Einbecker Woche 15/2020

Was war?

Corona-Pandemie: Die massiven Beschränkungen des Alltags durch die aktuelle Corona-Krise werden von den Menschen in der Region überwiegend eingehalten. „Die Bereitschaft, an den Schutzmaßnahmen mitzuwirken, ist hoch“, zog Jan-Christopher Linck, der zuständige Fachbereichsleiter im Northeimer Kreishaus, via Pressemitteilung ein erstes Resümee. „Mit einem freundlichen Wort und Erklärungen für die Maßnahmen erreicht man die Menschen am besten, und entsprechende Erfahrungen machen die Kollegen im Außendienst.“ Gelegentlich komme es zwar zu Diskussionen, zum Glück handele es sich dabei aber um Ausnahmen. Allerdings gab es auch weiterhin einige Verstöße. So meldete die Einbecker Polizei am Donnerstag nicht zum ersten Mal, dass sich Menschen versammeln, obwohl sie das aktuell nicht dürfen. Die kombinierte Fußstreife von Polizei und Ordnungsamt traf am Mittwoch im Stiftsgarten auf vier Männer, die gemütlich an einem Tisch sitzend Alkohol konsumierten. Die vier Einbecker im Alter von 59, 55, 54 und 42 Jahren gaben auch zu, dass sie die Vorschriften kennten. Eine Ordnungswidrigkeit wurde notiert. Die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen wird von der Polizei und den Ordnungsbehörden konsequent durchgesetzt und kontrolliert. Verstöße werden mit Bußgeldern von bis zu maximal 25.000 Euro geahndet, schwere Verstöße werden strafrechtlich verfolgt und können mit einer Freiheits- oder Geldstrafe geahndet werden.

Video-Botschaft: Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat sich erstmals mit einer Video-Botschaft an die Menschen in Einbeck gewandt, veröffentlicht auf der neuen Facebook-Seite der Stadt Einbeck, die erst mit Beginn der Corona-Krise online gegangen war:

Die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie ist weiterhin hier und hier und hier auf verschiedenen Übersichtsseiten von Landkreis und Stadt nachzulesen. Im Landkreis Northeim sind (Stand: 02.04.2020, 14.30 Uhr) insgesamt 49 Menschen infiziert positiv getestet.

Essen und Einkaufen trotz Corona: Die Einbeck Marketing GmbH hat die in Zeitungsseiten veröffentlichten Übersichten jetzt auch auf der Website aktuell bereit gestellt. Dort kann jeder finden, welche Gastronomie Abhol- und Bringdienste anbietet und welche Einzelhändler wie geöffnet haben bzw. welchen aktuellen Service diese bieten. Auch die Gutscheine-Seite ist mit weiteren neuen Anbietern online: www.stadtgutschein-einbeck.de Die Volksbank Einbeck hat unter www.regionalzusammenstehen.de eine Übersichtsseite online gestellt, auf der sie zudem eine Beratungshotline für Unternehmer anbietet.

Hilfe-Übersicht: Der Landkreis Northeim lädt alle freiwilligen Helfer sowie die bereits gegründeten Projekte, Netzwerke und Gruppierungen ein, ihre Hilfsangebote auch auf der Internetseite des Landkreises unter www.landkreis-northeim.de/wirhaltenzusammen zu veröffentlichen. Alle hinterlegten Angebote sollen in einer PDF-Datei zusammenfließen, die jeder einsehen, ausdrucken und nutzen kann. „Die Corona-Epidemie führt zu einem großen solidarischen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Ich bin beeindruckt über das Engagement und die verbreitete Bereitschaft, anderen zu helfen“, erklärte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel laut einer Presseinformation.

Logo Helfende Hände

Helfende Hände helfen: 122 freiwillige Helfer, die in Corona-Zeiten ihre ehrenamtliche Unterstützung anbieten möchten, haben sich mittlerweile beim Projekt „Helfende Hände“ registrieren lassen. „Helfende Hände“ der Diakoniestiftung unter weiterer Hilfsorganisationen bündelt das Engagement freiwilliger, gesunder Menschen, die bereit sind, Kranken oder Schwächeren zu helfen. Während beim Einkaufsservice viele Hilfsbedürftige noch zurückhaltend seien, wie es hieß, unterstützt das Projekt seit dieser Woche die „Einbecker Tafel“. Da dort viele Ehrenamtliche der Risikogruppe angehören, war die Belieferung gefährdet. „Hier kommen wir ins Spiel: Wir helfen dabei, die Lebensmittel bei den Supermärkten abzuholen, sortieren sie und liefern die Lebensmittelkisten später fertig gepackt direkt ‚kontaktlos‘ an die Bedürftigen“, schildert Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler den Ablauf. Die Fahrer klingeln und stellen die Lebensmittel donnerstags vor die Tür. Wer selbst Unterstützung braucht oder das Gefühl hat, dass vielleicht der Nachbar, gute Freunde, Bekannte, die Verwandtschaft oder andere Hilfe benötigen, erreicht das Projekt „Helfende Hände“ unter www.diakoniestiftung-einbeck.de, Telefon 05561/1004, die Stadt Einbeck unter 05561/916444 zu den üblichen Geschäftszeiten oder schreibt einfach eine E-Mail an: helfendehaende@einbeck.de.

Krankenhaus stellt sich auf Covid-19-Patienten ein: Das Einbecker Bürgerspital bereitet sich intensiv auf einen möglichen Ernstfall in der Corona-Pandemie vor. Wie genau, das habe ich hier für die HNA Northeim berichtet. „Wir müssen uns täglich neu auf die aktuellen Gegebenheiten einstellen“, sagt Geschäftsführer Frederic Lazar. Seit etwa einer Woche ist am Eingang des Einbecker Bürgerspitals ein so genanntes Triage-Zelt aufgebaut. Als „Triage“ bezeichnet man ein Verfahren zur Sichtung beziehungsweise Einteilung medizinischer Hilfeleistung. Ziel ist, einen möglichen Covid-19-Patienten bereits vor dem Krankenhaus zu erkennen und gezielt zu behandeln, ohne weitere Kontaminationspunkte in der Klinik zu schaffen. Das Einsatzzelt hat die DRK-Bereitschaft Einbeck aufgebaut, eingerichtet und in Betrieb genommen.

"Triage"-Zelt am Eingang des Einbecker Krankenhauses. Foto: Frank Bertram
„Triage“-Zelt am Eingang des Einbecker Krankenhauses. Foto: Frank Bertram

Was wird?

Erste Kurzarbeit-Prognose: Die Agentur für Arbeit hat eine erste Prognose veröffentlicht, wie sich die Corona-Pandemie auf den regionalen Arbeitsmarkt auswirken wird. Mehr dazu hier.

Hahnemühle hilft: Das Unternehmen Hahnemühle (Einbeck/Relliehausen) produziert in der Corona-Krise als „systemkritischer“ Zulieferer für die dringend benötigten Schnelltests. Schon seit 1883 ist die Firma auch im Bereiche „Life Science“ tätig und gilt als einer der Erfinder hochreiner Filter-Systeme. Bestehende Tests für unterschiedliche Erreger von Atemwegserkrankungen wurden jetzt so weiterentwickelt, dass Gene des neuen Corona-Virus in Schnelltests erkannt werden. Dieser besteht laut Hahnemühle aus Einmal-Kartuschen mit Reagenzien inklusive des Trägermediums von Hahnemühle und einem Analysegerät, in dem Proben in der Kartusche vervielfältigt und dann auf die unterschiedlichen Erreger analysiert werden.​ Bis Ende des Jahres erweitert das Unternehmen seine Kapazitäten, um bis zu 20 Millionen Covid-19-Tests pro Monat auszustatten. Außerdem prüft Hahnemühle mit Partnern, welche ihrer Papiere für weitere Schutzausrüstungen in Frage kommen. Hahnemühle hat seine Produktion im Einklang mit den staatlichen Auflagen zu Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen auf ein streng abgeschirmtes Drei-Schicht-System umgestellt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Brauhaus hilft: Die Einbecker Brauhaus AG hat nicht nur Desinfektionsmittel an Polizei und Feuerwehr gespendet (hier mehr im Einbecker Bierblog), sondern auch die Aktion „Flasche hilft Fass“ gestartet. Der Fassbierabsatz fehlt dem Unternehmen, weil die Gaststätten alle geschlossen sind. Hier steht mehr dazu in meinem Einbecker Bierblog. Die Aktiengesellschaft hat am Donnerstag außerdem seine aktuellen Bilanzzahlen von 2019 veröffentlicht und angekündigt, die Aktionärsversammlung im Juni wegen der aktuellen Corona-Lage nicht in der PS-Halle wie bisher, sondern ausschließlich online durchzuführen.

Wer wird was?

Ulrich Lüdecke leitete zehn Jahre lang das Arbeitsamt in Einbeck. Foto: Agentur für Arbeit Göttingen

Ulrich Lüdecke verschiebt Pension: Eigentlich sollte am 31. März Schluss sein mit dem Arbeitsleben. 49 Jahre war Ulrich Lüdecke bei der Agentur für Arbeit tätig, zehn Jahre lang davon leitete er die Arbeitsagentur in Einbeck. Nun wollte er den Ruhestand genießen. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie möchte Lüdecke seine Erfahrung noch ein wenig bei der Agentur für Arbeit einbringen. „Mit 66 Jahren bin ich noch nicht dienstmüde, obwohl ich mich auch auf die Zeit nach der Arbeitsagentur freue“, sagte Lüdecke laut einer Presseinfo. „Ich fühle mich meinem Arbeitgeber, den Kolleginnen und Kollegen und dem sozialpolitischen Auftrag der Arbeitsagentur nach wie vor verbunden. Daher habe ich überhaupt nicht überlegen müssen, als es darum ging, zu unterstützen und in das Aufgabenfeld Kurzarbeit einzusteigen.“ Klaus-Dieter Gläser, Chef der Göttinger Arbeitsagentur, freut sich darüber: „In diesen Zeiten können wir das Know-how und die Unterstützung unserer Ruheständler dringend gebrauchen!“