Bronze-Büste von Teppich-Unternehmer Walter Poser jetzt wieder in Einbeck

(c) Foto: Frank Bertram

Sie stand einst auf einem Sockel am Eingang zu dem Treppenhaus, durch das Besucher auch zum legendären Casino der Teppichfabrik gelangten. Jetzt ist die Bronze-Büste von Walter Poser (1900-1976) zurück in Einbeck, sein Enkel Ralf Kneflowski hat die 1976 entstandene Plastik aus dem Familienbesitz dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv Einbeck überlassen, zusammen mit weiteren historischen Unterlagen, Fotos und Dokumenten. „Da ist schon ein schöner Schatz zusammengekommen“, freut sich Archivarin Susanne Gerdes über die immer besser werdende Überlieferungslage der einstmals großen Einbecker Teppichfabrik, in der Anfang der 1960-er Jahren mehr als 850 Menschen gearbeitet haben und die 2002 in die Insolvenz ging. Sie und auch Museumsleiter Carl Philipp Nies würden sich freuen, wenn ehemalige Mitarbeiter oder deren Familienangehörige ihre Erinnerungen an den großen Unternehmer der Stadt mit der Öffentlichkeit teilen und dem Museum und Archiv zum Beispiel Dokumente oder Fotos leihweise zur Verfügung stellen würden. 2025 ist eine Ausstellung über Walter Poser geplant.

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Museumsmitarbeiter Martin Henze fotografiert die Poser-Büste. Foto: Frank Bertram

Stadtmuseum und Stadtarchiv danken Ralf und Ursula Kneflowski für die großzügige Überlassung aus dem Poser-Nachlass, sie stellt eine wichtige Ergänzung der Bestände in den beiden städtischen Einrichtungen dar, um der großen Bedeutung des Unternehmens Globus-Teppichfabrik Walter Poser für die Wirtschaftsgeschichte der Stadt Einbeck im 20. Jahrhundert auf angemessene Weise gerecht werden zu können. Aber es bestehen weiterhin Lücken in der Überlieferung, insbesondere mit Blick auf die Produktpalette des Unternehmens Globus Teppiche, das Arbeitsleben im Werk oder das soziale Miteinander der Beschäftigten des Unternehmens. Leserinnen und Leser die über Fotos, Dokumente oder auch Gegenstände (z.B. Kataloge, Teppichmuster, Werbeaufsteller etc.) mit Bezug zum Unternehmen verfügen, sind eingeladen, diese dem Stadtarchiv bzw. dem Stadtmuseum zur dauerhaften Aufbewahrung anzuvertrauen. Auch Erinnerungen und Berichte an ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind willkommen. Dazu freut sich das Stadtmuseum über schriftliche oder telefonische Kontaktaufnahme unter Museum@Einbeck.de oder 05561 916-504.

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Museumsleiter Carl Philipp Nies, Hans-Dieter Steenbock und Ilona Zettler vom Freundeskreis Walter Poser, Ursula und Ralf Kneflowski (Enkel von Walter Poser), Archivarin Susanne Gerdes, Dietmar Kolletzki (Freundeskreis, Stromkasten-Pate). Foto: Frank Bertram

Der in Lübeck lebende Enkel von Walter Poser, Ralf Kneflowski, hatte im März dieses Jahres eher durch Zufall vom „Freundeskreis Globus-Teppich-Fabrik Walter Poser“ erfahren, der seit 21 Jahren besteht. Drei bis vier Mal im Jahr treffen sich ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, erzählen von alten Zeiten. Im Sommer hat der Poser-Enkel dann mit Ehefrau Ursula Einbeck besucht und sich mit Vertretern des Freundeskreises getroffen. Ilona Zettler hat 1962 bei Poser angefangen zu arbeiten, Hans-Dieter Steenbock 1964. Dietmar Kolletzki hatte vor drei Jahren auf einem Stromverteilerkasten an der Walter-Poser-Straße große Fotos von Walter Poser und ein Luftbild der Firmenansicht anbringen lassen, der Schulfreund seines Vaters war einst als Pförtner bei Poser tätig, auch Kolletzkis Eltern arbeiteten bei Poser. Neben intensiven Gesprächen haben Kneflowskis und die Poser-Freunde auch die Grabanlage von Olga und Walter Poser auf dem Einbecker Friedhof sowie die privaten früheren Wohnhäuser der Familie Poser in der Harlandstraße, am Kirschenberg und in der Andershäuser Straße 20 (ehemalige Poser-Villa) besucht. Auch das ehemalige Firmengelände, den heutigen, Ende 2013 eröffneten Poser-Gewerbepark mit Möbel-Boss, Expert Einbeck und Kaufland, hatten sie im Sommer besucht, wo eine Straße nach Walter Poser benannt ist. Und die ersten Gespräche mit Museum und Archiv wurden damals ebenfalls geführt.

Das soll sich gerne fortsetzen, erklärte jetzt Ralf Kneflowski. „Ein guter Anfang ist gemacht, wir machen gerne weiter.“ Vor dem Abriss der Fabrikgebäude 2012 sei die Büste in den Familienbesitz gelangt, erzählt der Poser-Enkel. Sein Großvater habe die Bronzeplastik noch selbst kurz vor seinem Tod 1976 in Auftrag gegeben. Bislang hat sie in Kneflowskis Arbeitszimmer in Travemünde gestanden. Er freut sich, dass in Einbeck noch viele Menschen die unternehmerischen Verdienste seines Großvaters würdigten und wertschätzten. Walter Poser galt als sozialer Unternehmer. Mit seiner Unterstützung konnten viele Einbecker in den 1950-er Jahren nahe dem Werksgelände an der Hullerser Landstraße bauen, ein ganzes Stadtviertel entstand damals.

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Ralf Kneflowski und Ehefrau Ursula mit der Büste seines Großvaters, des Einbecker Unternehmers Walter Poser (1900-1976). Foto: Frank Bertram

Walter Poser hat 1928 seine erste Teppich-Fabrik im thüringischen Triptis gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Betrieb enteignet, 1946 ersuchte er unter anderem bei der Stadt Einbeck nach einem neuen Firmengrundstück. 1948 gründete er hier die Einbecker Grobstoffweberei GmbH , aus der 1950 die Globus-Teppichfabrik Walter Poser hervorgeht. 1976 verkaufte Poser sein Unternehmen an die niederländische Gamma Holding. Im gleichen Jahr stirbt er mit 76 Jahren. Im Jahr 2000 versuchten leitende Mitarbeiter das in Schwierigkeiten geratene Unternehmen zu übernehmen. 2002 musste die Insolvenz angemeldet werden.