„Druckerbande“ will Altstadt-Quartier beleben

Nach einigen Wochen der vorbereitenden Arbeit öffnet die „Druckerbande“ am Möncheplatz erstmalig ihre Türen und präsentiert sich mit einem knackigen Kultur-Wochenende voller Handwerks- und Druckkunst sowie einem Werkstatt-Jazzkonzert und spannenden Podiumsdiskussionen der Öffentlichkeit. Am 8. und 9. Oktober wird die Frage mit viel Kultur, einem Konzert, Vorträgen, geschichtlichen Einblicken und einer offenen Druckwerkstatt beantwortet, was sich hinter den Schaufenstern der ehemaligen Spielhalle versteckt.

Die großen Schaufenster der ehemaligen Flippothek sind wieder einsehbar: Ausgestellte Holz- und Bleibuchstaben und dazu auch handwerklich auf alten Druckmaschinen hergestellte Postkarten mit amüsanten Texten lassen Passanten verweilen und schmunzeln.

Die „Druckerbande“ präsentiert sich als offene historische Druck-Werkstatt und als ein lebendiges Museum, heißt es in einer Pressemitteilung. Die seit Jahrhunderten bewegende Druckkultur kann genau dort entdeckt werden, wo sie in Einbeck einst Geschichte geschrieben hat. In der offenen Werkstatt können Besucher jeden Alters als Laien oder auch als im Druckhandwerk Geschulte in das Handwerk der „Schwarze Kunst“ eintauchen. Typografie zum Anfassen heißt es also, wenn verschiedene Holzschriften und Pressen zum kreativen Ausprobieren und Entdecken einladen. „Im Blaudruck Labor“ der „Druckerbande“ sollen viele Experimente rund um die Blaudruckkunst gewagt werden, sagt Ulf Ahrens vom Einbecker Blaudruck. Monatlich sind in der offenen Werkstatt der „Druckerbande“ unterschiedliche Aktionen und Workshops geplant.

„Wir verfolgen den Grundsatz, dass Lernen und Verstehen vom Kopf über die Hände in Form von Selbstwirksamkeit ins Herz geht“, sagt Patricia M. Keil vom Trägerverein der Konzert- & Kulturfreunde Einbeck. „Das gemeinsame Schaffen und das eigene Tun beim Umgang mit unterschiedlichen Drucktechniken lässt beim Teilnehmer ein haptisches Erlebnis zu und beim Bewahren von kulturellen Zeugnissen aktiv teilhaben.“

Barbara Brübach an der Druckmaschine. Foto: Druckerbande

Die Namensidee „Druckerbande“ ist der kreativen Gedankenwelt von Druckkünstlerin Barbara Brübach aus Hann.Münden (www.fettetypen.de) entsprungen. Sie hat seit Mitte Juni viele Stunden das Einbecker Drucker-Projekt am Einbecker Möncheplatz investiert. „Die Bande steht für Verbundenheit – von der ‚zarten Bande‘ für junge Liebe oder Freundschaft bis zur Räuberbande, die zum Anbändeln einlädt. Es soll sich jeder dazu eingeladen fühlen, zur Druckerbande zu gehören“, erläutert die Hann. Mündener Künstlerin.

Mit der „SesamPresse“ hat die „Druckerbande“ eine umfangreich ausgestattete Druckwerkstatt aus Lohfelden bei Kassel zu großen Teilen nach Einbeck umgezogen. Diese ergänzt jetzt die noch in den Werkstätten befindlichen Druckmaschinen der einst am Möncheplatz residierenden J. Schroeter’s Buchdruckerei um weitere, teils schon 90 Jahre alte Schriften sowie zwei historische Andruckpressen, die rund 60 Jahre auf dem Buckel haben. Im Druckerviertel am Möncheplatz, in dem einst die erste Einbecker Tageszeitung, das „Einbecker Tageblatt“, verlegt und gedruckt wurde, zeugen noch heute historische Druckmaschinen von längst vergangenen Tagen – ein Stück Druckgeschichte wird hier jetzt lebendig vorgestellt; letztendlich soll das gesamte Quartier durch die Vorstellung der einstigen im Haus betriebenen Druck-Kultur wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden, wünschen sich die Macher der „Druckerbande“.

Den musikalischen Auftakt am Freitag, 8. Oktober, um 20 Uhr zum Eröffnungswochenende der schwarzen und blauen Druckkunst präsentiert das Konzert- und Kulturhaus TangoBrücke gemeinsam mit der Druckerei Heimert Elements. Inmitten alter Druckmaschinen wird die Kölner Jazzformation Soulcrane das erste Einbecker Werkstattkonzert präsentieren. Soulcrane schafft in seinen Konzerten eine Atmosphäre, die einer Unterhaltung unter Freunden gleicht.

Patricia M. Keil hat viel Netzwerkarbeit in der Aufbauphase dieses Projektes betrieben und so eine Reihe kreativer Menschen mit deren jeweiligen Gewerken rund um das Druckerhandwerk mit ins Boot geholt. Am Sonnabend ab 10 Uhr wird dann ordentlich Druck gemacht, wenn gleiche mehrere Workshops rund um das Handwerkskönnen beginnen. Mit dabei ist Barbara Brübach alias „Fette Typen“ mit ihrer stets vergnügten schwarzen Druckkunst. Tetrapack Prints zaubert Rabea Richter mit den Teilnehmern, und wer sich schon immer ein Minibuch binden oder sogar Gold prägen wollte, kann dies mit Renate-Katrin Zimmermann und Beate Bock tun. Die Hahnemühle FineArt GmbH unterstützt den Start der „Druckerbande“ mit edlem Papier. Wer selbst Papier schöpfen möchte, hat mit dem Holzgestalter Manfred Kraus-Schelle dazu die Gelegenheit. Ab 11.30 Uhr wird Wilfried Hentschel, einer der wenigen noch aktiven Formstecher in der Region, sein altes Handwerk präsentieren und diese aufwändige Arbeit erläutern. Denn nicht nur die Tapetenmusterrollenherstellung lag im Gewerk des Formstechers, sondern auch die Produktion von Modeln für den Blaudruck. So wird natürlich auch der Nachbar der „Druckerbande“ – der Einbecker Blaudruck – zum Eventwochenende stoßen und eröffnet hier eine Blaudruck Experiment-Werkstatt unter der Leitung von Ulf Ahrens und Patricia M. Keil.

Am Sonnabend steht dann ab 17 Uhr auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Quartiers- und Stadtteilentwicklung inspiriert und initiiert durch aktive lokale Kulturschaffende“ auf dem Programm. Eingeladen hierzu sind Gäste wie die Druckkünstlerin und Mitinitiatorin der „Druckerbande“, Barbara Brübach, die Kulturwissenschaftlerin Dr. Dorothee Hemme, der Entwickler des Druckerviertels, Volker Stix vom Büro ZeitRaumGestaltung, sowie das parteilose Ratsmitglied Alexander Kloss. Moderiert wird die Runde durch den freien Kulturschaffenden Martin Keil.

Infos und Anmeldung zum „Soulcrane“-Konzert, den Workshops und zur Podiumsdiskussionen unter www.druckerviertel.de/druckerbande

In der Druckerwerkstatt. Foto: Druckerbande

(Mit Pressemitteilung „Druckerbande“)

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