinen Studierenden in der Gießerei Ilsenburg im Harz arbeiten. So entstanden die gezeigten Gusseisen-Werke. Otto Almstadt pflege eine große Liebe zu Schädeln und Skeletten, die er in seinem Atelier als Vorbilder und Anregungen für Formen und Werke nutze, berichtete sie. Otto Almstadt sei stets neugierig geblieben und habe immer wieder Neues ausprobiert. Der Antrieb nötige Respekt und Bewunderung ab.

Die Schenkungen an die Stadt Einbeck, die Anlass für die Ausstellung sind, betreffen die Skulpturen „Stier“ (1962) aus Terrakotta, „Possibility“ (1997) aus Diabas und Eisen sowie „Liegendes Borkiges“ (1964) aus Diabas.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (l.) eröffnete die Ausstellung von Skulpturen in der Alten Synagoge. Foto: Frank Bertram
Dieses Denkmal für August Stukenbrok am Eingang zum Stiftsgarten aus dem Jahr 1981 stammt von Otto Almstadt. Foto: Frank Bertram

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek eröffnete die Ausstellung in der Alten Synagoge, die erste Kunstausstellung in dem Gebäude seit der Eröffnung im Mai dieses Jahres nach umfangreicher Sanierung. Sie freute sich, dass die Ausstellung an einem Ort stattfinden könne, der den Werken in Bezug auf ihre Wirkung den nötigen Raum lasse und einen angemessenen Rahmen bilde. „Dieser Ort besitzt als ein Ort der Begegnung und des Austauschs eine Dynamik, die die kulturelle Vielfalt in Einbeck bereichert und Dialog befördern wird.“ Michalek dankte dem Förderverein und dem Museumsteam für die Kooperation. Sie lud Besucher dazu ein, neben der Ausstellung in der Alte Synagoge auch die zwei an Eiderenten erinnernde Skulpturen im Foyer des Stadtmuseums anzusehen. Und auch das Denkmal für August Stukenbrok am Eingang zum Stiftsgarten aus dem Jahr 1981 stamme aus der Hand des Künstlers Otto Almstadt, das lade doch zu Begegnungen bei einem herbstlichen Stadtbummel zwischen diesen drei Orten in der Innenstadt ein, sagte die Bürgermeisterin.

Der Künstler Otto Almstadt wurde 1940 in Einbeck geboren. Nach einer Ausbildung zum Keramikmodelleur studierte er ab 1960 Bildhauerei an der Werkkunstschule in Hannover. Die Lehre sei ihm später sehr zu gute gekommen, denn er habe damals schon Formenbau aus Gips gelernt, was er in der Kunst auch einsetzen konnte. Der vielfach ausgezeichnete Bildhauer nahm unterschiedliche Lehraufträge in Niedersachsen wahr und lebt heute in Wallenstedt bei Gronau/Leine.

Die Werkschau „Otto Almstadt – Skulpturen aus 60 Jahren“ ist noch bis zum 6. November in der Alten Synagoge Einbeck in der Baustraße zu sehen. Zeitgleich werden zwei Skulpturen aus dieser Reihe im Foyer des Stadtmuseums gezeigt. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten der Ausstellung: sonnabends 15-17 Uhr und sonntags 11-13 Uhr.

Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist ehrenamtlich Vorsitzender des Fördervereins Alte Synagoge in Einbeck e.V.

Dr. Elke Heege, Künstler Otto Almstadt, Museumsleiter Marco Heckhoff und Sabine Zimmermann (v.l.), die in die Ausstellung ihres Mannes einführte. Foto: Frank Bertram
Zwei Skulpturen von Otto Almstadt sind im Foyer des Stadtmuseums zu sehen: „Somateria“ I und II aus Marmor und Eisen aus den Jahren 1996 und 1997. Foto: Frank Bertram

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