Sie ist für die bauliche Unterhaltung unter anderem der Münsterkirche St. Alexandri in Einbeck zuständig, saniert beispielsweise seit Jahren das Dach der großen gotischen Hallenkirche, aktuell im Nordbereich des Turmes. Die Kirche mit ihrer rund 900-jährigen Geschichte gehört zu den mehr als 40 Sakralbauten in Niedersachsen, welche die Klosterkammer an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts anpasst. Die Klosterkammer Hannover hat in diesem Jahr in Einbeck über ihre vielfältigen Aufgaben berichtet. „Wir sind die Ermöglicher geistlichen Lebens“, sagte die Präsidentin Dr. Thela Wernstedt bei der Eröffnung des Klosterkammertages in der Münsterkirche St. Alexandri. Zuletzt hatte es 2021 in Hildesheim einen Klosterkammertag gegeben.
Die Klosterkammer Hannover verwaltet seit rund 200 Jahren ehemals klösterliches Vermögen in vier öffentlich-rechtlichen Stiftungen, unter anderem im Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds, zu dem auch die Münsterkirche als einstige Stiftskirche gehört. Die Klosterkammer sei mehr als eine Vermögensverwaltung, sagte Dr. Henning Krüger, Referatsleiter im Ministerium für Kunst und Kultur. Im politischen Alltag verliere man schnell mal aus dem Blick, dass die Klosterkammer das kulturelle niedersächsische Erbe pflege und bewahre – und das, ohne den Landeshaushalt zu belasten. Sie agiere dabei nicht museal, sondern lebendig. Auch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek lobte die Zukunftsfähigkeit und gesellschaftliche Relevanz der Klosterkammer. Die Einbeckerinnen und Einbecker seien dankbar für die Erhaltung der Münsterkirche. St. Alexandri sei ein besonderer Ort, der eng mit der Stadtentwicklung Einbecks verbunden sei. Heute kämen zwar keine Pilger mehr wie in früheren Jahrhunderten der Reliquienverehrung, wohl aber Touristen, die voller Bewunderung für die Münsterkirche seien. Auf für Kirchenmusik genieße die Kirche und ihre Akustik einen guten Ruf.
Die persönliche Bedeutung der Münsterkirche für ihn schilderte Dr. Claas Cordemann, Regionalbischof des Sprengels Hildesheim-Göttingen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Er war 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter für systematische Theologie an der Universität Göttingen, sträubte sich anfangs gegen sein Vikariat auf dem Weg zum Pastor, das er in Einbeck absolvieren sollte. Der damalige Pastor Wolfgang Teicke habe ihm die Gemeinde gezeigt und einige Menschen vorgestellt, als sie zuletzt dann die Münsterkirche durch den Haupteingang betreten hatten und im Kirchenschiff standen, durchflutetete mit einem Mal die Sonne den Raum. „Da war mein Widerstand gebrochen“, erzählte Cordemann von der ganz besonderen Atmosphäre damals, die ein entscheidender Schritt für ihn auf dem Weg zum Pastor gewesen sei. „Kirchen bauen an unserer Seele, Räume verdichten die Atmosphäre und arbeiten an unserer Humanität“, sagte der heutige Regionalbischof. Die Klosterkammer bewahre Orte und führe sie so in die Zukunft, dass sie auch morgen noch lebendig seien, sagte Dr. Martin Marahrens, Weihbischof des Bistums Hildesheim. Das katholische Bistum sei dankbar für die Kompetenz und die Lösungsansätze, welche die in Jahrzehnten oder Jahrhunderten mit langem Atem denkende, über den Horizont hinaus schauende Klosterkammer bei kirchlichen Gebäuden zeige.

Über die Herausforderungen der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels für den (oftmals von der Klosterkammer gepachteten) Boden sprachen Henrike Bauermeister-Mund, Leiterin der KWS-Landwirtschaftsbetriebe, und Julius von Gadenstedt, Klostergutpächter in Wöltingerode.

Für die musikalische Begleitung des offiziellen Teils sorgten Goetheschule-Abiturientin Emma Wray (Querflöte) und Ellen Wolpert (Piano).
Neben gut besuchten Kirchen-, Orgel- und Turmführungen haben die Mitarbeiter der Klosterkammer an Infoständen Einblicke in die Bau- und Kunstpflege geboten. Dabei ging es um kunstgeschichtliche Hintergründe, die denkmalgerechte Instandsetzung der Südfassade, die Baustelle am Nordturm sowie um Temperierung und Lüftung in Kirchen.
Die Klosterkammer Hannover ist eine Landesbehörde mit rund 160 Mitarbeitenden, die ehemals klösterliches Vermögen in vier öffentlich-rechtlichen Stiftungen verwaltet. Sie finanziert sich vollständig selbst und ist nicht vom Landeshaushalt abhängig. Die Klosterkammer hat fünf Abteilungen: Allgemeine Verwaltung, Liegenschaften, Bau- und Kunstpflege, Beteiligungsverwaltung sowie Förderungen/Klöster & Stifte. Das Stiftungsvermögen besteht zu 95 Prozent aus Immobilien. Sie ist nach dem Land die größte Flächeneigentümerin und Waldbesitzerin in Niedersachsen mit einem Grundbesitz von 40.000 Hektar. Durch die Klosterforsten und durch mehrere Tochterunternehmen erwirtschaftet die Klosterkammer ihre Erträge durch die Verwaltung von rund 16.700 Erbbaurechten; sie ist damit die größte Ausgeberin von Erbbaurechten in Deutschland. Die Klosterkammer ist verantwortlich für den Erhalt von mehr als 700 Gebäuden, viele davon sind Baudenkmale, und rund 12.000 Kunstobjekten. Dazu gehören 43 Kirchen, Dome und Kapellen sowie 18 Klostergüter – eines darunter ist selbst bewirtschaftet. Sie unterstützt rund 50 Kirchengemeinden beider christlicher Konfessionen in Niedersachsen. Übernommen werden unter anderem Personalkosten und Bauunterhalt in Höhe von rund sieben Millionen Euro pro Jahr.

