Saline Salzderhelden brennt nieder

  • Holz-Bohrturm der Saline Salzderhelden brennt nieder
  • 150 Einsatzkräfte in der Nacht vor Ort
  • Ursache des Feuers bislang ungeklärt, Polizei übernimmt die Ermittlungen
  • Polizei schätzt den Sachschaden auf rund 1,5 Millionen Euro
  • Verletzt wurde nach ersten Informationen niemand
Foto: Konstantin Mennecke/Kreisfeuerwehr Northeim

(Aktualisiert 04.07.2020, 09:34 Uhr)

Aus bislang ungeklärter Ursache ist am Freitag gegen 23 Uhr der Turm der Salzderheldener Saline in Brand geraten. Mehrere Anrufer haben laut Polizei unabhängig voneinander gemeldet, dass das Gebäude vollständig in Brand stehe. Das Feuer konnte durch die alarmierten Ortsfeuerwehren der Umgebung unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Der zum Großteil aus Holz gebaute Bohrturm brannte jedoch vollständig nieder. Nach ersten Einschätzungen der Polizei entstand ein Schaden von ungefähr 1,5 Millionen Euro. Der immaterielle Wert als Kulturdenkmal dürfte höher liegen. Der Bohrturm der Saline wurde von 2009 bis 2011 zum Großteil in ehrenamtlicher Arbeit restauriert und seitdem zu musealen Zwecken genutzt. Die Brandursachen-Ermittlungen dauern an.

Über 150 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei waren in der Nacht zu Sonnabend in Salzderhelden im Einsatz. Das Gebäude mit seinem markanten Bohrturm stand im Vollbrand, kilometerweit waren Feuerschein und Rauchsäule zu sehen. Aufgrund der massiven Hitzeentwicklung und des starken Funkenflugs mussten die benachbarten Gebäude vor den Flammen geschützt werden. „Dies gelang durch das schnelle und umsichtige Handeln der Einsatzkräfte“, erklärte Konstantin Mennecke, Sprecher der Kreisfeuerwehr.

Nachbarhäuser wurden evakuiert und die Anwohner vorübergehend im Sportheim untergebracht. Wegen der schwierigen Wasserversorgung vor Ort wurde ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen sowie eine Wasserförderung über lange Wegstrecke eingerichtet. Eine anfänglich vermutete Belastung des Salinen-Bohrturmes mit Asbest bestätigte sich laut Feuerwehr nicht.

Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Salzderhelden, Einbeck, Immensen, Sülbeck, Vogelbeck, Negenborn, Naensen, Kreiensen, Greene und Volksen, die Feuerwehrtechnische Zentrale Northeim, das Technische Hilfswerk sowie das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter-Unfall-Hilfe aus Einbeck.

Foto: Maximilian Radke/Feuerwehr
Foto: Konstantin Mennecke/Kreisfeuerwehr Northeim
Foto: Konstantin Mennecke/Kreisfeuerwehr Northeim

Historischer Hintergrund: Etwa 500 Meter westlich der Ortslage befindet sich der 1755/57 angelegte Salinenhof. Die Salzproduktion wurde 1963 eingestellt. Bis 1994 wurde noch Sole für die Wannenbäder des 1852 eröffneten Solbades gefördert. Heute ist von den Gebäuden nur der Bohrturm II, der Solebehälter, das Badehaus sowie das Bedienstetenwohnhaus erhalten, alle anderen Anlagen wurden abgerissen. Nach einer baulichen Sanierung des Bohrturms 2009/2010 durch die Stadt Einbeck setzte sich der Kultur‐Förderkreis Salzderhelden für den weiteren Erhalt des Industriedenkmals ein und schloss mit der Stadt Einbeck einen Nutzungsvertrag ab. Die alte Technik von 1884 wurde mit viel Eigenleistung und erheblichen Fördermitteln aufwändig restauriert und funktionsfähig gemacht. Zu Schauzwecken wird mit dieser Technik wieder Sole gefördert und mit dem Nachbau eines alten Siedeofens zu Salz gesiedet. (Quelle: Kultur-Förderkreis Salzderhelden)

Luftbild von der Saline Salzderhelden 1957. Archiv-Foto: Kultur-Förderkreis Salzderhelden
Der Turm der Saline Salzderhelden. Archiv-Foto: Kultur-Förderkreis Salzderhelden
Bis auf die Grundmauern ist der Holz-Bohrturm der Saline abgebrannt. Foto: Frank Bertram
Vom Bohrturm aus Holz der Saline Salzderhelden ist nicht mehr viel übrig geblieben nach dem Feuer. Foto: Frank Bertram
Viele Besucher sahen sich am Sonntag die Reste des abgebrannten Saline-Bohrturms vor Ort an. Foto: Frank Bertram
Nach dem Feuer im Bohrturm (Detail). Foto: Frank Bertram

Nachtrag 05.07.2020: Keine 24 Stunden nach dem Feuer, das den Bohrturm vernichtete, brannte es 100 Meter Luftlinie entfernt erneut in der Nähe der Saline, diesmal auf dem Gelände der Kleingärten. Eine Gartenlaube fing aus bislang ungeklärter Ursache Feuer und brannte nahezu vollständig aus, berichtete die Polizei, die als Sachschaden 1000 Euro angab. Durch die alarmierte Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf die angrenzenden Kleingärten verhindert werden. Menschen wurden nicht verletzt, berichtet die Polizei. Rund 40 Kräfte von Feuerwehr und Polizei waren im Einsatz. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Nachtrag 05.07.2020: Mit einem ersten offiziellen Statement hat sich am Sonntag Mittag Ortsbürgermeister Dirk Heitmüller zu Wort gemeldet. „Ich bin entsetzt und schockiert, dass die Saline vollständig abgebrannt ist. Sie war eines der Wahrzeichen des Fleckens Salzderhelden und der Stadt Einbeck mit dem von 1884 erhaltenen, markanten Bohrturm“, lässt sich Heitmüller in einer Pressemitteilung des SPD-Ortsvereins Einbeck zitieren. Dirk Heitmüller ist auch Bürgermeisterkandidat der SPD. „Mein tiefster Dank gilt den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und den Beamtinnen und Beamten der Polizei für ihren gefährlichen Einsatz. Ohne sie wären die umliegenden Gebäude in Mitleidenschaft geraten und es ist nur ihnen zu verdanken, dass keine Personen verletzt wurden“, heißt es von Heitmüller in der Mitteilung weiter. „Auch die schnelle Unterbringung der Anwohnerinnen und Anwohner im Sportheim beim Brand der Saline ist dem beherzten Engagement der Einsatzkräfte zu verdanken. Die Einsätze haben gezeigt, dass das Ehrenamt wichtiger ist als jemals zuvor und wir es, gerade in unserer Region, weiter stärken müssen.“ Dirk Heitmüller: „Ich bin besorgt über die Ereignisse der letzten beiden Nächte. Sollten die Ursachen für die beiden Brände ermittelt werden können, hoffe ich stark, dass es sich um einen schrecklichen Zufall handelt, dass sich beide Brände in so kurzen Zeitabständen und in unmittelbarer Nähe entwickelt haben. Salzderhelden ohne Saline ist nicht vorstellbar. Ich hoffe deshalb, dass ein ähnlicher Neuaufbau der Gebäude über dem Salzderheldener Salzstock in Zukunft möglich sein wird.“