Katholische Kirchengemeinde plant neues Gemeindehaus und reicht Bauantrag dafür ein

Die katholische Kirchengemeinde St. Josef in Einbeck möchte ein neues Gemeindehaus bauen. Einen entsprechenden Bauantrag für das vom Kölner Architekturbüro Schilling geplante Gebäude an der Hohen Münsterstraße unweit des Stiftplatzes hat die Gemeinde jetzt bei der Stadt Einbeck eingereicht. Wenn bis zum Februar eine Baugenehmigung vorliegt, können die Bauarbeiten im Juni beginnen und bis Sommer 2023 abgeschlossen sein. Kalkuliert ist eine Investition in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro. 700.000 Euro davon bezahlt das Bistum Hildesheim, weitere kirchliche Fördermittelgeber stehen in Aussicht. Die Gemeinde selbst will 75.000 Euro über Spenden sammeln und muss insgesamt 400.000 Euro beisteuern. Gebaut wird erst, wenn alle Finanzzusagen über die kompette Summe vorliegen.

Architekt Jochem Vieren aus Köln vor seinem Entwurf für das neue Gemeindehaus von St. Josef in Einbeck. Foto: Frank Bertram

Das heutige Pfarrheim ist marode und in die Jahre gekommen, im Kern besteht es seit 125 Jahren, seit der Gemeindegründung von St. Josef Ende des 19. Jahrhunderts. An gleicher Stelle neu entstehen soll ein eingeschossiger Neubau auf 380 Quadratmetern Grundfläche, der zum benachbarten Fachwerk-Pfarrhaus von 1655 am Stiftplatz bewusst einen fünf-Meter-Abstand halten will, erläuterte Architekt Jochem Vieren (Schilling Planung GmbH, Köln). Dadurch könne dort, wo heute die Verbindung zwischen Pfarrheim und Pfarrhaus besteht, ein kleiner Platz entstehen. Das Gebäude mit Metalldach und anthrazitfarbener Holzverkleidung, das Saal, Foyer und Gruppenräume beinhalten soll, will architektonisch bewusst zurückhaltend sein und die Bebauung in der Umgebung nicht übertrumpfen, sagte Vieren.

Nach dem Abbruch des heutigen Pfarrheims soll die Fassade des denkmalgeschützten Pfarrhauses auf der Ostseite fachgerecht instandgesetzt werden, dann werden dort Fenster und Türen eingebaut. Für diese Arbeiten hat die Gemeinde Förderanträge bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und bei der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim eingereicht oder in Vorbereitung, sagte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Dr. Alois Kühn.

Die Kirchengemeinde baue bewusst ein „Gemeindehaus“, kein neues „Pfarrheim“, denn der Neubau sei auch für die Zukunftsfähigkeit der heute 2400 Mitglieder umfassenden katholischen Gemeinde St. Josef (Einbeck/Dassel/Markoldendorf) von überragender Bedeutung, sagte Kühn – und zwar nicht nur als religiöse Heimat künftiger Generationen. „Wir versuchen uns, der Welt zu öffnen“, sagte Kühn, dafür stehe auch die Transparenz der Architektur, die das Stadtviertel gleichsam aufwerten und einen Akzent setzen soll. Das neue Gemeindehaus möchte die Kirchengemeinde auch für andere Nutzungen in der Stadt zur Verfügung stellen und damit Weltoffenheit und ökumenische Weite verfolgen.

Bis zum Bauantrag war es ein steiniger und mühsamer Weg, erinnerten Dr. Alois Kühn und seine Stellvertreterin im Pfarrgemeinderat, Gudrun Machens. 2014 hatten zwei Gutachten bestätigt, dass das heutige Pfarrheim nicht mehr renovierbar ist. Es folgten kurzzeitige Überlegungen, ein ökumenischen Gemeindezentrum in Einbeck zusammen mit der benachbarten Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zu errichten, die damals ebenfalls ein Gemeindehaus plante und inzwischen nahezu errichtet hat am Stiftplatz nördlich der ehemaligen Superintententur. „Aus uns nicht ganz bekannten Gründen“, so Alois Kühn, hätten sich jedoch gemeinsame Pläne nicht realisieren lassen. Dabei seien vermutlich auch städtebauliche Überlegungen bei einigen mit eingeflossen, den Stiftplatz nicht bebauen und die Sichtachsen auf die Münsterkirche erhalten zu wollen. Nach kurzer Enttäuschung gab es 2016 erste, noch ergebnislose Planungen für ein eigenes Gemeindehaus St. Josef, die vom Bistum abgelehnt wurden. Im Juni 2018 wurde das Projekt mit einem Besuch in Hildesheim wiederbelebt, es folgte ein Architektenwettbewerb, an dem im Frühjahr 2019 drei Büros teilgenommen haben. Einstimmig wurde im Mai 2019 vom Preisgericht der Entwurf der Architekten Schilling Planung (Köln) von Jochem Vieren ausgewählt.

Wer das Projekt „Gemeindehaus St. Josef“ finanziell mit einer Spende unterstützen möchte, kann dies unter IBAN DE61 2625 1425 0226 1227 37 bei der Sparkasse Einbeck tun. Stichwort „Gemeindehaus“. In diesen Tagen schreibt die Gemeinde außerdem 140 Einbecker Unternehmen sowie weitere 140 Einzelpersonen an und bittet um Unterstützung. Die erste 20.000 Euro große Spende ist bereits eingegangen, berichtete Dr. Kühn.

So soll das neue Gemeindehaus einmal aussehen. Entwürfe: Schilling Planung GmbH (Köln)
Grundriss für das neue Gemeindehaus, links das Pfarrhaus, unten die Hohe Münsterstraße. Entwürfe: Schilling Planung GmbH (Köln)
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