Stabile biologische Saatgutbeizen: KWS bringt erstes Produkt zur Marktreife

Foto: KWS

Um Landwirten zusätzliche Optionen in der biologischen Saatgutbeizung anzubieten, hat das Einbecker Saatzuchtunternehmen KWS gemeinsam mit Evologic Technologies, einem Spin-off der Technischen Universität Graz, erfolgreich an der Stabilisierung so genannter Biologicals geforscht. Erster Erfolg dieser Zusammenarbeit ist ein Pflanzenhilfsmittel für Zuckerrüben, dessen Markteinführung 2022 startet, teilte KWS heute mit.

Es wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem die Bakterien zunächst in mikroskopisch feine Kapseln eingebettet und dann in dieser konservierenden Formulierung auf das Saatgut aufgebracht werden. Durch das Aufbringen wertvoller Biologicals als Teil der Beizung werde der Keimling gleich zu Beginn in seiner Entwicklung effizient unterstützt, heißt es von KWS. Zudem reduziere sich der Arbeitsaufwand bei der Aussaat. Mit Hilfe eines Stabilisierungsverfahrens könnten nun erstmals wertvolle Mikroorganismen für lange Zeit haltbar gemacht und dauerhaft am Saatgut verschiedener Kulturarten angebracht werden – ein Novum in der Branche.

Bei dem neuen Produkt handelt es sich um eine Kombination aus sechs spezifisch für die Zuckerrübe selektierten Bakterienstämmen, welche die Jugendpflanzenentwicklung und das Ertragspotenzial von Zuckerrüben unter Stressbedingungen, wie zum Beispiel Trockenheit oder Kälte, unterstützen. Sorten mit dieser neuen Technologie werden zur Aussaat 2022 in ersten europäischen Ländern zur Verfügung stehen. „Nach intensiver, gemeinschaftlicher Entwicklungsarbeit können wir Landwirten nun erstmalig ein spezifisches Biological für Zuckerrüben als Saatgutbeize anbieten“, sagt Jörg Philipps, Leiter der KWS Business Unit Zuckerrübe.

Die Rohstoffe zur Mikroverkapselung der Biologicals sind pflanzenbasiert. Damit bietet das Verfahren Lösungen für den konventionellen und den ökologischen Landbau. Dr. Nora Temme, Manager Biologicals bei KWS, erläutert: „Mit diesem neuen Verfahren sind wir Vorreiter. Biologicals bieten nachhaltige Vorteile für die Bodengesundheit und die Ertragssicherung und sind Teil der Lösungen für einen integrierten Pflanzenschutz. Aktuell entwickeln wir bereits weitere Produkte für KWS Kulturen, bspw. Roggen oder Raps, basierend auf dieser Technologie und werden diese als Saatgutbehandlung im KWS INITIO Programm anbieten.“

Biologicals sind nützliche Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze oder Substanzen natürlichen Ursprungs, schreibt KWS in seiner Pressemitteilung. Sie unterstützen, stärken und schützen die Ackerkulturen und tragen so zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bei. Nicht alle nützlichen Mikroorganismen können in der Saatgutbeizung verwendet werden, da sie möglicherweise zu empfindlich sind, um den Beizprozess oder eine längere Lagerung zu überstehen. Die empfindlichen Mikroorganismen müssen bisher optional in einem zusätzlichen Arbeitsschritt unmittelbar vor der Aussaat appliziert werden.

Das Bild zeigt im Vergleich Zuckerrübenpflanzen, zusätzlich ausgestattet mit der biologischer Saatgutbeize (rechte Seite), und eine Kontrolle mit der bisherigen Standardbeize (linke Seite). Die zusätzliche Ausstattung mit dem biologischen Pflanzenhilfsmittel bewirkt eine verbesserte Jugendpflanzenentwicklung und einen homogeneren Aufgang der Zuckerrübenkeimlinge im Feld. Foto: KWS

(Mit Pressemitteilung KWS SAAT SE & Co. KGaA)

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