Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurden in Einbeck die mittelalterlichen Stadttore gesprengt, die Stadtbefestigung verlor an Bedeutung. Das ist geschichtliches Basiswissen, wird heute bei jeder Stadtführung vermittelt. Was unmittelbar davor geschah, welche kriegerischen Ereignisse nördlich von Einbeck 1761 passierten und welche Truppenbewegungen sich damals rund um die Hube vollzogen, dokumentieren zwei Karten, die durch Zufall ans Tageslicht gekommen sind. Marco Strohmeier aus Holtershausen ist über den Archivfund der einen Karte im Einbecker Stadtarchiv auf die zweite, noch detailliertere Karte gestoßen. „PLAN SHEWING THE MOVEMENTS OF HIS MAIESTY´S ARMY IN GERMANY ON THE EXPEDITION TO EIMBECK in Novbr.1761“, ist sie überschrieben. Und die liegt in der königlichen Sammlung in Windsor. Das Internet macht’s möglich: eine Kopie der Karte aus der „Royal Collection“ ist inzwischen in Holtershausen eingetroffen. „Sie erlaubt eine neue Sicht auf die Geschichte und die Ereignisse vor 265 Jahren“, ist sich der Beauftragte der Stadt Einbeck für die Ortsheimatpflege sicher. Der Einbecker Geschichtsverein wird die Karten jetzt weiter auswerten.
Dass es im November 1761 eine „Schlacht auf der Hube“ gegeben hat, war bekannt. Im Vorfeld des Geschichtsverein-Vortrags von Marc Hainski im April dieses Jahres über den Siebenjährigen Krieg recherchierte Marco Strohmeier nach einer Karte „Plan de l’Attaque de la Hube le 5me de Novembre 1761“, von der er bislang nur einen Ausschnitt kannte, der die Umgebung von Holtershausen zeigt. Nach längerer Suche im Stadtarchiv wurde die komplette Karte gefunden, die ein wenig versteckt zwischen anderen Karten lag. Der französische Text beschreibt die Ereignisse beim Angriff auf die Hube vom 5. bis 9. November 1761. Die Karte zeigt die genauen Truppenbewegungen und Aufstellungen, erläutert die Kampfabläufe, die Truppenteile und die Kommandierenden. Elektrisiert war Marco Strohmeier, als er in der Übersetzung las, dass Erbprinz Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig bei Holtershausen mit seinen Männern ins Biwak ging und hier ein paar Tage verbrachte. Anhand der Truppenaufstellung lässt sich auch die beachtliche Größe der Streitmächte (mehrere Tausend Mann) erahnen. Das Gefecht an der Hube 1761 bildete den Höhepunkt einer alliierten Offensive gegen französische Truppen, die seit dem Sommer 1761 den Raum Einbeck besetzt hielten. Die Kämpfe führten zur Räumung der französischen Stellungen auf der Hube und leiteten den Rückzug der Franzosen aus der Region ein.
Was vor exakt 265 Jahren in und um Holtershausen passierte, ließ Marco Strohmeier natürlich weiterforschen. Das Internet ermöglicht mittlerweile viele Recherchen vom eigenen Schreibtisch aus in fernen Archiven, die KI hilft bei manchen Google-Suchen oder Übersetzungen. Und so stieß Strohmeier auf die Karte in der Windsor-Sammlung, die dort ungenau als „Map of Germany“ abgelegt ist. Mit Unterstützung des Einbecker Geschichtsvereins wurde in London die Karte in hoher Auflösung angefordert. Auch hier gibt es neben der Karte eine ausführliche Beschreibung, Angaben von Truppenstärken und -bewegungen. Schnell wurde Strohmeier klar, dass das „Gefecht an der Hube“ und die gesamte alliierte Aktion zur Befreiung von Einbeck ein bedeutender Meilenstein im Siebenjährigen Krieg gewesen sein musste. Immerhin hatte auch ein bekannter englischer Kartograph die Karte erstellt. Mittlerweile hat Marco Strohmeier Kontakt aufgenommen mit dem Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, wo ihm weiterführende Literatur für seine Forschung genannt wurde. Die Recherche zusammen mit weiteren Forschenden läuft noch, aber einige Briefe der damaligen Kampfkommandierenden sind überliefert, deren Schilderungen einen Eindruck der damaligen Ereignisse wieder geben. Sie werden in die geplanten Veröffentlichungen einfließen.

