Der vor zwei Jahren bei archäologischen Grabungen im Keller des Historischen Rathauses am Marktplatz gefundene Münzprägestempel stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert. Er ist damit nicht nur Einbecks ältester Prägestempel für Münzen, sondern der älteste bekannte Münzprägestempel Niedersachsens und Nordeuropas, sagte Einbecks Stadtarchäologe Markus Wehmer. „Der Fund ist in seiner Bedeutung noch gar nicht zu erfassen.“ Mit dem Stempel wurden damals so genannte Brakteaten hergestellt, einseitig geprägte Münzen aus Silber. Nach dem Fund im Dezember 2021 ist der 800 Jahre alte Prägestempel mittlerweile restauriert worden, das 37 Millimeter große Münzbild ist jedoch noch unklar, weil verwaschen. „Der Münzstempel ist sehr abgearbeitet und auch ein bisschen angeschmolzen“, berichtet Wehmer. „Aber er würde noch funktionieren.“ Wer den Münzprägestempel zurückgelassen hat, ist bislang noch ein Geheimnis. Aus Einbeck sind jedenfalls keine mit einem solchen Stempel geprägten Brakteate überliefert.

In einem nächsten Schritt soll der Prägestempel dreidimensional fotografiert und gescannt werden, um das Prägebild noch deutlicher herauszuarbeiten. Durch Veröffentlichungen in Fachmedien erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Hinweise. Bislang gehen Historiker davon aus, dass es erst ab dem Jahr 1430 Münzrecht in Einbeck gab, aus dieser Zeit sind die ersten Münzen bekannt. Der gefundene Prägestempel ist deutlich älter, sagt Archäologe Markus Wehmer. Bei der Grabung im Alten Rathaus Ende 2021 hat er ihn mit seinen Kollegen in einer hochmittelalterlichen Abfallgrube unter verzierter Keramik liegend aufgefunden. Die Scherben können auf 1250 bis 1280 datiert werden und dürften aus dem ehemaligen Töpferort Bengerode bei Fredelsloh stammen. Andere Keramikreste lassen sich in das beginnende 13. Jahrhundert datieren und eindeutig der nördlich von Einbeck gelegenen Töpfereiwüstung Kugenhusen zuordnen, berichtete Markus Wehmer. Es handelt sich dabei um einen so genannte Trichterhalskrug und einen Grapen (Dreibeintopf) mit umlaufender Rollenstempelverzierung. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts hatte die Marktsiedlung von Einbeck noch kein Stadtrecht, an der Stelle des heutigen Alten Rathauses stand vermutlich neben Ratswaage und einem kleineren Rathaus am heutigen Durchgang zum Hallenplan eine Münzprägestätte.
Bei der Einordnung des Prägestempelfundes arbeitet der Einbecker Archäologe mit dem Landesmuseum Hannover zusammen, dessen Kuratorin der numismatischen Sammlung Dr. Hülya Vidin bestätigt Wehmers These, dass die bislang ältesten bekannten Münzprägestempel von 1260 und 1280 aus Meißen und Böhmen stammen, sie sind in Dresden ausgestellt.
Restaurierung und Ausstellungsvitrinen im Stadtmuseum werden von der Bürgerstiftung Einbeck finanziert, aus dem Sondervermächtnis Herbert Lühmann, der mit seiner Unterstiftung Museum und Bibliothek begünstigt hat. Im Stadtmuseum sind außerdem die Keramikfunde ausgestellt, die bei den Grabungen im Rathauskeller zu Tage getreten sind. Dies finanziert der Einbecker Geschichtsverein.





