Selterhof in Erzhausen jetzt Kooperationspartner von Bayer ForwardFarming

Der Selterhof der Familie Bohnsack im Einbecker Ortsteil Erzhausen ist neuester Kooperationspartner des Bayer ForwardFarming-Netzwerkes für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft. In Deutschland gehören bereits der Damianshof im Rheinland und die Agro-Farm GmbH Nauen bei Berlin sowie der Wasmayr Hof im bayerischen Aich bei Landshut dazu.

„Mein Ziel ist nicht der klinisch reine Acker“, sagt Wilhelm Bohnsack. „Es gibt Beikräuter und Schädlinge, die man gut akzeptieren kann. In der richtigen Balance können Insekten, wie etwa der Marienkäfer, überaus nützlich sein.“ Wichtig für den Betriebsleiter ist es, seine Maßnahmen wissenschaftlich oder auch empirisch abzusichern. Er überlässt auch die ‚natürlichen‘ Abläufe nicht dem Zufall. „Es liegt mir am Herzen, das Beste aus den zwei Bereichen – damit meine ich konventionelle und biologische Wirtschaftsweise – miteinander zu verbinden“, sagt Bohnsack. „Ich bin der festen Überzeugung, dass sich nur so die beste Wirtschaftsweise für jeden Standort finden lässt. Wir freuen uns deshalb, aktiver Teil des ForwardFarming-Netzwerks zu sein.“

Der Selterhof der Familie Bohnsack in Erzhausen. Foto: Frank Bertram

Der Selterhof in Erzhausen geht historisch auf das dortige Klostergut zurück und wird 1547 erstmals urkundlich erwähnt. Familie Bohnsack wirtschaftet seit sieben Generationen in Erzhausen, der jetztige Standort, ein ehemaliger Gutshof, wurde 1933 erworben. Der Betrieb umfasst 230 Hektar Fläche mit durchschnittlich 70 Bodenpunkten, wobei es auch Lagen mit nur 28 Bodenpunkten gibt.

Für Landwirte, Politiker, Behördenvertreter und weitere Personengruppen besteht auf dem Selterhof jetzt die Möglichkeit, eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft konkret in der Praxis kennenzulernen. “ForwardFarming” steht nach eigenen Angaben für die Zusammenarbeit auch mit kritischen Vertretern aus dem Naturschutz. Als ForwardFarming-Betrieb will Familie Bohnsack das bereits gezeigte Engagement in Politik und Öffentlichkeitsarbeit intensivieren und verstärkt mit Bayer zusammenarbeiten. Dazu zählt der Austausch mit Universitäten, aber auch das Angebot an Schulklassen oder interessierte Bürgerinnen und Bürger, den Selterhof zu besuchen und sich über Landwirtschaft zu informieren.

Das gesamte Betriebskonzept ist am Prinzip der Nachhaltigkeit ausgerichtet. Das beginnt bei der Anbauplanung mit gesunden Fruchtfolgen, reicht über eine bodenschonende Bodenbearbeitung bis hin zur bedarfsgerechten Düngung und zum zielgenauen Pflanzenschutz. Ihren Betrieb verstehen die Bohnsacks als Teil des Ganzen in der Region. „Wir wollen den Standort für die nächsten Generationen erhalten und weiter verbessern“, sagen Petra und Wilhelm Bohnsack, die Eltern von vier Kindern sind. „Dazu gehören auch die Akzeptanz der Bevölkerung, das Brückenbauen zwischen Stadt und Land sowie der Erhalt der Natur im Umfeld unseres Betriebes.“ Nachhaltigkeit bedeute Zukunftssicherung über eine Wahlperiode hinweg, machte Petra Bohnsack deutlich, die gerade in den Einbecker Stadtrat gewählt wurde.

Erfahrungen aus der Zeit als Bio-Betrieb (fünf Jahre Naturland-Betrieb) öffnen den Blick und leisten einen wichtigen Beitrag im Sinne des nachhaltigen Wirtschaftens. Standardisierte Verfahren stellt der Betriebsleiter immer wieder auf den Prüfstand, denn „kein Jahr ist wie das andere”, sagt Wilhelm Bohnsack. Die Situation für die Landwirtschaft werde auch wegen des Klimawandels schwieriger. Bohnsack: “Darauf müssen wir reagieren, mit allen Werkzeugen, die uns zur Verfügung stehen, und zwar immer angepasst an die jeweilige Situation.“

Moderne und nachhaltige Anbaumaßnahmen im Sinne von ForwardFarming umfassen eine vielfältige Fruchtfolge mit Zwischenfruchtanbau, modernes Saatgut, integrierten Pflanzenschutz und unterstützende digitale Technologien. Die Weiterentwicklung praktischer Schutzkleidung und -ausrüstung mit anderen Branchenpartnern ist für Bayer ForwardFarming ein weiterer Schwerpunkt. Diese und weitere Anwendungen sollen auf dem Selterhof künftig ebenfalls in der Praxis erprobt und interessierten Praktikern gezeigt werden. Der Nachhaltigkeitsansatz setzt auf die Vielfalt der Verfahren. So unterstützen bei der Unkraut- und Ungraskontrolle mechanische Verfahren den chemischen Pflanzenschutz. Einen hohen Stellenwert nehmen krankheitsresistente Sorten, eine schonende Bodenbearbeitung, Biodiversitätsmaßnahmen sowie digitale Verfahren ein.

Landvolk-Präsident Dr. Holger Hennis appelliert, nicht Problemsucher zu sein, sondern Lösungsanbieter. Foto: Frank Bertram

Bei der Eröffnung des Selterhofs sprach Dr. Bernd von Garmissen letztmalig in seiner Funktion als stellvertretender Landrat. Garmissen wird 2022 Direktor der Landwirtschaftskammer in Oldenburg. Mit dem ForwardFarming-Standort in Erzhausen auf dem Selterhof werde der Landkreis Northeim geadelt, sagte von Garmissen. Der Beruf des Landwirts gehöre zum Markenkern des Landkreises, und so sei die Diskussion über unterschiedliche Ansätze moderner Landwirtschaft fortwährend wichtig – und zwar abseits einer Konfrontation.

Auch der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Dr. Holger Hennies, warb bei der Eröffnung des Selterhofs für eine Zusammenarbeit. Probleme gezielt gemeinsam anzugehen, das sei der “niedersächsische Weg”. Die Landwirtschaft müsse Lösungsanbieter sein, dürfe kein Problemsucher werden. Aufgabe sei, Auswege zu vermitteln und nicht zu jammern, alles werde immer schlechter. “Nee, das wird es nicht”, sagte Hennies.

(Mit Pressemitteilung Bayer ForwardFarming)

Dr. Holger Hennies, Dr. Bernd von Garmissen, Wilhelm und Petra Bohnsack, Heinz Breuer, Karl Eschenbacher (v.l.). Foto: Frank Bertram
An verschiedenen Stationen auf dem Hofgelände ging es um Nachhaltigkeits-Schwerpunkte von ForwardFarming. Foto: Frank Bertram
Landvolk-Präsident Dr. Holger Hennies (r.) lässt sich erläutern, wie digitale Verfahren und Daten dabei helfen, Ressourcen effizient und nachhaltig zu nutzen. Foto: Frank Bertram
Die richtigen Entscheidungen zur Förderung der Biodiversität auf begrenzter Fläche treffen – darum ging es an einer weitere Infostation. Foto: Frank Bertram
Foto: Frank Bertram

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