Samtrote Nostalgie-Käfer sammeln sich am PS.Speicher

(c) Foto: Frank Bertram

Neuer Rekord: Zum dritten Treffen der „Samtroten Sonderkäfer“ in Einbeck kamen 47 Besitzer des vor 40 Jahren erstmals verkauften VW-Sondermodells mit ihren Fahrzeugen zum PS-Speicher. „Ich sehe viele bekannte, aber auch viele neue Gesichter“, freute sich Marco Strohmeier, der Organisator der Zusammenkunft der Oldtimerfreunde in Einbeck. Gemeinsam mit Achim Schwermann (Münster) und Jeanette Nentwig (Kiel) hatte er das nach 2015 und 2019 dritte Treffen zwei Jahre lang geplant. Nach sieben Käfer vor neun Jahren waren vor fünf Jahren schon 30 Autos dabei, jetzt setzten die Oldtimerfans noch einen drauf. Angemeldet waren sogar 53 Käfer, einige mussten aber kurzfristig passen.

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Käfer-Ausfahrt über verschlungene Landstraßen, hier zwischen Voldagsen und Bartshausen. Foto: Frank Bertram

Die Käferfans waren unter anderem aus Nordhorn, Wittmund, Essen, Remscheid, Gütersloh, Gießen, Sonneberg, Bremen, Coburg oder Konstanz nach Einbeck gekommen. Wie auch Antje Diesler aus dem Westerwald: Die 55-Jährige hat ihren „Willi 2“, wie sie ihren Samtroten liebevoll nennt, vor wenigen Jahren von einer Kinderkrankenschwester aus Heidelberg erworben – „in Erinnerung an die Studentenzeit und die erste eigene Mobilität“, wie sie sagt. Denn als erstes Auto fuhr Antje Diesler einen roten Käfer, „Willi 1“ eben. Bei schönem Wetter wird der Samtrote aus der Garage geholt, wo er abgedeckt steht. Die weiteste Anreise zum Treffen aber hatte Tyrone Morris aus Pretoria – allerdings ohne eigenes Fahrzeug. Er lebt in Südafrika, fährt dort den nach seinen Angaben einzigen „Samtroten Sonderkäfer“. Morris hat ihn vor wenigen Jahren von einer Mitarbeiterin der deutschen Botschaft gekauft.

Bei einer Ausfahrt durch die Einbecker Ortschaften Bartshausen, Voldagsen und Holtershausen zog sich eine lange Reihe „Samtroter Sonderkäfer“ auf Landstraßen durch die Umgebung. Die Strecke führte vom PS-Speicher über Bartshausen und Voldagsen über die B64 nach Holtershausen und von dort wieder über die B3 zurück nach Einbeck, wo das Treffen in der Sammlung Automobile des PS-Speichers in der Bismarckstraße ausklang. Die Organisatoren bedanken sich für die große Unterstützung des PS-Speichers und der Förderfreunde bei dem Treffen der Nostalgie-Käfer in Einbeck.

Vom „Samtroten Sonderkäfer“ wurden von August 1984 bis Mitte 1985 knapp 3000 Stück verkauft. Wie viele es heute noch gibt, ist selbst für Oldtimer-Fans schwer zu sagen, viel mehr als 100 dürften es nicht mehr sein, erzählt Marco Strohmeier, der über die seit 2007 von ihm betriebene Website www.samtroter.de Kontakt zu vielen Käferbesitzern hat, rund 80 hat er zu dem Treffen angeschrieben. Als Strohmeier vor 20 Jahren seinen eigenen Samtroten gekauft hat, sei noch nicht viel über das Auslaufmodell von VW bekannt gewesen, die so genannten Mexiko-Käfer seien damals auch nicht hoch angesehen gewesen, erzählt er. 1984 hatte mit Gunhild Liljequist die erste VW-Designerin den Auftrag bekommen, ein Käfer-Sondermodell zu kreieren. Da hatte der Golf den Käfer bei Volkswagen längst abgelöst. 27 Jahre lang hat Gunhild Liljequist in Wolfsburg Lacktöne, Interieurs und Accessoires für zahlreiche, heute legendäre VW-Serien- und Sondermodelle entworfen. Der samtrote VW Käfer von 1984 gehört dazu, aber auch der Golfball als Schaltknauf oder Lacke mit Farbnamen wie Marathonblau oder Lofotengrün sind echte Liljequist-Erfindungen.

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An Holtershausen fuhr die Käfer-Kolonne bei der Ausfahrt auch vorbei. Foto: Frank Bertram

Buch-Lesung

Die in Kiel lebende Journalistin Jeanette Nentwig lernte Gunhild Liljequist vor fünf Jahren in Einbeck kennen. Sie besitzt selbst einen „Samtroten Sonderkäfer“, von ihr liebevoll „Anton“ genannt. Bei einem Wiedersehen der beiden Frauen in Hamburg reifte bei der Journalistin die Idee: Die Lebensgeschichte dieser Frau muss aufgeschrieben werden. Ihr vor wenigen Monaten erschienenes Buch „Design-Ikone – Die Geschichte der Gunhild Liljequist“ hat Jeanette Nentwig beim Treffen vorgestellt. Einbeck spielt in dem biografischen Roman und bei den Fans der „Samtroten Sonderkäfer“ eine wichtige Rolle, denn Gunhild Liljequists Lebensgeschichte ist am Ende mit Einbeck und dem PS-Speicher verknüpft, wo sie vor fünf Jahren eine späte Ehrung erfuhr.

Jeanette Nentwig zeigte bei dem Vortrag der Förderfreunde des PS-Speichers eine unbekannte Seite der Autodesignerin. Gunhild Liljequist war unter ihrem Mädchen Terzenbach auch eine leidenschaftliche Malerin, die über einen Malwettbewerb der Illustrierten „Stern“ entdeckt wurde. Nachdem sie von 11.000 eingesandten Bildern und die besten 20 gekommen war, wurde 1974 eine namhafte Galerie Zimmer auf sie aufmerksam, organisierte mit Gunhild Liljequist eine Ausstellung – für die die Bilder erst noch gemalt werden mussten. Bei der Vernissage prangten an allen Rahmen rote Punkte – alle waren bereits verkauft.

Jeanette Nentwig: Design Ikone – Das Leben der Gunhild Liljequist, 276 Seiten, ISBN 978-3-947724-50-5.

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Jeanette Nentwig hat ein Buch über die Käfer-Designerin Gunhild Liljequist geschrieben und gemeinsam mit Marco Strohmeier das Treffen in Einbeck organisiert. Foto: Frank Bertram
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„Der Mörder ist immer der Gärtner“ – so heißt das Bild von Gunhild Liljequist von 1974, die auch eine erfolgreiche Malerin war. Jeanette Nentwig gibt Tatort-Hinweise. Foto: Frank Bertram
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Beeindruckendes Bild in Samtrot auf dem Parkplatz des PS-Speicher-Besucherzentrums Schusterstraße. Foto: Frank Bertram
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Mit „Willi 2“ dabei in Einbeck: Antje Diesler aus dem Westerwald. Foto: Frank Bertram
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Hatte die weiteste Anreise, aber ohne Fahrzeug: Tyrone Morris aus Südafrika. Foto: Frank Bertram
Instagram-Reel von Frank Bertram vom 16.06.2024

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