Einbecker Woche 21/2020

Was war?

Eulenfest fällt aus – nicht zum ersten Mal: Es ist das Fest schlechthin in Einbeck und Umgebung, das größte Stadtfest Südniedersachsens mit geschätzten 100.000 Besuchern jedes Jahr am zweiten Wochenende im Oktober. Dass es das Eulenfest mit seinen Menschenmengen auf dem Marktplatz und in den Innenstadtstraßen zu Zeiten der Corona-Pandemie schwer haben würde, war früh klar. In dieser Woche haben die Veranstalter nun die Reißleine gezogen, bevor die Planungen zu konkret werden müssten und ob der Unsicherheit auch zu teuer würden. Das 46. Eulenfest wird damit erst im kommenden Jahr stattfinden. Hier steht mehr zu den Gründen der Absage. Es ist aber nicht das erste Mal in seiner Geschichte, dass das Eulenfest entfällt: Auch 1988 gab es kein Eulenfest. Damals wurde der Marktplatz neu gepflastert und die Bauarbeiten waren nicht so terminierbar, dass im Oktober der Platz wieder benutzbar war.

Demo-Nachwirkungen: Nach drei friedlich verlaufenen Versammlungen am 8. Mai in der Einbecker Innenstadt mit laut Polizei insgesamt 130 Teilnehmern gibt es (wenig überraschend) unterschiedliche Auffassungen, ob die Veranstaltungen insgesamt und in ihrer Kombination als gelungen bezeichnet werden können. Hauptkritikpunkt war die räumliche Nähe zwischen dem lautstarken Protest von noch nicht einmal einem Dutzend Teilnehmern bei der Partei „Die Rechte“ auf dem Hallenplan (angemeldet am 24. April) und der eher still konzeptionierten Mahnwache von „Einbeck ist bunt“ (angemeldet am 24. Februar) mit deutlich mehr Teilnehmern vor dem Rathaus, bei der unter anderem auch die Bürgermeisterin sprach. Hinzu kam eine am 7. Mai angemeldete Versammlung der „Seebrücke“ an der Westseite der Marktkirche. Versammlungen müssen lediglich angezeigt, aber nicht genehmigt werden, sie stehen allein wegen der Corona-Pandemie und dem Kontaktverbot unter einem Genehmigungsvorbehalt. Auch für die Wahl des Versammlungsortes gibt es nur wenige Beschränkungsmöglichkeiten, es gilt die Versammlungsfreiheit nach Artikel 8 GG. Zwischen der Demo auf dem Marktplatz und der auf dem Hallenplan hätte freilich mehr Raum abgesperrt werden können, um die Konfliktlinie zu minimieren und die Hörweite zu vergrößern, lautet eine Kritik. „Nachdem der Landkreis Northeim bedauerlicherweise nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, die Veranstaltungen aus infektionsschutzrechtlichen Gründen zu untersagen, waren Stadtverwaltung und vor allem Polizei aufgefordert, das Beste aus der Situation zu machen“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in dieser Woche. „Das ist gut gelungen.“ Auf völliges Unverständnis ist bei der SPD gestoßen, dass die Einbecker Stadtverwaltung eine Nazi-Kundgebung zur gleichen Uhrzeit wie die Mahnwache genehmigt habe. Man frage sich ernsthaft, ob den Verantwortlichen in der Einbecker Ordnungsbehörde die Bedeutung des Erinnerns an das 75-jährige Kriegsende bewusst gewesen sei. Sie mahnt bei verantwortlich Handelnden in der Verwaltung mehr Sensibilität an. Dass die Stadt nichts zu genehmigen gehabt hat, siehe oben. Die Polizei sieht ihr Einsatzkonzept als aufgegangen an. Eine angereiste Gruppe von rund 35 Menschen aus dem linken Spektrum habe man abdrängen müssen, weil sie Sicherheitsabstände nicht angehalten habe. Für den heutigen Freitag (15. Mai) ist übrigens die nächste Demo auf dem Marktplatz angezeigt (von der „Seebrücke“).

Wie ist die Lage in den Kindertagesstätten? Der Betrieb von Kindertagesstätten ist seit 16. März untersagt. Ausgenommen ist lediglich eine Notbetreuung unter restriktiven Zugangsvoraussetzungen. In diesem Rahmen habe man alle Elternwünsche bisher erfüllen können, erklärte Sachgebietsleiter Jörg Mönnig auf Anfrage. Wünsche, die den restriktiven Voraussetzungen nicht gerecht wurden, habe man allerdings nicht erfüllen können. Die zugrundeliegenden Kriterien wurden bzw. werden in einer internen Richtlinie kreisweit in Abstimmung zwischen Landkreis Northeim und allen kreisangehörigen Kommunen einheitlich festgelegt, sie orientieren sich laut Mönnig an den Empfehlungen des Niedersächsischen Kultusministeriums. Die Richtlinie werde regelmäßig an die neuesten Entwicklungen und Vorgaben angepasst. Eltern, die eine Notbetreuung in Anspruch nehmen wollen, müssen einen in jeder Kita erhältlichen Form-Antrag ausfüllen und einreichen, zusammen mit dort ebenfalls erhältlichen Form-Arbeitgeberbescheinigungen. In der vergangenen Woche wurden laut Stadt Einbeck insgesamt 95 Kinder in 30 Notgruppen betreut.

Kindergarten an der Münstermauer. Archivfoto: Frank Bertram
Kindergarten an der Münstermauer. Archivfoto: Frank Bertram

„Wissensquartier“ kann mit Kita starten: Der Verwaltungsausschuss hat in dieser Woche die ersten Aufträge für Abriss und Neubau des Kindergartens Münstermauer als ersten Bauabschnitt des Millionen-Projekts „Wissensquartier“ gegeben. Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek aus dem VA berichtete, wurden für archäologische Grabungen auf dem Gelände rund 150.000 Euro bereit gestellt, für die Rohbauarbeiten rund eine Million Euro.

Wie läuft’s in einer Grundschule? Über den Betrieb unter den Corona-Einschränkungen berichtete die Schulleiterin der Grundschule Drüber in dieser Woche der Bürgermeisterin bei einem Besuch vor Ort. Mehr dazu steht hier.

Corona-Informationen: Die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie ist weiterhin hier und hier auf verschiedenen Übersichtsseiten von Landkreis und Stadt nachzulesen, die regelmäßig aktualisiert werden. Im Landkreis Northeim sind (Stand: 14.05.2020) insgesamt 119 Menschen infiziert positiv getestet worden. 108 Menschen gelten inzwischen als genesen.

Musiktage der Sparkassen abgesagt: Die Niedersächsischen Musiktage der Sparkassen finden im September nicht statt. Sie sind auf 2021 verschoben worden. Ursprünglich sollte in dieser Veranstaltungsreihe am 25. September ein Soul-Duo mit Max Mutzke in der PS-Halle spielen. Bereits gekaufte Tickets können bei den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, an denen diese erworben wurden, informiert die Niedersächsische Sparkassenstiftung in ihrer Pressemitteilung.

Kein Bücherfrühling: Der für den 28. Mai in der Stadtbibliothek Einbeck geplante „Bücherfrühling“ fällt wegen der Corona-Pandemie aus. In der Veranstaltung sollte die Expertin Annemarie Stoltenberg neue Bücher vorstellen. Die KVHS Northeim und die Stadtbücherei, die gemeinsam Veranstalter sind, bedauern die Entscheidung. Ob es einen „Bücherherbst“ im zweiten Halbjahr geben wird, steht noch nicht fest.

Mehr als 6000 Masken genäht: Der Kirchenkreis Leine-Solling hat zusammen mit dem Ambulanten Hospizdienst Leine-Solling und den Kreislandfrauenverbänden Northeim und Einbeck über 6000 Behelfs-Mund-Nasen-Masken an die verschiedensten Einrichtungen verteilt. Mindestens 2000 weitere Masken wurden von zahlreichen ehrenamtlichen Näherinnen direkt verteilt. „Nun ist es Zeit, Bilanz zu ziehen und ihnen allen vielen Dank für ihren großartigen Einsatz in den letzten Wochen zu sagen“, findet Annette Hartmann, Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes Leine-Solling und hat eine Rundmail an die Helferinnen verschickt. Seit mehr als neun Wochen wurde von vielen Beteiligten fleißig genäht. Gemeldet haben sich aus dem gesamten Landkreis Northeim (Stand: 12. Mai) 122 Menschen, die sich bereit erklärt haben, Masken zu nähen, 43 Menschen, die Stoff gespendet haben und 54 Einrichtungen, die dringend Masken benötigten. „Die Wochen der Aktion waren für mich sehr schön und sehr berührend“, bedankt sich Hartmann.

Was wird?

Bürgerspital wechselt wieder in Normalbetrieb: Das Einbecker Krankenhaus geht wieder in den regulären Betrieb. In den vergangenen Wochen war die Klinik unter Bedingungen der Corona-Pandemie nur zu etwa 40 Prozent belegt, planbare Eingriffe waren verschoben. Ab 18. Mai wird in zwei OP-Sälen nun wieder gearbeitet, erklärte Geschäftsführer Frederic Lazar. Die Termine in den Ambulanzen werden zeitlich entzerrt, so dass die Patienten genügend Abstand halten können. Das „Triage-Zelt“ am Eingang, das eine unkontrollierte Verbreitung des Coronavirus durch Besucher im Krankenhaus-Gebäude verhindern sollte, ist abgebaut. Am Eingang werden Besucher aber weiterhin von Klinikmitarbeitern gescreent und nach dem Grund ihrer Visite gefragt. Eine Station hält das Bürgerspital außerdem unverändert für den Notfall von Covid-19-Patienten bereit. Laut Lazar gab es im EBS mehrere Verdachtsfälle von Covid-19, zwei bestätigte Fälle habe man stationär behandelt und gesund entlassen. Wirtschaftlich hilft dem Einbecker Bürgerspital immens der finanzielle Ausgleich für leere Klinikbetten in der Corona-Zeit. „Wir erhalten 560 Euro pro Belegungstag für ein Bett, welches nicht belegt ist“, sagt Geschäftsführer Frederic Lazar. Die durchschnittliche Auslastung im vergangenen Jahr wird dabei als Vergleichsgröße herangezogen. In diesen Tagen ist auch die bereits beim Frühjahrsempfang angekündigte Investition installiert worden und geht kommende Woche in Betrieb: ein 64-Zeilen-Computertomograph (CT) sowie ein neues Röntgengerät. Beide Geräte können in hoher Geschwindigkeit und Präzision innere Organe und den Bewegungsapparat mit deutlich geringerer Strahlendosis abbilden. Sponsor dieser Neuanschaffung ist KWS. Die Klinik-Gesellschafter Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek vom Radio-Onkologie-Netzwerk (RON) danken dem Saatzuchtunternehmen für das großzügige Engagement. Es zeige, dass die heimische Wirtschaft den neuen Eigentümern des Bürgerspitals Vertrauen schenke. Mit dem Sponsoring hat das Krankenhaus einen wesentlichen Teil des Investitionsstaus abbauen können, den die Klinik noch aus der Vergangenheit mitbringt.

Museumstag digital: Die Museen dürfen zwar seit einigen Tagen wieder öffnen, der Internationale Museumstag am kommenden Sonntag, 17. Mai, findet aber mit digitalem Schwerpunkt statt. Die beiden Einbecker Museen (PS-Speicher, Stadtmuseum) beteiligen sich unter dem Hashtag #MuseenEntdecken in den Netzwerken wie Facebook, Youtube oder Instagram. Im PS-Speicher geht es um Elektromobilität in Vergangenheit und Gegenwart, im Stadtmuseum steht das Fahrrad im Mittelpunkt. Beide Häuser sind am Sonntag unter Hygieneregelungen auch für den persönlichen Besuch geöffnet. Der Internationale Museumstag wird jährlich vom Internationalen Museumsrat ICOM ausgerufen und findet im Jahr 2020 bereits zum 43. Mal statt. Eine Übersicht ist hier zu finden.

Museumstag im PS-Speicher Einbeck.
Museumstag im Stadtmuseum Einbeck.

„Alice“ blitzt in Einbeck: Vom 18. bis 28. Mai ist im Raum Einbeck mit Geschwindigkeitskontrollen durch die semistationäre Messanlage „Alice“ des Landkreises Northeim zu rechnen. Im gesamten Kreisgebiet muss darüber hinaus mit weiteren Kontrollen (durch fest installierte Messanlagen und auch die Polizei) gerechnet werden, informiert der Landkreis.

Video-Sprechstunde von Dr. Roy Kühne: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne (Northeim) lädt am Dienstag, 19. Mai, um 14 Uhr zu einer Online-Sprechstunde zu den „Corona-Soforthilfen“ über die Videokonferenz-App „Zoom“ ein. Es bestehe die Gelegenheit, Fragen an einen Vertreter der N-Bank zu stellen, kündigte Kühne an. Fragen zu individuellen Anträgen könnten allerdings nicht behandelt werden. Anmeldung per E-Mail an roy.kuehne@bundestag.de. Der Link zum Online-Besprechungsraum wird spätestens am Dienstag Vormittag versendet.

Video-Sprechstunde von Christian Grascha: Der Einbecker Landtagsabgeordnete Christian Grascha (FDP) begrüßt zu seinem inzwischen fünften Webtalk via Skype am Montag, 18. Mai, ab 19.30 Uhr Petra Bayer, die Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Schule in Einbeck. Sie wird einen Einblick in den Alltag einer Grundschule im Wechsel zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht geben können. Probleme sollen angesprochen werden, damit die Politik vor Ort und im Land über Lösungen nachdenken kann, wünscht sich Grascha. Die Einwahldaten für die Videokonferenz stehen auf der Homepage von Christian Grascha unter www.christian-grascha.de.

Jetzt Beisetzungen mit maximal 20 Besuchern: Mit Änderung der Verordnung dürfen jetzt wieder maximal 20 Menschen bei Beerdigungen dabei sein. Darauf hat die Einbecker Friedhofsverwaltung hingewiesen. Bislang waren maximal 10 Besucher erlaubt. Der Abschied bleibt somit dem engsten Familien- und Freundeskreis vorbehalten. Die Auflagen bleiben: Es muss sichergestellt sein, dass jede Person beim Betreten und Verlassen der Kapelle sowie beim Aufenthalt in der Kapelle einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu jeder anderen Person, die nicht dem eigenen Hausstand angehört, einhält. Die Nutzung von Gegenständen, zum Beispiel Gesangbücher, durch mehrere Personen ist untersagt. Es sind Hygienemaßnahmen, durch die Veranstalter bzw. das Bestattungsinstitut, zu treffen, die geeignet sind, die Gefahr einer Infektion zu vermindern. Hierzu zählen Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Schutz. Das Tragen von Mund-Nase-Schutz ist dringend empfohlen. Die Veranstalter bzw. das Bestattungsinstitut ist verpflichtet, eine Kontaktliste der Teilnehmern zu führen und diese nach der Trauerfeier an die Friedhofsverwaltung auszuhändigen. Diese Kontaktdaten, bestehend aus Vornamen, Familiennamen, die vollständige Anschrift und einer Telefonnummer, sind ausschließlich für die Zwecke des Infektionsschutzes aufzubewahren, dürfen zu keinem anderen Zwecke verwendet werden und sind nach drei Wochen unverzüglich zu löschen bzw. zu vernichten. Die Taktung der Beisetzungen bleibt, aufgrund der Entzerrung, weiterhin zweistündlich. Die Friedhofsverwaltung ist für den Publikumsverkehr vorerst eingeschränkt geöffnet und telefonisch erreichbar unter 05561- 916611.

Wer wird was?

Peter Volkmar geht, Frank Keller kommt. Foto: Polizei
Peter Volkmar geht, Frank Keller kommt. Foto: Polizei

Frank Keller folgt Peter Volkmar im Kommissariat: Frank Keller heißt der neue Chef im Polizeikommissariat Einbeck. Peter Volkmar, der seit 2013 das Kommissariat an der Grimsehlstraße geleitet hat, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Frank Keller, Dienstrang Erster Kriminalhauptkommissar (deshalb keine Uniform), ist 55 Jahre alt, seit fast 27 Jahren im Polizeidienst tätig und in Bodenwerder (Landkreis Holzminden) zuhause. Zuletzt war Keller bei der Polizeiinspektion Hildesheim seit 2016 Leiter des Fachkommissariats Eigentumsdelikte und Stellvertreter der Kripo-Leiterin. „Frank Keller hat sich innerhalb der Polizeidirektion Göttingen bereits als sehr kompetente und fachliche Führungskraft langjährig bewiesen“, sagt Polizeipräsident Uwe Lührig. „Mit Peter Volkmar verabschieden wir einen Kommissariatsleiter wie aus dem Bilderbuch in den Ruhestand, der sich nie geschont hat und immer überall dort aushalf, wo Not am Mann war“, erklärte Lührig laut Presseinformation bei der Verabschiedung im kleinen Kreis. Volkmar habe es verstanden, durch seine soziale und kollegiale Art gepaart mit Kompetenz und Bürgernähe sowohl zwischen der Bevölkerung und der Polizei, aber auch innerhalb der Polizei eine enge und vertraute Verbindung aufzubauen, umschrieb der Polizeipräsident.