Mehrfach erhoben sich die fast 300 Gäste in der PS-Halle zu stehendem Applaus. Sie würdigten damit beim Neujahrsempfang von Einbeck Marketing und Stadt Einbeck einen Mann für sein außergewöhnliches Lebenswerk, fügten den vielen Ehrungen von Bundesverdienstkreuz bis Ehrenring der Stadt Einbeck eine weitere hinzu: Karl-Heinz Rehkopf erhielt von Einbeck Marketing die erste „Goldene Eule“ – und der Geehrte konnte so viel Ehre kaum fassen. „Von den Auszeichnungen freue ich mich am meisten über die Einbecker“, sagte der 87-jährige Gründer und Stifter des PS-Speichers. Denn diese zeigten ihm die Wertschätzung, welche die Einbecker ihm und der gesamten PS-Mannschaft entgegen bringen. „Diese große Ehrung nehme ich mit Stolz und Dankbarkeit entgegen“, dankte Rehkopf für die „Goldene Eule“. Der PS-Stifter bescheiden: „Sie haben mich bis an die Grenze des Verkraftbaren geehrt.“
Die „Gläserne Eule“, die Einbeck Marketing jedes Jahr beim Neujahrsempfang verleiht, hatte 2015 bereits die von Karl-Heinz Rehkopf initiierte Bürgerinitiative „Sch(l)aufenster“ mit ihrem Vorsitzenden Hans-Jürgen Kettler erhalten. Für ein Denkmal sei es noch zu früh, überreichte Christoph Bajohr nun die güldene Auszeichnung an den Mann, der mit seiner Oldtimersammelleidenschaft dazu beigetragen hat, dass hier und nicht in einer Großstadt (es gab Angebote aus drei Metropolen) die größte Oldtimersammlung Europas mit mehr als 2500 Exponaten gezeigt wird. „Aber ohne Einbeck gäb’s kein Bockbier, ohne Karl-Heinz Rehkopf keinen PS-Speicher in Einbeck“, sagte Bajohr.
Der Vorsitzende der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft, Christoph Bajohr, dankte allen Förderern, Mitdenkern und Unterstützern des Stadt- und Standortmarketings. Wer wir er schon häufiger zum Neujahrsempfang die Begrüßungsworte gesprochen habe, müsse aufpassen sich nicht zu wiederholen. „Aber wir dürfen nicht müde werden, Dinge auch immer wieder zu benennen, auch wenn es manchmal etwas schwerfällt“, sagte Bajohr. Notwendige Steigerung der Attraktivität der Kernstadt, Beseitigung von Leerstand, notwendiger Branchenmix in der City, attraktiver Wohnraum, moderne Arbeitsplätze – alles das bleibe aktuell. Christoph Bajohr: „Wir alle wissen, dass wir sehr viel und immer mehr tun müssen, um unsere Stadt lebendig und auch liebenswert zu erhalten, das gelingt nur, wenn wir auch weiterhin gemeinsam Kräfte bündeln und gleiche Ziele verfolgen.“ Es gebe ich Einbeck viele engagierte Menschen, viele mit Liebhaberei und Leidenschaft für diese Stadt. „Wir haben das größte Potenzial und die besten Chancen, immer stärker zu werden, um uns auch weiterhin deutlich in dieser Region positiv abzuheben“, sagte der Vorsitzende der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft. Einbeck habe dafür viele Alleinstellungsmerkmale, die Stadt könne ein Musterbeispiel dafür werden, wie eine kleine Stadt es trotz struktureller und wirtschaftlicher Herausforderungen doch schaffe, Besucher, Gäste und Neubürger für den Standort zu gewinnen. „Seien Sie und bleiben Sie bitte dabei“, appellierte Bajohr an die Vertreter aus Handel, Dienstleistung, Industrie und Handwerk.
Auf einen anderen Neujahrsempfang ging Bajohr in einer persönlichen Anmerkung ein, dieser liege ihm schwer im Magen: das Treffen der AfD in Northeim mit einem selbst ausgedachten Preis für den Thüringer Björn Höcke. Es dürfe nicht unwidersprochen hingenommen werden, dass Rechtsextreme ihre Ideologien und verfassungsfeindlichen Parolen verbreiten. Für ihn sei es das gute Signal, dass Hunderttausende deutschlandweit auf die Straße gehen, dass auch in der Region und in Einbeck der Protest gegen Rechtsextremismus stattfinde.
Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gab den Gästen ein Zitat aus dem „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry auf den Weg ins neue Jahr: „Was vergangen ist, ist vergangen, und Du weißt nicht, was die Zukunft dir bringen mag, aber das Hier und Jetzt, das gehört Dir.“ Wer sich des großen Geschenk des Lebens nicht bewusst sei, den begleite eine stetige Angst vor dem, was morgen kommen möge. „Leben Sie im heute, akzeptieren Sie den Augenblick, wie er ist, verschieben Sie ihre Träume nicht auf morgen und lassen Sie uns alle mutig bleiben“, wünschte sie den Gästen des Neujahrsempfangs.
2024 bringe frischen Fahrtwind nach Einbeck, das Jahr der Mobilität. Die Mobilität sei ein zentraler Aspekt von Freiheit, erklärte Michalek. Neben der körperlichen Mobilität und der stetigen Suche, nach dem schönsten Ort, gebe es auch noch die geistige Beweglichkeit – die Fähigkeit, kreative Lösungen für neue Situationen zu finden. Sich in einer so mehrdeutigen Welt wie der heutigen zurecht zu finden bedeute, mutig zu handeln, bewusst zu entscheiden und Fehler zu akzeptieren. In der volatilen, unsicheren und komplexen Welt sei es wichtig, offen für Neues zu bleiben – sich eben die geistige Beweglichkeit zu bewahren.
„Selbstvertrauen zu behalten und den unbedingten Willen zu bewahren, gute Ergebnisse zu erzielen, das muss unser Ziel sein“, wünschte sich die Bürgermeisterin. „Es kann uns gelingen, wenn wir uns auf die Menschen und das Menschliche konzentrieren, wenn wir als Gesellschaft unsere gemeinsame Zukunft miteinander entwickeln, auf der Basis unserer Grundwerte und einem offenen Meinungsaustausch.“
Die Bürgermeisterin dankte auch noch einmal den rund 650 Blaulicht-Einsatzkräfte aus den verschiedenen Organisationen, die seit dem 22. Dezember im Hochwassereinsatz in Einbeck waren und sind, die das Ich trotz der Feiertage in den Hintergrund und das Wir nach vorne gestellt haben. „Sie haben einen riesengroßen Anteil daran, dass wir alles in allem so glimpflich davon gekommen sind.“
Verhaltensbiologin Dr. Elisabeth Oberzaucher konnte ihren Impulsvortrag „Homo mobilis – evolutionsbiologische Einblicke in die Zukunft der Mobilität“ lediglich online per Zoom-Schaltung präsentieren. Ausgerechnet der Bahnstreik hatte der Wissenschaftlerin einen Strich durch die Mobilitätsrechnung gemacht, eigentlich hatte sie auch vor, direkt nach dem Neujahrsempfang mit dem Nachtzug wieder nach Wien zurück zu fahren. So blieben ihr nur einige virtuelle Worte.
Absolut mobil ging der Neujahrsempfang auf der Bühne zu Ende: „Die Farellos“ präsentierten in der PS-Halle eine rasante, humorige Einradshow mit viel Akrobatik.
Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist Mitglied im Verein Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft, der Mehrheitsgesellschafter (51 Prozent) der GmbH ist.

