Mehr als 4000 Jahre altes Hockergrab am Kleinen Heldenberg ausgegraben

(c) Foto: Frank Bertram

Ein Hockergrab aus der Jungsteinzeit haben Archäologen bei Grabungen entdeckt, die vor den Bauarbeiten für die Stromtrasse Suedlink bei Einbeck stattfinden. Auf dem Kleinen Heldenberg bei Salzderhelden soll eine Kabelabschnittstation gebaut und der Berg dafür unterbohrt werden, deshalb haben die Wissenschaftler hier großflächiger und intensiver den Boden nach geschichtlichen Befunden untersuchen können. Dabei wurde eine mehr als 4000 Jahre alte Bestattung freigelegt. „Der Tote wurde mit angezogenen Beinen und Händen auf die linke Körperseite gelegt und in dieser Embryonalstellung bestattet“, sagt Sabine Stoffner von der archäologischen Fachfirma Streichardt & Wedekind. Am Hinterkopf des Toten habe sich ein Klingenfragment aus Feuerstein befunden.

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Archäologe Frank Wedekind zeigt auf ein Foto des freigelegten Hockergrabs, rechts daneben eine stilisierte Zeichnung dieser Bestattungsform. Foto: Frank Bertram

Ein halbes Jahr lang haben 20 Archäologen die von SuedLink berührten 14 Flächen in den Landkreisen Hildesheim, Northeim und Göttingen untersucht, unter anderem in Strodthagen, Buensen, Schnedinghausen, Moringen und Salzderhelden. Dabei hatten sie insgesamt acht Kilometer lange je vier Meter breite Suchschnitte zur Verfügung. Rund 300 Befunde kamen dabei zutage, an einigen Stellen wurde auch nichts freigelegt. „Die ältesten Funde sind mehr als 5000 Jahre alt“, sagt Alissa Foltin, archäologische Fachexpertin beim Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW, der den Suedlink baut. Das Fundspektrum reicht von Keramik-Scherben über Fragmente von Feuersteingeräten bis zu wenigen erhaltenen Knochen. „Die Mehrzahl der bislang aufdeckten Befunde lässt sich über die Keramik in die Eisenzeit zu datieren“, berichtet Sabine Stoffner, „typisch dafür sind unter anderem Gefäße mit Fingertupfenverzierung auf dem Rand.“ Bei Salzderhelden wurde die Untersuchungsfläche in einem zweiten Schritt erweitert. „Unter anderem wurden hier Pfostengruben gefunden, die sich zu Hausgrundrissen rekonstruieren lassen“, sagt Stoffner. „Typisch für die Eisenzeit sind Kegelstumpfgruben, die zur Vorratshaltung von Getreide gedient haben und nach Aufgabe zum Entsorgen von Abfall genutzt wurden.“

Die SuedLink-Archäologen haben streifenförmige, vier Meter breite Sondageschnitte geöffnet, um Anzahl, Qualität, Erhaltung und Dichte der archäologischen Spuren im Boden zu überprüfen. Dabei wird mit einem Bagger unter Begleitung eines Archäologen der Oberboden auf das archäologisch relevante Niveau abgezogen. Archäologische Spuren, so genannte Befunde, sind an einer dunkleren Verfärbung in dem anstehenden gelben Lössboden oder Muschelkalk erkennbar. Sie entstehen durch menschengemachte Eingrabungen, zum Beispiel Pfosten oder Vorratsgruben, in die dunkles humoses Material eingefüllt oder eingeschwemmt wird. Im gelben Löss zeichnen sie sich ab. Die Befunde werden geputzt, fotografiert, vermessen und beschrieben. Anschließend wird ein Profil angelegt, um die Tiefe und Funktion der Befunde herauszufinden. Dabei werden in den Verfüllungen befindliche Funde geborgen. Im Vorfeld wurde die komplette Fläche mit einem Metalldetektor abgesucht. 

Bereits vor Jahrtausenden war der Kleine Heldenberg beliebt, zunächst als Jagd- und Sammelplatz, später entstanden erste Siedlungen. Die archäologische Forschung hat ihn deshalb auch bereits in den 60-er und 70-er Jahren in den Blick genommen. Die aktuelle Grabung findet auf fast 7000 Quadratmetern Fläche statt, allein hier auf dem Acker gab es knapp 100 Befunde.

Was ist der Suedlink?

Über die rund 700 Kilometer lange Stromtrasse SuedLink soll die Energie aus den windreichen Regionen Norddeutschlands über ein Gleichstrom-Erdkabel nach Süden transportiert werden. Die Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und TenneT investieren nach eigenen Angaben zehn Milliarden Euro. Mit dem Planfeststellungsbeschluss rechnet TransnetBW 2025, dann ist Baubeginn. In Salzderhelden könnte es schon in diesem Herbst losgehen, denn hier ist für den Bau der 5000 Quadratmeter großen Kabelabschnittstation ein vorgezogener Baubeginn beantragt, sagt Stefan Legge von TransnetBW. Alle 130 Kilometer wir eine solche Station gebaut, um Kabel- und Übertragungsfehler künftig schneller finden zu können. Höchste Bauteile sind 27 Meter hohe Blitzschutzmasten.

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Präsentierten einige der Funde aus den archäologischen Grabungen (v.l.): Archäologin Sabine Stoffner, Stefan Legge (TransnetBW), Alissa Foltin (Managerin Archäologie bei TransnetBW) und Archäologe Frank Wedekind. Foto: Frank Bertram