Für die 140 Kinder und deren Eltern ändert sich nichts, die Kindergärten „Pusteblume“ in der Waisengasse, „Schatzkiste“ in der Wagnerstraße und „Waldzwerge“ auf der Hube bleiben der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Einbeck weiterhin eng verbunden. Zum 1. August 2026 wechselt lediglich der Träger für die Kitas der Baptisten: Der Arbeitskreis für Christliche Sozialarbeit (ACS) übergibt diese an das Diakoniewerk Kirchröder Turm (Hannover). ACS und Gemeinde hatten nach einer zukunftssicheren Lösung gesucht, die bisherige Qualität zu sichern, christliche Werte weiterhin zu vermitteln, die Kita- und Arbeitsplätze dauerhaft zu erhalten, aber den Haushalt mit einem Volumen von rund 1,6 Millionen Euro pro Jahr nicht mehr ehrenamtlich zu verwalten. „Ich glaube, wir haben’s gründlich gemacht“, beschreibt Joachim Voges vom ACS die seit Mitte 2025 intensivierte Suche nach einer Träger mit Perspektive. Mit dem Ergebnis zeigten sich alle Beteiligten heute bei einem Pressegespräch zufrieden.
Die 30 pädagogischen Fachkräfte und vier Hauswirtschaftskräfte der Kitas werden dauerhaft übernommen, auch der Defizitvertrag mit der Stadt Einbeck bleibt zunächst unverändert. Die Öffnungszeiten bleiben gleich, die Platzvergabe bleibt wie bislang geregelt. Die Gespräche über den Trägerwechsel haben in den vergangenen Monaten in einer wertschätzenden Atmosphäre stattgefunden, betonten alle Seiten. Alle fühlten sich stets eingebunden. „Etwas Besseres kann uns gar nicht passieren“, lobte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek die Gespräche über den Trägerwechsel, die Stadt sei immer informiert gewesen.
„Ich bewundere, was hier bisher ehrenamtlich geleistet worden ist“, sagt Diakoniewerk-Vorstand Hans-Dieter Pfeifenbring. Die Qualität sei bereits vorhanden, „hier wird gute Arbeit gemacht“, lobte er. Auch die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Baptistengemeinde habe er als positiv kennengelernt, daran wolle man gerne anknüpfen, sagte Vorstand Richard Josi in Richtung Stadtverwaltung. „Das funktioniert hier mit den Kitas.“ Das Diakoniewerk Kirchröder Turm ist ein so genannter Komplexträger, in dem es seit den 1950-er Jahren auch Kindergärten gibt. Die Einbecker Kitas könne man gut integrieren, „das wächst organisch hinein bei uns“, sagte er. Die Verbundenheit der Kitas zur Einbecker Baptistengemeinde soll dabei erhalten bleiben, beispielsweise durch gemeinsame Gottesdienste oder Feste. Durch die Entlastung bei den Verwaltungsaufgaben habe man dafür jetzt inhaltlich auch mehr Zeit und Kapazitäten, freut sich Kerstin Voß vom ACS. Der Verein bleibt mit seinen anderen Aufgaben (u.a. die 1999 gegründete Beratungsstelle für Lebens- und Beziehungsfragen, Baustraße 21) bestehen.
Das Diakoniewerk Kirchröder Turm mit Sitz in Hannover ist 1948 entstanden aus einer diakonischen Arbeit der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in der Stadt und Region Hannover. In seinen vielfältigen Einrichtungen der Arbeitsfelder Bildung, Junge Generation und Familien, Teilhabe, Senioren und Pflege, Beratung und Auslandsdienst beschäftigt das Diakoniewerk rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertagesstätten ebenso wie im Hospizdienst, in der Schwangerenberatung ebenso wie im Wohnen für Senioren.
1894 haben Mitglieder der Baptistengemeinde in der Waisengasse in Einbeck den ersten Kindergarten gegründet. Mit dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz übernahm 1996 der ACS als Verein die Trägerschaft. In den folgenden Jahren waren die Kitas der Baptisten meist Vorreiter: 2001 gab es in der Wagnerstraße die erste Integrationsgruppe im Bereich Einbeck, 2002 wurde der Waldkindergarten auf der Hube Wirklichkeit, 2012 folgte bei der „Schatzkiste“ der Anbau für eine Krippe, 2019 wurde in Zusammenarbeit mit der Stadtjugendpflege der Innenstadtspielplatz in der Langen Brücke eröffnet; er wird pädagogisch vom ACS betreut. „Die Baptisten haben immer für Innovationen in Einbeck gesorgt, und das größtenteils ehrenamtlich“, erinnerte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

