Verdienstkreuz am Bande für Jörg Bachmann

Der Bundespräsident hat Jörg Bachmann aus Sülbeck das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. „Wir ehren heute einen Mann, der sich in der Kulturszene einen Namen gemacht hat“, sagte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, die gestern im Auftrag des Staatsoberhauptes die Auszeichnung überreichte. „Sie sind ein Vorbild, ihr jahrzehntelanger und außergewöhnlicher Einsatz geht weit über ehrenamtliches Engagement hinaus“, sagte die Landrätin, die Jörg Bachmann in seinem Sülbecker „Esel“ das Verdienstkreuz ansteckte und die entsprechende Urkunde überreichte. Der Gründer dieser Kulturinstitution auf dem Dorf dankte bescheiden: Er sehe die Auszeichung stellvertretend für alle, mit denen er in den vergangenen Jahrzehnten zusammenarbeiten durfte im Namen der ganz besonderen kulturellen Landschaft in Südniedersachsen. „Das ist es, was mich motiviert hält“, sagte Jörg Bachmann.

Jörg Bachmann erhielt das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus den Händen von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Bachmann dankte seiner Frau Birgit Berger für die Unterstützung in all den Jahren. Foto: Frank Bertram

Wie alles begann (und weiterging), zeigte bei der Verleihungsfeier ein kurzer Videofilm: Fünf Berliner, die schon dort in einer Wohngemeinschaft zusammengelebt hatten, suchten Anfang der 1980-er Jahre nach einem großen Haus mit einem Saal auf dem Lande. Mehr als 30 Objekte westlich von Helmstedt haben sich die Großstädter angesehen, im kleinen Sülbeck bei Einbeck wurden sie fündig und kauften im Herbst 1985 die damalige Dorfkneipe. In einer ersten Sitzung aller Vereinsvorstände des Dorfes wurden die Berliner überredet, die Dorfkneipe zu übernehmen. Was auch zehn Jahre lang in wechselnder Besetzung passierte. Jörg Bachmann war immer dabei und sieht heute diese Phase als wesentlich, im Dorf angekommen und integriert worden zu sein. Das bestätigte auch Ortsbürgermeister Rolf Metje, der einräumte, damals wie viele skeptisch gewesen zu sein, ob das „die Berliner“ schaffen würden.

1996 wurde die Gaststätte aufgegeben und umgebaut zum Veranstaltungszentrum, dem „Esel“. „Wenn ich gute Musik hören will, muss ich sie selber veranstalten“, sagt Jörg Bachmann, der viele Jahre als Sozialpädagoge in Göttingen arbeitete. Die ersten Erfolge waren Motivation, weiter zu machen, zunächst in der landkreisweiten Initiative für Kunst und Kultur, ab 2009 als eigener Verein. „Wir haben uns einen Namen gemacht“, weiß Bachmann, durchschnittlich 130 Konzertbesucher sprechen eine deutliche Sprache.

Die Landrätin steckt Jörg Bachmann das Verdienstkreuz ans Revers. Foto: Frank Bertram

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel würdigte das vielfältige Engagement Jörg Bachmanns, das überall große Wertschätzung erfahre. Mit dem „Esel“ in Sülbeck habe er einen soziokulturellen Treffpunkt und eine kulturelle Begegnungsstätte geschaffen, mittlerweile mehr als 450 Veranstaltungen organisiert und mehrfach den renommierten Spielstättenpreis „Applaus“ bekommen. Seit zehn Jahren organisiert Jörg Bachmann auch das Jazzfestival Göttingen mit, engagiert sich beim Kulturfestival Stadtpartie Einbeck und seinem Vorläufer, dem Denkmal-Kunst-Kunstdenkmal-Festival. Auch beim Regionalportal www.erlebnis-kultur.de habe Jörg Bachmann seine Erfahrungen und Kenntnis eingebracht. In der südniedersächsischen Friedenswerkstatt habe er sich eingesetzt, zahlreiche Bildungsfahrten organisiert, Zeitzeugen des Holocaust wie Rozette Kats in die Region eingeladen, damit sie in Schulen berichten konnten. 2014 gehörte Jörg Bachmann zu den Mitorganisatoren des Open-Air „Jazz ohne Gleichen“ in Rittmarshausen.

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gratulierte Jörg Bachmann zum Verdienstorden. „Wenn es jemand verdient hat, dann Sie mit ihrer unprätentiösen Art.“ Sie selbst habe den „Esel“ als Kulturort erstmals bei einem „Ringsgwandl“-Konzert erlebt, da war ihre Familie gerade 2001 aus Bayern hierher gezogen. „Das hat mir ein neues Heimatgefühl gegeben.“

Eine vergrößerte Postkarte des einstigen Dorfgaststätte Böcker, der heute „Beim Esel“ ist, überreichte Ortsbürgermeister Rolf Metje (l.) an Jörg Bachmann. Foto: Frank Bertram

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