Pumpwippe in Gang gesetzt: Saline Salzderhelden wieder eröffnet

(c) Foto: Frank Bertram

Bescheiden drückt Ewald Merk, der in wenigen Tagen 90 Jahre alt wird, im hölzernen Salinenturm den Schalter und bringt die restaurierte Pumpwippe wieder in Gang. „Ich bin restlos überrascht, habe kein bisschen Ahnung davon“, sagt er augenzwinkernd unter dem Applaus der Zuschauer. „Danke, dass ich das noch erleben kann.“ Dabei hatte Maschinist Merk maßgeblich dazu beigetragen und viele Tipps gegeben, dass die alte Technik der Saline im neuen Salinenturm wieder funktioniert. Mit dem Startknopf der Transmission konnte zwar (noch) keine Sole gefördert werden, wurde aber die wieder aufgebaute Saline Salzderhelden offiziell eröffnet.

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Ewald Merk (Mitte) drückte den Schalter und brachte damit die Pumpwippe wieder Gang. Foto: Frank Bertram

„Wir haben’s geschafft“, rief Erich Wilde, der Vorsitzende des Kultur-Förderkreises Salzderhelden zufrieden aus. Außergewöhnlich bei dem neu gebauten 18,3 Meter hohen Salinenturm aus Holz war, dass der Verein von der Stadt als Bauherr die Regie übernommen hatte. Der Turm der alten, 1884 gebauten Saline war am 4. Juli 2020 nach Brandstiftung ein Raub der Flammen geworden. Mit Tränen in den Augen stand Erich Merk damals vor der Brandruine. Der neue Turm steht exakt über dem alten Bohrloch, das man mit einem zehn Meter langen Edelstahlrohr auch förderfähig erhalten konnte.

In gut einem Jahr Bauzeit ist die Saline in Salzderhelden neu erstanden, der Bohrturm inklusive funktionierender Technik als anschauliches neues Industriedenkmal eröffnet. Der Kultur-Förderkreis Salzderhelden konnte als Bauherr zahlreiche Unterstützer zu der Feier begrüßen. „Wir haben wieder unser Wahrzeichen“, freute sich Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller. Vor fünf Jahren nach dem zerstörenden Feuer seien alle fassungslos gewesen – und skeptisch, ob und wann der abgebrannte Turm wieder erstehen könnte, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Heute sind wir glücklich, einen Weg gefunden zu haben.“ Das sei das Verdienst des Kultur-Förderkreises gewesen, der das Projekt in die Hand genommen habe. Vereinsvorsitzender Erich Wilde dankte der Stadt Einbeck für das Vertrauen, die Regie übernehmen zu dürfen, und für die Unterstützung in Bauamt und Kämmerei. Und großen Anteil an der ehrenamtlichen Leistung habe Erich Wilde, der vor drei Jahren den Vorsitz übernommen habe, ergänzte Vorgänger Karl-Heinz Wessel. „Das war der richtige Mann mit dem beruflichen Hintergrund als Diplom-Ingenieur.“

Lange Zeit war unklar, wie der das Ortsbild prägende Turm wieder erstehen konnte. „Mit gutem Willen allein war es nicht getan“, erinnerte Erich Wilde. Der Kultur-Förderkreis Salzderhelden hat eine Vereinbarung mit der Stadt Einbeck unterzeichnet und die komplette Verantwortung für den Wiederaufbau sowohl inhaltlich und finanziell übernommen. „Sieh zu, dass Du mit der Verwaltung klar kommst“, habe ihm damals ein potenzieller Finanzier gesagt, erzählte Wilde. Nach einem umstrittenen Architektenwettbewerb der Stadt durfte der Verein bei den Plänen mitreden, überzeugte mit dem Holzturm in den gleichen Ausmaßen wie der abgebrannte Vorgänger. So kamen die Geldgeber zusammen.

Die Arbeiten, die von örtlichen Handwerkern (Tischlerei Neugebauer, Dachdecker Stahlmann, Elektro Johanns) durchgeführt wurden, blieben mit rund 465.000 Euro im Plan, mehr als 1000 Stunden Eigenleistung investierte der Verein, brachte unter anderem die erhaltene Technik wieder in Gang. Die Stadt Einbeck zahlte rund 293.000 Euro, darunter die Versicherungssumme. Von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim kommen 48.000 Euro, von der AKB-Stiftung der Familie Büchting 56.000 Euro. Rund 30.000 Euro stammen aus dem Budget des Ortsrates Salzderhelden.

Wenn man etwas gemeinsam tue, arbeite das mit an der Freude vieler, sagte Pastorin Annegret Kröger bei einer Andacht zur Eröffnung. „Die vielen Arbeitsstunden des Wiederaufbaus haben sich gelohnt.“ Das Ergebnis sei mehr als die Summe des Arbeitslohns. Der Regen ließ die Besucher der Eröffnungsfeier zusammenrücken im Bohrturm-Gebäude. „Hier ist Platz für alle unter diesem Dach“, sagte die Pastorin, die als Zeichen der Verbundenheit das Altarkreuz aus der Salzderheldener Kirche mit zur Saline gebracht hatte.

Die Saline Salzderhelden sollte auch touristisch stärker eingebunden werden, wünschte sich die Bürgermeisterin vom Kultur-Förderkreis. Schon heute liegt sie am ausgewiesenen Radweg Salz+Burgen. Führungen, gerade auch für jüngere Menschen, seien wünschenswert, um das neue Industriedenkmal in die Zukunft zu tragen. Joachim Stünkel, der Vorsitzende der Kultur- und Denkmalstiftung, hoffte auf viele Besucher, „möge die Saline weiter leuchten“. Die Saline gehöre zu Salzderhelden wie die Heldenburg. Als die Stiftung um Unterstützung gebeten worden sei, habe man deshalb sofort Ja gesagt, sagte Stünkel. Der Einbecker Landtagsabgeordnete René Kopka würdigte das Ehrenamt, es sei schön zu sehen, was es bei der Saline geleistet habe. „Es ist gelungen, das Symbol ist weit sichtbar.“ Gratulationen kamen auch aus dem benachbarten Sülbeck, mit Salz aus der dortigen Saline. Der neue Bohrturm passe gut zum Sülbecker, scherzte Albert Behrens. „Das Ehrenamt ist eine Arbeit, die unbezahlbar ist.“

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Pastorin Annegret Kröger hielt zur Eröffnung der Saline eine Andacht. Foto: Frank Bertram
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Mimmi Fried und Erich Wilde enthüllen die Bildertafel, die den Verlauf des Wiederaufbaus seit dem Brand zeigt. Foto: Frank Bertram
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Kultur-Förderkreis-Vorsitzender Erich Wilde im wieder aufgebauten Salinenturm: „Wir haben es geschafft!“ Foto: Frank Bertram
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Karl-Heinz Wessel und Erich Wilde (v.r.) bei der Eröffnungsfeier. Foto: Frank Bertram