Denkmalpaten: Mit „Backmischung“ zum eigenen Lehmstein für das Wolpeterhaus

Mit mehreren Schülern der mittlerweile 8. Klassen startete in Einbeck das Projekt „Denkmalpaten“, die regelmäßig dem Fachwerkhaus in der Wolperstraße 23 seine Geschichte entlocken und dort aktiv werden. Damit unter den aktuellen Pandemie-Bedingungen noch viel mehr Goetheschüler die Möglichkeit haben können, bei dem Projekt dabei zu sein, ist eine lehmige Aktion entstanden: Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5b, 5c und 6a erhalten in kleinen Säckchen in der Schule ihre „Lehm-Zukunftsmischung“ inklusive einer genormten Lehmsteinform und können damit ihre eigenen Steine herstellen. „Jeder kann seinen Stein individuell gestalten – mit eingeritzten Initialen oder Mustern – und sich somit verewigen, und er ist damit ein Teil des Ganzen“, sagt Projektleiterin Patricia Keil.

Lehmmischung und Form – damit können die Schüler ihre Lehmsteine formen. Foto: Frank Bertram

Die Schüler können gemeinschaftlich einen kleinen Teil dazu beitragen, dass ein Fachwerkhaus wieder aufgebaut werden kann – jeder mit seinen selbst hergestellten Lehm-Stein. Möglich macht dies Lehmbauexperte Dieter Brauch aus Parensen, der seit mehr als 20 Jahren Lehm liebt. Er sponsert nicht nur die Lehmstein-Mischung, mit der zunächst rund 100 Steine entstehen können, sondern erklärt in einem Video-Podcast lebendig, warum dieser ökologische Baustoff ein Tausendsassa zu sein scheint. Kulturwissenschaftlerin Dorothee Hemme ergänzt den Clip mit Hintergründen einer soziokulturellen Bedeutung des Reparierens und schlägt eine Brücke in die Zukunft. Das Video den Schülern online zur Verfügung gestellt und im Unterricht genutzt.

Projektleiterin Patricia Keil zeigt in einem Video, wie einfach die „Herstellung von Zukunft“ in Form eines Lehmsteins ist, damit die Schüler es zu Hause einfach haben. „Erfreulicherweise stellte sich ein Vater von Schülerinnen einer 8. Klasse zur Verfügung, die sieben Lehmsteinformen für diese Aktion zu bauen, die untereinander weitergereicht werden“, sagt die Denkmalpatin.

In kleinen Säckchen erhalten die Schüler in der Schule ihre „Lehm-Zukunftsmischung“ inklusive einer genormten Lehmsteinform und können nach der Sichtung des Clips „How to make a Lehmstein“ loslegen. Die Herstellung ist nach wenigen Minuten vollbracht, zehn Tage muss der Stein trocknen und anschließend werden die „Grünlinge“ gesammelt und an das Wolpeterhaus übergeben. Mit dabei sind die Klassen 5b mit Klassenlehrerin Dorothea Wolfrum, die 5c mit Klassenlehrer Martin Schrinner und die 6a mit Klassenlehrer Kai Wolf.

„Man nehme Stroh, Sand, 300 Kilo fetten Lehm und Lust auf Zukunft – mische alles und ein tolles Gemeinschaftsprojekt entsteht“, sagt Projekleiterin Patricia Keil. Ein Teil einer Aktion zu sein, die auf Zukunft baut, und das Gemeinschaftsgefühl seien eine wichtige Erfahrung in dieser doch etwas anderen Zeit, sagt sie.

Schüler der Goetheschule lassen sich seit 2019 auf eine geschichtliche Sinneserfahrung ein und sind bereit, Zukunft zu bauen. Zunächst ging es beim Projekt „Fachwerk umfassend“ des Landesamts für Denkmalpflege vor zwei Jahren um Vermittlung von Wissen und alten Handwerkstechniken. Die damalige Klasse 7a ließ sich begeistern und Schüler starteten das Projekt Denkmalpaten. Mehr über das Projekt hier.

Lehm-Experte Dieter Brauch (l.) erläutert Schülerinnen und Schülern, wie Lehmsteine entstehen. Foto: Frank Bertram

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