KWS-Aktionäre konnten wieder nur virtuell dabei sein

Hauptversammlung des Einbecker Saatzuchtunternehmens KWS: Wie im Vorjahr konnte das Aktionärstreffen heute wieder nur virtuell stattfinden. 110 Aktionäre waren in Spitzenzeiten online zugeschaltet, Vorstand und die Spitze des Aufsichtsrates saß auf dem KWS-Gelände im Audimax des Forums an der Grimsehlstraße in Einbeck vor den Kameras, bilanzierten das Geschäftsjahr 2020/21 und gaben Auskunft, sieben Fragesteller hatten vorab 56 Fragen gestellt. Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Büchting bedauerte, dass alles wieder nur virtuell möglich sei. „Der direkte Austausch mit den Aktionären ist unabdingbar“, hofft er auf die kommende Hauptversammlung am 6. Dezember 2022 in Präsenzform.

Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Büchting (74), im Hintergrund Léon Broers (60). Foto: KWS

Die Hauptversammlung im nächsten Jahr wird auch eine besondere sein, darauf wiesen die verschiedenen Redner mehrfach hin. Nichts geringeres als das Ende einer Ära steht an, nach 30 Jahren im Vorstand und 15 Jahren an der Spitze des Aufsichtsrates. Denn KWS läutet Ende 2022, wie vor einigen Wochen bereits berichtet, einen Generationswechsel an der Unternehmensspitze ein. Andreas Büchting (74) legt dann seine Ämter aus Altersgründen nieder, der heutige Vorstandssprecher Hagen Duenbostel (51) wird ab 2025 neuer Aufsichtsratschef, an der Spitze des Vorstandes tritt 2023 Felix Büchting als dann siebte Generation der Gründer die Nachfolge von Duenbostel an. In Duenbostels zweijähriger Pause wird vorübergehend der frühere KWS-Vorstandschef Philip von dem Bussche (2007 bis 2014) den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen.

„Ich freue mich, dass ich in diese großen Fußspuren treten darf“, sagte Hagen Duenbostel über seine künftige Nachfolgerolle von Andreas Büchting. Davor stehe aber zunächst noch das laufende Geschäftsjahr. Und in der zweijährigen so genannten Cooling-off-Phase wird der 51-Jährige nicht ganz aus der Welt sein. Zum einen bleibt er in den zwei Beiräten von Joint-Ventures der KWS. Aber er trete aus dem operativen Geschäft heraus. „Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich mich künftig zudem noch stärker meinen Aufsichtsratstätigkeiten außerhalb der KWS-Gruppe widmen kann“, sagte Duenbostel. Er ist Mitglied des Verwaltungsrates der Hero AG (Schweiz) sowie Mitglied des Beraterkreises bei Boehringer (Ingelheim). Diese Positionen erweiterten den Horizont und machten ihm viel Freude, sagte Duenbostel.

Bereits in wenigen Wochen gibt es einen Wechsel im KWS-Vorstand: Ab Januar neu dabei ist Nicolás Wielandt, der 41-jährige gebürtige Chilene steht für die Internationalität des Unternehmens. Seit 2011 lebt Wielandt mit seiner Familie in Deutschland, nachdem er von Vorstand Peter Hofmann eine Position in Einbeck angeboten bekam. Als er 2006 bei KWS in Chile angefangen habe zu arbeiten, habe er sich nie vorstellen können, einmal im Vorstand zu sein, sagte der studierte Agrarwissenschaftler. „Es ist mir eine große Ehre.“

Zum Jahresende scheidet nach 15 Jahren bei KWS Forschungsvorstand Léon Broers (60) aus dem Vorstand aus. Broers sei ein entscheidender Vater des Erfolges von KWS in den vergangenen Jahren gewesen, würdigte Aufsichtsratschef Andreas Büchting. In Einbeck zeugten Gebäude wie das zweite Biotechnikum oder die großen Leo-Gewächshäuser vom Wirken des Niederländers. Der Bereich Forschung & Entwicklung sei in seiner Zeit massiv ausgebaut worden, die Mitarbeiterzahl verdoppelte sich auf heute 2000, das Forschungsbudget stiegt von rund 75 Millionen Euro auf jetzt mehr als 250 Millionen Euro. „KWS hat immer wieder den Mut, in langfristige Projekte zu investieren, und tut das auch erfolgreich“, sagte Broers. „Neue Kulturarten und neue Märkte werden bearbeitet, und wir haben erfolgreiche Züchtungsprogramme aufgebaut. Beispiele sind Sonnenblume, tropischer Mais in Brasilien und, nicht zu vergessen, Gemüse.“ Diesem Bereich bleibt er auch als Berater erhalten. „Und seine Leidenschaft fürs Gemüse hat er damals mitgebracht“, scherzte Büchting. Der Geschäftsbereich hat zwar im vergangenen Geschäftsjahr deutlich unter den Corona-Folgen in der Gastronomie gelitten, er soll aber langfristig wachsen. „Die Züchtung kommt schnell voran und die ersten Versuchshybriden in Spanien und Brasilien bei Tomate, Melone und Wassermelone werden schon 2022 getestet werden“, sagte Léon Broers.

Vorstandssprecher Hagen Duenbostel (51). Foto: KWS

Vorstandssprecher Hagen Duenbostel kündigte an, künftig mehr als 30 Prozent des jährlichen Forschungs- und Entwicklungsbudgets für eine effektive Reduzierung des Ressourceneinsatzes einzusetzen. „Ein wichtiger Faktor für nachhaltigen Ackerbau ist die Vielfalt der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, Erweiterungen von Fruchtfolgeoptionen tragen zur Verbesserung der Bodengesundheit bei“, sagte der KWS-Vorstandssprecher. „Wir sind bereits in 24 verschiedenen Fruchtarten aktiv und investieren auch in kleinere, weniger gut erforschte Kulturen wie Erbsen und Zwischenfrüchte.“ KWS will außerdem die eigenen CO2-Emissionen in den nächsten zehn Jahre halbieren und bis 2050 CO2-neutral arbeiten.

Vorstandsmitglied Felix Büchting berichtete über die Corona-Situation bei KWS. „Das vorbildliche und umsichtige Verhalten der Kollegen sowie die konsequente Umsetzung der Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten und dem Arbeiten von Zuhause haben erheblich dazu beigetragen, dass wir bisher keine wesentliche Ansteckung im Betrieb verzeichnen mussten und somit unsere Prozesse in der Produktion, im Labor oder im Gewächshaus durchgehend aufrechterhalten konnten.“ Schon im Frühsommer habe KWS seinen Mitarbeitern über den Betriebsarzt auch Impfungen gegen das Coronavirus anbieten können, von diesem Angebot haben laut Büchting allein in Einbeck rund 400 Beschäftigte Gebrauch gemacht, etwa ein Drittel der Belegschaft am Standort.

KWS erzielte im Geschäftsjahr 2020/2021 einen Umsatzzuwachs von rund zwei Prozent auf 1,31 Milliarden Euro. Daraus ergab sich ein Jahresüberschuss in Höhe von 110,6 Millionen Euro (Vorjahr: 95,2 Millionen Euro) sowie ein Ergebnis je Aktie von 3,35 Euro (Vorjahr 2,89 Euro). Die Hauptversammlung hat Vorstand und Aufsichtsrat entlastet und der Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 0,80 (0,70) Euro je Aktie zugestimmt. Damit werden 26,4 (23,1) Millionen Euro an die Aktionäre der KWS SAAT SE & Co. KGaA ausgeschüttet.

Virtuelle HV (v.l.): Marie Theres Schnell (stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende), Hagen Duenbostel, Felix Büchting, Andreas Büchting (Aufsichtsratsvorsitzender), Peter Hofmann, Eva Kienle, Léon Broers. Foto: KWS
Das Firmengelände von KWS in Einbeck. Foto: KWS

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