Gestohlene Erinnerungen: Ausstellung im Überseecontainer über persönliche Gegenstände von NS-Opfern

Die Ausstellung „Stolen Memory“ zeigt bis zum 22. September in Einbeck in einem Überseecontainer die persönlichen Gegenstände von Verfolgten des NS-Regimes. Die Ausstellung in dem ausklappbaren und begehbaren Container ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet und kann ohne Anmeldung von jedem besucht werden. Für Fragen und Erläuterungen steht außerdem eine Fachkraft zur Verfügung, welche die Ausstellung begleitet.

Der Container steht an der Nordseite der Marktkirche, bis zu den weiteren Exponaten im Stadtmuseum sind es nur wenige Schritte. Foto: Frank Bertram

Im Zentrum stehen dabei Objekte, so genannte Effekten, und deren Rückgabe an Angehörige der NS-Opfer, Familien ihrer einstigen Besitzerinnen und Besitzer. Effekten sind persönliche Gegenstände, die vom Lagerpersonal Häftlingen bei ihrer Ankunft in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten abgenommen und bis heute aufbewahrt wurden. In den 1960-er Jahren gingen diese Gegenstände in den Bestand der Arolsen Archives über. Mehr als 100 Effekten übergeben die Arolsen Archives pro Jahr an Familien ehemaliger Häftlinge, seit dem Start der Suchkampagne 2016. Darunter zählen unter anderem Füller, Eheringe, Uhren und auch Fotos. Die Institution sieht es als ihre Aufgabe an, diesen persönlichen Besitz der Inhaftierten den Familien zurückzugeben. In den Archiven warten noch über 2000 „Effekte“ auf die Rückgabe.

Der Container zeigt examplarische Beispiele. Foto: Frank Bertram

Die Ausstellung zeigt neben Hintergrundinformationen zu den Arolsen Archives zwei Themenbereiche: Unter der Überschrift „Gefunden“ geht es um Effekten, die bereits zurückgegeben werden konnten, während das Thema „Gesucht“ Effekte aufgreift, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jeder und jede kann die Arolsen Archives bei der Suche und Rückgabe unterstützen. Bereits weit über 400 dieser besonderen Erinnerungsstücke gaben die Arolsen Archives mit Hilfe Freiwilliger aus den Niederlanden, Polen, Frankreich und anderen Ländern an Familien der NS-Verfolgten zurück.

Lokal wird die Open-Air-Ausstellung vom Stadtmuseum Einbeck ergänzt. Dort sind seltene Exponate zu sehen.

Bereits seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung im Rahmen der Fördermaßnahme „Kultur in ländlichen Räumen“ durch 20 Städte in ganz Deutschland. Konzipiert wurde diese Ausstellung von den Arolsen Archives.  Dieses internationale Zentrum über NS-Verfolgung hat das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus aufgebaut. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Auf der neuen interaktiven Website zur Ausstellung stolenmemory.org finden Interessierte die Inhalte der Ausstellung und weiterführende Informationen online. Mit Hilfe von QR-Codes in der Ausstellung können Besucher vor Ort direkt zu weiterführenden Informationen gelangen.

(Mit Pressemitteilung Landkreis Northeim)

Ausstellungseröffnung #StolenMemory in Einbeck (v.l.) Ausstellungsbesucherin, Alexander Kloss (Mitglied des Rates der Stadt Einbeck), Eunice Schenitzki (Mitglied des Rates der Stadt Einbeck), Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Ausstellungsbesucherin, Leoretta Itay, Susanne Gerdes (Stadtarchiv Einbeck), Dr. Christian Riemenschneider (Provenienz Forschung), Dagmar Baur-Burg (Stadtmuseum Einbeck) und Dr. Christa Seidenstücker (Arolsen Archives International Center on Nazi Persecution). Foto: Landkreis Northeim
Besucher können durch den Container hindurch gehen. Foto: Frank Bertram
Der Container steht an der Nordseite der Marktkirche. Foto: Frank Bertram

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