Die Bohrungen für die ersten Leerrohre der Suedlink-Stromtrasse haben heute bei Salzderhelden begonnen. Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW darf diese zeitaufwändigen Bauarbeiten vorziehen, obwohl für die insgesamt 700 Kilometer lange Trasse für einige Abschnitte noch kein förmlicher Beschluss der Bundesnetzagentur gefasst ist; diese Planfeststellung wird aber im Frühjahr erwartet.
Zunächst geht es um einen 575 Meter langen Abschnitt, mit dem die Landesstraße 487 zwischen Einbeck und Salzderhelden unterquert wird. Diese Arbeiten sollen bis März abgeschlossen sein, sagte Holger Willems von der ARGE der beauftragten Unternehmen Strabag und Köster, die allein 100 der 700 Trassenkilometer zwischen Hannover und Friedland verlegt. Ein zweiter, mit rund 500 Metern etwa gleich langer Abschnitt soll ab Frühjahr dann unter dem Kleinen Heldenberg beim Schriftzug „Salzderhelden“ durchbohrt werden. Die Suedlink-Trasse besteht aus fünf parallel verlaufenden Rohren. Regulär werden sie in offener Bauweise verlegt.
Unter die Erde getrieben wird die Trasse mit einer so genannten Horizontalspülbohrung, dem HDD-Verfahren. Dafür ist geländeschonend nur ein kleines Baufeld notwendig, sagt Holger Willems. „Wir sind auf der Fläche der Landwirte nur zu Gast.“ Gearbeitet wird von 7 bis 18 Uhr im versetzten Einschichtbetrieb, die Bohrungen sind auch im Winter kein Problem; lediglich für das Schweißen der Leerrohre werden Plusgrade benötigt. Nach der Pilotbohrung wird der Durchmesser auf die notwendige Weite vergrößert, um die vier Leerrohre für den Suedlink und das parallele Leerrohr für beispielsweise Glasfaserkabel zu bekommen. Dabei wird an das Bohrgestänge ein Räumkopf und ein Schutzrohr angehängt und rückwärts durch die Pilotbohrung gezogen. So wird der Bohrkanal auf das endgültige Maß aufgeweitet und dauerhaft verrohrt.
Gespült wird die Bohrung mit einem Wasser-Bentonit-Gemisch. Wie schnell die Bohrung voran kommt, liegt an der spezifischen Bodengeologie. Die Maschine schaffe zwischen zehn und 100 Meter pro Tag, sagte Holger Willems. Der Bohrkopf ist GPS-gesteuert, um die Kabelschutzrohre exakt durch die Erde treiben zu können. Das eigentliche Suedlink-Kabel wird später mit einer Zugwinde hindurch gezogen.
Aus Gründen der Arbeitsicherheit könne auf der Baustelle „nicht jeder einfach mal gucken kommen“, bitten Holger Willems und TransnetBW-Bauoberleiter Alexander Böttger um Verständnis. Man wolle aber nichts verstecken. Anregungen und Beschwerden können über eine an der Baustelle aushängende Telefonnummer an TransnetBW herangetragen werden. Das beauftragte Baukonsortium hat in Einbeck in der Hullerser Landstraße ein Büro eingerichtet. Die meisten Mitarbeiter auf der Baustelle kommen laut Willems aus der Region.

