Buchtipp: Archäologie kennt jetzt Schuhe im Einbeck-Stil vom Petersilienwasser

Die archäologischen Grabungen der vergangenen Jahre am Petersilienwasser in Einbeck auf einer Fläche von mehr als 2600 Quadratmetern haben schon viele, für die Geschichtsschreibung wichtige Erkenntnisse zutage gebracht. Die neueste Buch-Veröffentlichung über Lederfunde und Schusterwerkzeuge ist imgrunde eine wissenschaftliche, die sich vor allem an ein Fachpublikum wendet. Und dennoch ist die Lektüre auch für den Laien spannend: Er erfährt, dass unter Fachleuten drei Schuhtypen nach Fundorten in Einbeck benannt sind. Es gibt den „Einbeck-Stil“, den „Petersilienwasser-Stil“ und den „Wolper-Stil“. Das Grundlagenwerk habe wissenschaftliche und kulturhistorische Bedeutung für Niedersachsen und den ganzen Kulturraum der Hanse, schreiben die Autoren.

Archäologische Grabungen am Petersilienwasser 2016. Archiv-Foto: Frank Bertram

Autoren des neuen Buches sind neben der Leder- und Schuhspezialistin Marquita Volken aus Lausanne/Schweiz die beiden ehemaligen Einbecker Stadtarchäologen Andreas Heege (heute Zug/Schweiz) und Stefan Teuber (heute Northeim). Heege hat zwischen 1996 und 2000 auf dem Areal zwischen Petersilienwasser, Wolperstraße und Münsterstraße graben können, Teuber legte 2009 seine Dissertation über das Petersilienwasser als Buch vor und gab erstmals einen Überblick über Bebauungsstrukturen dieser Fläche zwischen dem 13. und 20. Jahrhundert. Heute ist das Gebiet weitgehend überbaut.

Im Mittelalter hatte die Schuhmacher- und Lohgerbergilde eine große Bedeutung in der einstigen Hansestadt Einbeck. Waren bisher nur Urkunden und Hauszeichen des Handwerks bekannt, und das alles auch erst nach dem die meisten schriftlichen Quellen vernichtenden Stadtbrand von 1540, so hat sich dies mit den Ausgrabungen am Petersilienwasser und den Lederfunden geändert. Mit Markus Wehmer hat mittlerweile der dritte Stadtarchäologe 2017 in diesem Gebiet tätig sein können.

Das Areal am Petersilienwasser im Februar 1996. Archiv-Foto: Frank Bertram
Das Areal am Petersilienwasser im Februar 1996, im Hintergrund die Münsterkirche. Archiv-Foto: Frank Bertram

Die Beschreibung der Lederfunde sowie die Rekonstruktionen zeigen nicht nur anschaulich die stilistische Entwicklung der Schuhmode im Mittelalter, sie geben auch Einblicke, welche Handwerker einst am Petersilienwasser lebten und arbeiteten. Das waren vor allem Schuhmacher, Flickschuster und Gerber. Die besondere Lage der Grabungsfläche in der Aue des einst durch die Stadt laufenden Krummen Wassers ermöglichte viele Lederfunde auch erst, denn dort waren die Erhaltungsbedingungen für organisches Material wie Leder oder Holz ideal. In den feuchten Bodenschichten fanden die Archäologen die Reste einer Schuhmacherwerkstatt und Gerberei sowie eine große Zahl an Schuhen und Trippen aus der Zeit zwischen etwa 1250 und 1400.

Im Buch ist auch der Dank zu spüren an Verantwortliche in Politik und Verwaltung, die über Jahre trotz Schwierigkeiten und Diskussionen diese stadtgeschichtlich wichtigen Ausgrabungen mitgetragen haben. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bringt es in ihrem Grußwort auf einen Nenner: „Einbeck und Archäologie – das gehört einfach zusammen!“

Zwei weitere Buchveröffentlichungen über das Petersilienwasser in den nächsten Jahren sind noch in Planung: über Ofenkacheln und weitere gefundene Keramik.

„Einbeck-Petersilienwasser 2. Lederfunde und Schusterwerkzeuge“ (Marquita Volken, Andreas Heege, Stefan Teuber), Herausgeber: Einbecker Geschichtsverein, 204 Seiten, gebunden, Fadenheftung, s/w und farbige Abbildungen, Isensee Verlag Oldenburg, 1. Auflage: 2020, ISBN 978-3-7308-1642-4

Archäologische Grabungen am Petersilienwasser 2016: Dr. Stefan Teuber (l.) und Oliver Beykirch. Archiv-Foto: Frank Bertram

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