„So krass dolle verdient“: Erstmals Rotary-Lehrerpreis im Landkreis Northeim verliehen

Der Lehrerpreis der Rotary-Clubs Einbeck-Northeim geht an Simone Taube von der Rainald-von-Dassel-Oberschule. Mit dem Sonderpreis Distanzlernen in der Pandemie wird Simon Herwig von der Grundschule Nörten-Hardenberg ausgezeichnet. In Lütgenrode fand jetzt die Preisverleihung mit Schirmherrin Landrätin Astrid Klinkert-Kittel statt. Dabei waren auch die nominierten Lehrerinnen und Lehrer, ingesamt hatte es 114 Vorschläge von Schülern und Eltern aller Schulformen im Landkreis Northeim gegeben.

Die Preisträger Simon Herwig und Simone Taube mit Rotary-Präsident Renatus Döring (l.) und Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Foto: Frank Bertram

Hervorragende Leistungen würden viel zu oft außerhalb des Radars der Öffentlichkeit stattfinden, bedauerte der Präsident des Rotary-Clubs Einbeck-Northeim, Renatus Döring, der Schulleiter der BBS Einbeck ist. Mit dem Lehrerpreis wolle man das ändern. Schon vor Jahren habe er aus der polnischen Partnerschule Schlochau die Idee eines Lehrerpreises mitgenommen, die dort eine lange Tradition habe. Als die BBS Einbeck sich intensiv mit dem Deutschen Schulpreis beschäftigt habe, sei ein Lehrerpreis für den Landkreis Northeim weiter gereift. In diesem Jahr hat der Rotary-Club ihn nun erstmals ausgelobt. Döring betonte, dass die Sieger nicht gleichzeitig die besten Lehrer im Landkreis seien, wohl aber diejenigen, die anhand von Kritierien die Jury überzeugt haben. Es sei „unfassbar schwierig“ gewesen, die Sieger auszuwählen, weshalb es auch nach den zwei ersten Preisen nur weitere Zweitplatzierte gebe.

Landrätin Astrid Kinkert-Kittel, die Schirmherrin des Wettbewerbs ist, bedauert, dass der Lehrerberuf oft falsch eingeschätzt werde in der Öffentlichkeit. Bildung bedeute mehr als die Vermittlung von Wissen, die Kinder verbringen sehr viel Zeit in den Schulen, und gerade in der schwierigen Corona-Zeit seien Lehrer noch viel mehr zum wichtigen Halt für die Schüler geworden.

Den Hauptpreis gewann Simone Taube, Lehrerin an der Rainald-von-Dassel-Schule in Dassel. Sie habe die Auszeichnung „so krasse dolle verdient“, schrieb ein Schüler in seinem Vorschlag. „Ihre Schüler sagen, dass sie sehr gut erklären kann“, sagten die Jury-Sprecher über die Preisträgerin, die sich in zahlreichen Schulgremien besonders für ein soziales Miteinander engagiert und für die der Lehrerpreis auch eine Ehrung für ihr bisheriges Lebenswerk sei. „Sie strahlt eine unaufgeregte Gelassenheit aus.“

Auf die zweiten Plätze kamen Jessica Jünemann (IGS Einbeck), Anja Teuteberg (Grundschule Vogelbeck) und Susann Wille (Geschwister-Scholl-Grundschule Einbeck).

Den Sonderpreis Distanzlernen gewann Simon Herwig von der Grundschule Nörten-Hardenberg. So eine Lehrkraft könne man nur jedem wünschen, lobte die Jury den gelassenen Ideenreichtum des Lehrers, der in Zeiten des Lernens über Videokonferenzen und andere Techniken viel geleistet habe. Die Eltern habe er mit technischen Anleitungen beteiligt und einbezogen. Und wenn Klassenfahrten nun mal nicht möglich waren, dann organisierte Simon Herwig eine lange Lese-Nacht als Videokonferenz. Auch die Verabschiedung der langjährigen Grundschulleiterin während der Corona-Schulschließung organisierte der Preisträger als Video-Event.

Auf die zweiten Plätze kamen hier Sabine Dreyer-Goltsche (IGS Einbeck), Lena Ermuth (Pestalozzi-Grundschule Einbeck), Micha Krusemarkt (Gymnasium Uslar) und Christine Rose (KGS Moringen).

Die Preisgelder für die Kategorien Hauptpreis (1500 Euro) und Sonderpreis (1000 Euro) gehen an die jeweiligen Fördervereine der Schulen der Preisträger.

Professor Hermann Veith (Universität Göttingen). Foto: Frank Bertram

Über verschiedene Lehrertypologien im Wandel der vergangenen Jahrhunderte sprach bei der Preisverleihung im Hotel Sachsenross in Lütgenrode Hermann Veith, Professor für Pädagogik an der Universität Göttingen. Die Schule verändere sich ständig, jeder habe aber vor allem die eigene Schulzeit vor Augen, weshalb ja auch jeder meine, Lehrer bewerten zu können und selbst Experte zu sein. So wie die Zeiten der Feuerzangenbowle vergangene Schulbildromantik sei, so wäre ein Lehrerpreis in den 1970-er Jahren von einem anderen Lehrerbild ausgegangen. Damals wäre gleichzeitig mit den Siegern auch ein sozialintegratives Lehrmodell ausgezeichnet worden. Und noch früher, in Zeit von so genannten charakterbildenden Lehrern, hätte man wahrscheinlich eher einen Pauker-Preis ausgelobt. Heute hingegen sei wichtig, dass Lernen und Spaß sich nicht ausschließen würden. Der professionelle Standard bewege sich zwischen Unterrichten, Beurteilen, Erziehen und Innovieren.

Warum ein Rotary Lehrerpreis?

Mit dem Rotary-Lehrerpreis soll gute Unterrichtsarbeit sichtbar gemacht werden. Nicht erst die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass in vielen Schulen im Landkreis Northeim exzellent unterrichtet werde und viele Lehrkräfte sehr kreativ und ideenreich seien, begründet Rotary seine Motivation, den Preis auszuloben. Aus der Sicht von Schülern ist die Lehrerin oder der Lehrer unglaublich wichtig für den eigenen Lernerfolg. Von ihm oder ihr hängt es ab, ob Schüler mit Freude lernen, ob sie sich angenommen und gut begleitet fühlen und dadurch gern zur Schule gehen oder – wie in Zeiten des Lockdowns – eigenständig und mit hoher Selbstverantwortung zu Hause lernen. Lehrkräfte leisten einen erheblichen Beitrag für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und haben damit eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Der Rotary Club Einbeck-Northeim möchte die Bedeutung von Lehrerinnen und Lehrern unterstreichen und exemplarisch besondere Leistungen auszeichnen. „Uns ist bewusst, dass sehr viele Lehrkräfte im Landkreis Northeim eine Auszeichnung verdient hätten, weil sie tagtäglich für ihre Schüler da sind und ausgezeichnete Arbeit leisten“, schreibt Rotary. „Nicht alle auszeichnen zu können, sollte nach unserer Einschätzung nicht dazu führen, besondere Leistungen gar nicht hervorzuheben.“ Jede Preisträgerin und jeder Preisträger könne Beispiel und Inspiration sein und könne bewirken, dass gute Ideen an anderen Orten weitergedacht werden und rücke vor allem wertvolle pädagogische Arbeit in das Sichtfeld gesellschaftlichen Interesses.

Nach welchen Kriterien wurde ausgewählt?

Bei der Auswahl für den Rotary-Lehrerpreis wurden Kriterien genutzt, die sich vor allem auf Befunde der internationalen Bildungsforschung beziehen und in der einschlägigen Literatur als Merkmale guten Unterrichts dienen. Es wurde nicht erwartet, dass sämtliche Kriterien zugleich erfüllt sind. Es sollte jedoch erkennbar sein, dass die Art und Weise unterrichtlichen Handelns der zu prämierenden Lehrkraft nachhaltig ist – ein „pädagogisches Strohfeuer“ sollte nicht ausgezeichnet werden:

  • Gibt es Hinweise darauf, dass die Lehrkraft die individuellen Voraussetzungen und die Perspektive von Schüler*innen in besonderer Weise einbezieht?
  • Ist erkennbar, dass die Lehrkraft eine lernförderliche Beziehungsgestaltung praktiziert?
  • Gibt die Lehrkraft angemessen Rückmeldungen zum Lernerfolg von Schülern?
  • Ist die Lehrkraft bereit, aus Schülerrückmeldungen zu lernen (Unterrichtsevaluation)?
  • Gestaltet die Lehrkraft den Unterricht nachvollziehbar?
  • Ist erkennbar, welche Unterrichtsziele die Lehrkraft verfolgt?
  • Kann die Lehrkraft komplizierte Themen verständlich machen?
  • Gibt sich die Lehrkraft besondere Mühe, auf Prüfungen vorzubereiten?
  • Vermittelt der Unterricht Freude am Lernen?
  • Hat die Lehrkraft während der Corona-Pandemie erfolgreichen Distanzunterricht gemacht?

Wer gehörte der Jury an?

Sylvia Gerl, Geschäftsführerin der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kraftfahrzeuggewerbe (BFC) e. V. in Northeim
Katrin Lüdeke, Lehrerin an der BBS Einbeck und Fachleiterin für die berufliche Fachrichtung Ökotrophologie sowie Leiterin des Pädagogischen Seminars am Studienseminar für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in Göttingen
(Lehrkräfteausbildung)
Anika Müller-Wüstefeld, Schulleiterin Thomas-Mann-Schule Northeim
Nils Rudolph (Sprecher des Juryteams), Lehrer an der IGS Einbeck
Wiebke Ruf (Sprecherin des Juryteams), Lehrerin am Corvinianum Northeim und Fachleiterin für das Fach Englisch am Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Göttingen (Lehrkräfteausbildung)
Dorte Simon, kaufmännische Leiterin und Personalleiterin der Einbecker Brauhaus AG

Die Preisveranstaltung wurde musikalisch von dem Einbecker BBS-Schüler Elchanan Moshe Thiede mit der Handpan begleitet.

Nominierte und Preisträger des erstmals ausgelobten Rotary-Lehrerpreises mit Präsident Renatus Döring (l.) und Schirmherrin Astrid Klinkert-Kittel. Foto: Frank Bertram

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