Einbecker Woche 22/2020

Was war?

Himmelfahrt-Feiertag in der Corona-Pandemie: Es war ein ganz anderer Feiertag als gewohnt, wenn auf dem Kalender „Christi Himmelfahrt“ steht. Bei blauem Himmel und Sonnenschein war keine Nähe normal, sondern Abstand angesagt, große Gruppen waren nicht erlaubt. Die Polizei hat am Tag danach eine positive Einsatz-Bilanz des so ganz anderen Feiertages gezogen. „Die Menschen hielten sich zurück, nur ganz wenige waren unterwegs“, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion im Landreis Northeim. Die Polizei musste keine Straf- oder Ordnungswidrigkeitenverfahren einleiten. Lediglich in einem Fall habe sich eine Gruppe nicht an die Weisungen der Polizei und die geltenden Infektionsschutzregeln gehalten. So genannte Gefährderansprachen hätten aber sehr schnell zur Einsicht geführt, erklärte der Polizeisprecher.

Video-Clip Bläsermusik an Himmelfahrt vor der Einbecker Münsterkirche

Für die, für die wirklich Christi Himmelfahrt war und nicht Vatertag, war der Feiertag auch anders als sonst, denn Gottesdienste waren in der gewohnten Form weiterhin nicht möglich. Aber die Kirchen, wie beispielsweise die Münsterkirche St. Alexandri, waren wenigstens geöffnet: Gelegenheit für Gebete bei Orgelmusik und kurzen Text-Impulsen. Vor der Münsterkirche hatten am Südportal Heike Stahlmann und Winfried Karius ihre Trompete und Posaune ausgepackt, die beiden spielten verschiedene Musikstücke. Und hatten dabei durchaus ihr Publikum, das Abstand untereinander und zu den Bläsern wahrte und am Ende dankbar applaudierte.

Würstchen auf dem Grill. Archivfoto/Symbolbild: Frank Bertram
Würstchen auf dem Grill. Archivfoto/Symbolbild: Frank Bertram

Auf der Hube hätte an Himmelfahrt zum 40. Mal das von der SPD organisierte Grillen stattgefunden. Die Corona-Pandemie verhinderte den traditionellen Treffpunkt am Grillstand im Stadtwald zum Klönen und zur Einkehr bei einer Vatertagstour. Bereits Ende April hatten die Sozialdemokraten die Veranstaltung aus Sorge um die Gesundheit von Helfern und Besuchern abgesagt. Ob das Grillen eventuell im Herbst nachgeholt werden kann, steht noch nicht fest. In einer Vorstandssitzung nach Pfingsten will die SPD erörtern, ob sie ihre „Projektsommer“-Veranstaltungsreihe durchführen wird und wenn ja, in welchem Rahmen und mit welchem Programm. Gleiches gelte für Info-Stände, sagte Kernstadt-Co-Vorsitzender Peter Traupe. „Auch wenn wir es für wichtig halten, dass das öffentliche Leben wieder mit dem gefüllt wird, wie es heißt, nämlich mit Leben, so hat doch der Infektionsschutz für uns absolute Priorität.“

Corona-Informationen: Die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie ist hier und hier auf verschiedenen Übersichtsseiten von Landkreis und Stadt nachzulesen, die regelmäßig aktualisiert werden. Im Landkreis Northeim sind (Stand: 22.05.2020, 13:14 Uhr) insgesamt 122 Menschen infiziert positiv getestet worden. 112 Menschen gelten inzwischen als genesen. Insgesamt gibt es drei Corona-Todesfälle von Menschen aus dem Landkreis Northeim. Damit gibt es im Kreisgebiet aktuell sieben erkrankte Menschen mit nachgewiesenem Covid-19.

Hahnemühle spendet Masken: Das Traditionsunternehmen Hahnemühle (Einbeck/Relliehausen) hat Einmal-Masken aus hochreinem Filter-Papier entwickelt – die HaMuNa® Care Mund-Nasen-Bedeckung. In einer internationalen Spendenaktion unterstützt Hahnemühle ihre Mitarbeiter und Kunden mit den Masken. Für die Wiedereröffnung von Schulen, Universitäten, Behörden, Vereinen, Geschäften und anderen Institutionen spendet Hahnemühle regional, national und international insgesamt 159.505 HaMuNa® Care Einweg-Masken – für jeden Tag der fast 437-jährigen Firmengeschichte eine Mund-Nasen-Bedeckung. Mehr ist hier im Unternehmensblog nachzulesen.

KWS trotzt der Corona-Krise: Die aktuellen Quartalszahlen hat das Einbecker Saatzuchtunternehmen KWS in dieser Woche vorgelegt. Ein Corona-Effekt ist (noch) nicht bemerkbar, er könnte aber zeitversetzt im kommenden Geschäftsjahr eintreten, deutete der KWS-Vorstand vorsichtig an. Mehr dazu hier.

Was wird?

Hinweisschild in der Sparkassen-Filiale Salzderhelden. Foto: Frank Bertram

Kein Geldautomat mehr in Salzderhelden: Die Sparkasse Einbeck schließt am 25. Mai ihren Geldautomaten in der zweitgrößten Einbecker Ortschaft. Das Gebäude der einstigen Filiale ist bereits verkauft. Der Automat sei im gering frequentierten Dorfkern nur noch sehr wenig genutzt worden, ein Weiterbetrieb wäre vollkommen unwirtschaftlich, sagte Sparkassendirektor Stefan Beumer auf meine Anfrage. „Wir bedauern den Wegfall des Standortes, leider blieb uns bei der geringen Nutzerzahl keine andere Wahl.“ Die Möglichkeiten, direkt in Salzderhelden Bargeld auszugeben, sei leider sehr eingeschränkt. Wenn sich die Idee eines Nahversorgers in Salzderhelden doch noch realisieren sollte, werde die Sparkasse die Aufstellung eines Automaten dort prüfen, sagte Beumer. Die ursprüngliche Idee, einen Automaten im stärker frequentierten Bahnhof aufzustellen, habe man wegen der stark gestiegenen Gefährdungslage durch Automatensperrungen leider aufgeben müssen. Ein gemeinsamer Automat mit der Volksbank sei auch leider auch nicht realisierbar gewesen, bedauerte Beumer.

Ist schon leer und mit Schild versehen: die fast 50 Jahre alte Kita Münstermauer. Foto: Frank Bertram

„Wissensquartier“ startet mit erstem Bauabschnitt: Die Stadt Einbeck kündigte als ersten Bauabschnitt des „Wissensquartiers“ (Konzentration von Museum, Archiv und Bibiothek) auf dem Grundstück Münstermauer 17 den Abbruch des alten Kindertagesstätten-Gebäudes an. Die Kita ist bereits in den ehemaligen, benachbarten Hort als Ausweichquartie umgezogen (wenn auch wegen der Corona-Pandemie zurzeit geschlossen ist). Am Standort des abzubrechenden Gebäudes entsteht der Neubau einer barrierefreien, eingeschossigen Kita in Massivbauweise einschließlich einer neuen, barrierefreien Erschließung. Die Bauarbeiten beginnen am 2. Juni und enden voraussichtlich im Juli 2022, schreibt die Stadt Einbeck in einer Presseinformation. In diesem Zeitraum wird es durch den Baustellenverkehr zu Verkehrseinschränkungen insbesondere in folgenden Bereichen kommen: Albert-Koch-Straße, Stadtgrabenstraße, Weg Münstermauer. Für die auftretenden Behinderungen bittet das Sachgebiet Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Stadtverwaltung um Verständnis.

Der Weg von der Stadtgrabenstraße zum alten Kindergarten Münstermauer. Foto: Frank Bertram

„Alice“ blitzt in Einbeck: Noch bis zum 28. Mai ist im Raum Einbeck mit Geschwindigkeitskontrollen durch die semistationäre Messanlage „Alice“ des Landkreises Northeim zu rechnen. Im gesamten Kreisgebiet muss darüber hinaus mit weiteren Kontrollen (durch fest installierte Messanlagen und auch die Polizei) gerechnet werden, informiert der Landkreis.

Kunst hinter Glas: So heißt die Ausstellung im Kunsthaus Einbeck. Kornelia Bender, Barbara Carius, Karin Dlugaiczik, Inge Hüttig, Adolf Leschonski, Monika Marié, Anne Neumann, Thomas Schmalz, Betty Schmidt, Cornelia Slawinski, Frank Thiele und Regina Warnecke zeigen noch bis zum 11. Juli eine Schaufensterausstellung in der Knochenhauerstraße 7. Hintergrund ist die Corona-Pandemie, die keine Vernissagen und keinen gewöhnlichen Ausstellungsbetrieb im kleinen Kunsthaus zulässt. Die Mitglieder des Kunsthaus zeigen deshalb ihre Werke auf Distanz. Die Ausstellung soll sich in den nächsten Wochen ständig verändern. Es wird öfter etwas Neues zu sehen geben oder Bilder und Exponate an einem anderen Platz wechseln. Diese Bewegung soll neue Zusammenhänge aufzeigen und andere Sichtweisen ermöglichen, wünschen sich die Kunsthaus-Verantwortlichen. Online können sich Interessierte die ausgestellten Werke hier ganz nah zu sich auf den Bildschirm holen.

Mark-Oliver Müller. Foto: alto.de

Live-Chat von Christian Grascha: „Ist Deutschland digital genug?“ lautet der Titel des sechsten Webtalks des Einbecker FDP-Landtagsabgeordneten Christian Grascha am Montag, 25. Mai. Als Gesprächspartner steht Mark-Oliver Müller, Geschäftsführer der Digitalagentur alto.de New Media GmbH in Salzderhelden zur Verfügung. Die Videokonferenz via Skype beginnt um 19.30 Uhr und ist für eine Stunde angesetzt. Die Einwahldaten für die Videokonferenz gibt es auf der Homepage von Christian Grascha unter www.christian-grascha.de. Homeschooling, Homeoffice, Onlinehandel, Lieferservice – das sind nur einige Schlagworte der jüngsten Zeit, die den Alltag vieler Menschen in Deutschland bestimmten. Viele Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice, Schüler müssen Online lernen, der Internethandel und das „Online-Bestellen“ auch in den lokalen Geschäften ist sprunghaft angestiegen. Wie sieht das eine Digitalagentur im ländlichen Raum, die aber weltweit agiert? Wie bereiten wir uns besser auf solche Krisen vor? Christian Grascha lädt zu einem regen Gedankenaustausch ein. Probleme sollen angesprochen werden, damit die Politik vor Ort und im Land über Lösungen nachdenken kann.

Aus der Nachbarschaft

Pressekonferenz in Northeim: Wirtschaftsförderin Christiane Unger und Bürgermeister Simon Hartmann mit zugeschalteten Amazon-Managern. Foto: Frank Bertram

Amazon-Verteilzentrum für Northeim? Seit einer Woche läuft die öffentliche Diskussion auf Hochtouren. Dabei sind imgrunde bislang nicht mehr als der Willen und eine Absichtserklärung bekannt: Der Bebauungsplan für das Areal ist noch gar nicht beschlossen, das sechs Hektar große Grundstück ist noch gar nicht verkauft, und Fördergeld hat die Stadt Northeim für das neue Industriegebiet West und seine Erschließung auch noch nicht vom Land Niedersachsen zugesagt bekommen. Die Absicht von Amazon, in der Kreisstadt ein Verteilzentrum in Betrieb nehmen zu wollen, machte Irnfried Rabe (FDP) in der jüngsten Kreistagssitzung öffentlich. Der ehemalige Northeimer Bürgermeister (2001-2006), der in Kreistag und Stadtrat sitzt, plauderte aus dem vertraulichen Verwaltungsausschuss aus, dass Amazon kommen wolle. Und der 77-jährige liberale Politikfuchs sagte auch gleich dazu, was er von diesen Plänen hält. Nämlich nicht viel. Diese Meinung hat er mit seiner Fraktion wahrscheinlich momentan exklusiv, denn in der öffentlichen Debatte vor allem im Internet gibt es zwar auch Skeptiker (vor allem wegen des Niedriglohnniveaus der Mitarbeiter), die meisten Kommentatoren jedoch begrüßen diesen dicken Versandhändler-Fisch, den Northeim da an der Angel hat. Northeim habe die Chance, ein neues Wirtschaftskapitel in seiner Stadtgeschichte aufzuschlagen, formuliert es Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) mit ein wenig Pathos. Resignierter und ein Stück fatalistisch ist da sein Ton auf meine Frage, was er denn davon hält, wie die Sache öffentlich geworden ist: „Es ist so wie es ist.“ Er würde sich jedenfalls freuen, sagte Hartmann in dieser Woche bei einer Pressekonferenz in der Stadthalle Northeim, zu der zwei Amazon-Manager zugeschaltet waren, wenn Rat und Verwaltung das Projekt partnerschaftlich und gemeinsam realisieren könnten. Denn eine öffentliche Debatte möchte auch der Bürgermeister, allein der jetzt frühe Zeitpunkt ohne Verträge und Grundstücksverkauf, ist ein Wagnis. Nicht, dass der Fisch noch vom Haken springt. Wobei die Amazon-Manager Thorsten Freers und Nadiya Lubnina betonten, warum sie am Standort Northeim und auch genau an der Fläche südlich der Sürlingswiesen im Industriegebiet West interessiert sind: Nähe zur Autobahn, nähe zur B3 und B241. Amazon kalkuliert mit rund 120 Mitarbeitern (für mindestens 11,71 Euro pro Stunde brutto), hinzu kommen 300 bis 600 Beschäftigte bei fünf Kurierdienstpartnern, vor allem Fahrer und Disponenten. Auf dem Grundstück sollen eine 7000 Quadratmeter große Logistikhalle sowie zahlreiche Parkplätze entstehen. Die Stadt Northeim will den B-Plan am 11. Juni im Stadtrat beschließen, das Grundstück soll am 9. Juli im Stadtrat verkauft werden. Über den Förderantrag für die Erschließung des neuen Industriegebietes wird voraussichtlich erst Ende des Jahres entschieden. Zur Investitionssumme (das Verteilzentrum wird von Amazon nur gemietet, Investor soll P3 Logistic Park werden) und zum Kaufpreis für das Grundstück gibt es bislang keine Angaben. Amazon möchte ab dem Weihnachtsgeschäft 2021 seine Pakete aus dem neuen Verteilzentrum zu den Kunden bringen, sagten Lubnina und Freers.

Auf dieser Fläche in Northeim im neuen Industriegebiet West will sich der Versandhändler Amazon ansiedeln. Foto: Frank Bertram