Ministerpräsident Olaf Lies hat heute in Einbeck das passende Puzzle-Stück auf der Landkarte der Suedlink-Trasse eingesetzt und damit symbolisch den Baustart für das Erdkabel in Südniedersachsen markiert. In den kommenden Monaten werden auf rund 100 Kilometern zwischen Elze und Friedland die Gleichstromkabel verlegt, ab 2028 sollen über den insgesamt 700 Kilometer langen Suedlink mit einer Leistung von vier Gigawatt rund zehn Millionen Menschen im Süden den Windstrom aus dem Norden nutzen können. „Dass das Jahrhundertprojekt gelungen ist, ist ein starkes Zeichen“, sagte Ministerpräsident Olaf Lies im PS-Speicher in Einbeck. „Niedersachsen ist bereit, ein ganz wesentlicher Teil der Energiewende zu sein und Verantwortung zu übernehmen.“ Dann wolle man aber auch ein wesentlicher Teil davon sein, wie die Projekte umgesetzt werden, um eine Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen. „Dieser Tag heute zeigt, dass das möglich ist“, sagte Lies. Suedlink mache deutlich, dass die Energiewende der richtige Weg, der Ausbau der erneuerbaren Energie vernünftig und der Ausbau der Netze dringend notwendig seien.

Der Ministerpräsident dankte den Übertragungsnetzbetreibern TransnetBW und TenneT, die sich dem Dialog mit der betroffenen Bevölkerung gestellt haben und weiter stellen werden. Das „Wow“ in der Bevölkerung sei zunächst manchmal nicht die Begeisterung, sondern die Erschrockenheit. Der Netzausbau im Energieland Nummer 1, Niedersachsen, sei aber wichtig. Es werde dabei keine Leitung geben, die keinerlei Auswirkungen habe. Weil man keine Zeit habe, Trassen zwei Mal zu planen wie beim Suedlink, erst als Freileitung, dann als Erdkabel („Das darf uns nicht nochmal passieren“), müsse man ebenso auch frühzeitig deutlich sagen, wozu man nicht bereit sei. „Die Minimierung der Belastung ist die Erdverkabelung“, sagte Olaf Lies.
Bei 30.000 betroffenen, zu sichernden Flurstücken, 2000 zu kontaktierenden Geschäfts- und Privatpersonen werde die Herausforderung bewusst, die Kraft und Zeit gekostet habe. Dazu kommen 25 Kilometer archäologische Bodendenkmale, 100 kartierte Arten im Trassenbereich. Von 1000 Hinweisen seien 35 relevante eingeflossen in den Verlauf der Leitungstrasse. Rund 600 Menschen arbeiten für das Suedlink-Projekt.
Im Gebiet der Stadt Einbeck verläuft die Suedlink-Trasse auf 23 Kilometern. Und die beautragten Firmen realisieren mit Spülbohrverfahren, Unterbohrungen im E-Power-Pipe-Verfahren, Pressungen und weitere Spülbohrverfahren alles, was der moderne Leitungsbau bieten kann. „Hier werden alle Besonderheiten dieses Gigaprojekts sichtbar“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Auch vor Ort sei das Projekt kritisch diskutiert worden in den vergangenen Jahren, das Erdkabel habe das maßgeblich vermindert. Und es gebe weiterhin Kritik, beispielsweise über die Auswirkungen der Stromleitung langfristig auf landwirtschaftliche Pflanzen. Die zentrale Lage Einbecks und geografische Besonderheiten bringe für manche Ortschaft, beispielsweise Erzhausen, eine überproportionale Betroffenheit durch den Suedlink. „Wir leisten unseren guten Beitrag zur Transformation der Energieversorgung“, sagte die Bürgermeisterin. Das sollte bei künftigen Projekten aber auch berücksichtigt werden, appellierte Michalek an die Genehmigungbehörden. Auf der anderen Seite wünschte sie sich eine höhere Geschwindigkeit bei Großprojekten. „Vielleicht hilft es, wenn jeder Betroffene einen kleinen Schritt zurückgeht und nicht nur seine persönlichen Interessen in den Vordergrund stellt“, appellierte Dr. Sabine Michalek.
Der Trassenbau sei nicht frei von Konflikten, räumte Tim Meyerjürgens, Geschäftsführer TenneT, ein. Und es gebe Regionen mit einer Mehrfachbetroffenheit, wie er sagte. Vor einem Jahr habe er in Einbeck die 380-kV-Freileitung Wahle-Mecklar in Betrieb genommen. 55 Kilometer der Suedlink-Erdkabel-Trasse in Niedersachsen sei bereits fertig, in einem Bauabschnitt sei der Graben wieder verfüllt und die Fläche an die Landwirte zurückgegeben. Der Suedlink sei ein Signal, große Infrastrukturprojekte umsetzen zu können.
Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung TransnetBW, betonte die Dialogfähigkeit der beiden Übertragungsnetzbetreiber. Bei insgesamt 700 Veranstaltungen habe man viel geredet und zugehört. Und das werde man auch in der Bauphase, denn da werde die Betroffenheit nicht abnehmen. „Wir werden um Lösungen ringen“, sicherte Götz zu. „Bahnbrechend“ sei die abgeschlossene Rahmenvereinbarung mit dem Landvolk gewesen, immerhin gehe es bei der Trasse überwiegend um wertvolle Böden und Agrarflächen.

Am südlichen Ende von Los 1 dieser 100 Kilometer langen Trasse, unweit der Einbecker Ortschaft Strodthagen, finden aktuell die den Bau vorbereitenden Arbeiten und archäologischen Untersuchungen statt. Auf einem 50 Meter breiten Streifen tragen Bagger unter Beobachtung der Archäologen den Oberboden des Ackers in mehrere Zentimeter dicken Schichten ab. Funde aus der Eisenzeit werden auf dieser großen Verdachtsfläche vermutet, deshalb sind hier die Untersuchungen besonders gründlich. Die Archäologen Agnes Dragomir und Lars Schröder schauen, ob sie Auffälligkeiten auf den 9×5 Meter großen Quadraten entdecken, die ihnen der Bagger aufgräbt. Erste Scherben wurden auch schon gefunden.
Ende Oktober sollen die eigentlichen Suedlink-Arbeiten bei Strodthagen beginnen, dann werden auf den vorbereiteten, untersuchten Trassen 80 Prozent des Kabels in offenen, 1,90 Meter tiefen Gräben verlegt, auf 20 Prozent der Strecke sind Querungen von Straßen, Flüssen oder Bergen notwendig, dafür kommen spezielle Bohrmethoden zum Einsatz. Bei Salzderhelden (Q18 und Q19) beispielsweise wurde die Landesstraße 487 mit HDD-Bohrungen (Spülbohrverfahren) unterquert. Aktuell frisst sich die Bohrung durch den kleinen Heldenberg unweit des markanten Salzderhelden-Schriftzuges. Verlegt werden zunächst Leerrohre, der Einzug der Kabel folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Der Graben wird wieder mit 1,60 Meter dicken Schicht verfüllt.

