Eine weitere Geschichts- und Erinnerungstafel ist auf dem Einbecker Zentralfriedhof eingeweiht worden. Sie beschäftigt sich mit dem Gräberfeld für Tote des Ersten Weltkrieges und informiert über Hintergründe. Die Tafel ist mittlerweile die vierte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die auf dem Friedhof an der Kapellenstraße aufgestellt worden ist. Schülerinnen und Schüler der IGS Einbeck haben im Rahmen des Wahlpflichtkurses Gesellschaftslehre „Stadt und Region Einbeck“ zu den Gräbern der Opfer des Ersten Weltkriegs auf dem Zentralfriedhof Einbeck recherchiert und den Text der Tafel im Schuljahr 2024/25 erarbeitet. Die Tafel des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde gefördert von der Bürgerstiftung Einbeck und vom Einbecker Geschichtsverein. Eine fünfte Tafel soll es noch für die Zwangsarbeiter-Gräber auf dem Zentralfriedhof geben.

Friedhöfe seien nicht allein Orte der Trauer, sondern auch der Orientierung und ein öffentlicher Lernort, sagte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, die Kreisvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist. „Sie bewahren Spuren der Geschichte und erinnern uns daran, dass die großen Ereignisse der Weltgeschichte immer auch Auswirkungen auf das Leben vor Ort hatten.“ Hier auf dem Gräberfeld auf dem Zentralfriedhof in Einbeck werde sichtbar, dass der Erste Weltkrieg „nicht irgendwo in der Ferne stattfand“. Auch in Einbeck habe er tiefe Spuren hinterlassen. „Diese Spuren sind bis heute zu erkennen – und es ist wichtig, sie nicht nur zu bewahren, sondern zu verstehen“, sagte Klinkert-Kittel. Die Erinnerungstafel, für die Schüler recherchiert haben, mache diese Zusammenhänge sichtbar und verständlich. Die Landrätin dankte den Schülern und der IGS für den konkreten Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur. „Sie haben gezeigt, dass Erinnerung lebendig ist, wenn sie Menschen dazu bewegt, hinzuschauen, zu fragen und Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie. Darauf könnten die Schüler und auch Einbeck stolz sein. „Ich freue mich sehr, dass wir heute das Ergebnis ihrer Arbeit würdigen können.“ Die Landrätin dankte der IGS Einbeck mit ihrer Leiterin Sandra Friedrich und Lehrer Florian Fechner, dem Bildungsreferenten des Volksbundes, Dr. Rainer Bendick, und der ehemaligen Museumsleiterin Dr. Elke Heege für die engagierte Arbeit.
Was sich nicht wiederholen solle, dürfe nicht vergessen werden, ergänzte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Nur wenn wir uns aufrichtig und ehrlich erinnern, können wir künftige Generationen vor dem Schrecken von Krieg und Gewalt schützen“, mahnte sie. „Diese Kriegsgräber zeigen exemplarisch und eindringlich für die vielen Tausend Kriegsgräber weltwelt, was Krieg in seiner letzten Konsequenz bedeutet.“
Für die Soldaten, die in den Einbecker Reservelazaretten starben, wurde 1915 ein „Ehrenfriedhof“ auf dem damals erst wenige Jahre alten Zentralfriedhof angelegt. Bereits im Sommer 1915 organisierte der Einbecker Stadtgärtner mit Hilfe von Kriegsgefangenen den Transport eines Findlings aus der Lüneburger Heide nach Einbeck, der noch heute auf dem Gräberfeld steht. Die Inschrift „Den tapferen Kriegern 1914–18“ wurde 1920 angebracht. Die Grabsteine aus wetterhartem Kalkdolomitstein mit nur wenigen Variationen wurden erst 1924 aufgestellt. Bis 1919 wurden auf dem Gräberfeld 27 deutsche Soldaten bestattet, heute liegen 64 Gräber auf dem Areal. Südlich des Weges wurden Männer bestattet, die an gesundheitlichen Spätfolgen einer Kriegsverletzung starben; zuletzt fand hier August Bode 1942 seine letzte Ruhestätte. Unter den Bestatteten sind mindestens 34 Einbecker. Als Beispiel ist auf der Tafel das Schicksal des Kriegsopfers August Rehkop geschildert.

In den ersten fünf Monaten des Ersten Weltkrieges ab August 1914 wurden in Einbeck 700 Männer eingezogen, darunter etliche jugendliche Abiturienten. Bereits wenige Tage nach Kriegsbeginn gab es die ersten Todesmeldungen in den Zeitungen. Im Anzeigentext tauchte zunächst regelmäßig der Begriff „Heldentod“ auf. Später stand in den Anzeigen eher der persönliche Verlust im Vordergrund. Zehn Einbecker fielen bereits in den ersten Kriegsmonaten 1914. 1915 waren fast die Hälfte der in Einbeck registrierten Toten gefallene Soldaten. In der Regel wurden die Gefallenen auf Massengräberfeldern in der Nähe der Fronten begraben. Ein Rücktransport in die Heimat war, soweit überhaupt möglich, sehr aufwändig und teuer.
Die Erinnerungstafel thematisiert auch die so genannten Reservelazarette, in die verwundete Soldaten verlegt wurden, wenn die Genesung nach der Erstversorgung direkt hinter der Front länger dauerte. In Einbeck wurden Verletzte zunächst im 1903 erbauten Krankenhaus am Deinerlindenweg gepflegt. 1915 errichtete man Lazarettbaracken in der Schützenstraße, die damals außerhalb des bebauten Stadtareals lag. Aus den Lazaretten sind Fotos überliefert und auf der Erinnerungstafel zu sehen, die den Pflegealltag zeigen sollen. Sie vermitteln bisweilen den Eindruck, dort sei es relativ heiter zugegangen. Insofern sind Lazarettaufnahmen, die nicht selten auch als Ansichtskarten von den genesenden Soldaten verschickt wurden, auch Instrumente der Propaganda gewesen. Neun der Lazarett-Patienten des Jahres 1915 sind auf dem Gräberfeld beerdigt worden.



