„Weil sie hier ihren Platz haben“: Stadt Einbeck gibt zwei Bücher an Freimaurerloge zurück

Die Stadt Einbeck hat zwei Bücher an die Freimaurerloge „Georg zu den drei Säulen“ zurückgegeben, auf deren Herkunft der Provenienzforscher Dr. Christian Riemenschneider im Einbecker Stadtmuseum aufmerksam geworden war. Bei der unter dem Druck des Nationalsozialismus 1935 aufgelösten Einbecker Freimaurerloge wurden damals mehrere Gegenstände durch das Einbecker Landratsamt beschlagnahmt, darunter der so genannte Meisterstuhl und der Hammer des „Meisters vom Stuhl“. Diese haben schon in den 1950-er Jahren ihren Weg wieder zurück zur Loge gefunden. Jetzt folgten die Bücher.

Sie stammen ursprünglich aus der Bibliothek des 1897 gegründeten Altersheims der Freimaurer „Johannisstift“ und waren dem Stadtmuseum Einbeck während der Zeit des Nationalsozialismus von einem Logenbruder geschenkt worden, der bei der Liquidation der Loge und des Altersheims mithelfen musste. Warum der Freimaurer die Bücher dem Stadtmuseum übergab, konnte Provenienzforscher Dr. Christian Riemenschneider nicht zweifelsfrei klären. Vielleicht habe dieser die Literatur dem Museum zu treuen Händen geben wollen, möglicherweise weil „man sich in der kleinen Stadt kannte und die Akteure in dem Moment weniger ihre politische als ihre bürgerliche Position betonten, sozusagen eine Art gentlemen’s agreement eingingen“, vermutet Riemenschneider.

„Wir haben darauf aufgepasst, aber die Heimat ist hier“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek über die Rückgabe der zwei Bücher. Für sie seien die verschlungenen Wege der Bücher eine spannende Erkenntnis, wie damals im Kleinen nach Widerstandswegen und Schlupflöchern gesucht worden sei. Für die Rückgabe gebe es zwar keine rechtliche Grundlage, sie sei aber ethisch geboten, „weil sie hier ihren Platz haben“, sagte Einbecks Museumsleiter Marco Heckhoff in der Bibliothek der Freimaurerloge.

Der „Meister vom Stuhl“ Dr. Manfred Schwörer dankte zusammen mit weiteren Mitbrüdern für die Rückgabe. Im Bücherschrank der Loge haben nun „Was ist Freimaurerei?“ von 1885 sowie „Die Geschichte der Großen Loge zu Preußen“ aus dem gleichen Jahr wieder ihren Platz.

Der aus Einbeck stammende Provenienzforscher Dr. Christian Riemenschneider hatte 2015 im Rahmen eines Pilotprojekts des Landschaftsverbandes Südniedersachsen im Einbecker wie in sieben weiteren Museen so genannte Erstchecks und später vertiefende Forschung zur Herkunft von NS-Raubgütern vorgenommen. Im Sommer wird seine Vorbildcharakter genießende Forschung als Buch in der Reihe „Kleine Schriften des Einbecker Museums“ erscheinen.

Rückgabe in die Bibliothek der Freimaurerloge „Georg zu den drei Säulen“ (v.l.): Jörg Dodenhöft, Dr. Volker Bullwinkel und Dr. Manfred Schwörer von der Loge mit Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Provenienzforscher Dr. Christian Riemenschneider und Museumsleiter Marco Heckhoff. Foto: Frank Bertram

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