Ausstellung „Beautiful“ von Nadja Rentzsch: Das Auge der Betrachter entscheidet über die Schönheit

Die Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Und der Betrachterin. Landläufig gelten verwelkte Blumen irgendwann als tot, nicht mehr als schön. Doch was ist schon schön? Nadja Rentzsch hat eine Serie mit Fotografien erarbeitet, die in immer gleicher Belichtungssituation verschiedene Blumensträuße zeigt, die alle nicht mehr taufrisch sind. Die großformatigen Fotografien der Künstlerin von Tulpen, Amaryllen, Mohn, Lilien, Hortensien oder Anemonen sind jederzeit auf dem Hof Ippensen 6 zu sehen, am Wochenende ist auch die Scheune geöffnet, so dass einige Motive mehr betrachtet werden können.

Nadja Rentzsch vor großfortmatigen Fotografien ihrer Reihe „Beautiful“. Foto: Frank Bertram

„Trotz des fortschreitenden Verfalls sehen verwelkte Blüten bezaubernd aus“, sagt die Künstlerin aus Berlin. „Vertrocknete Blätter bilden ästhetische Formen. Beides zeigt die Vergänglichkeit in wirkungsvoller Schönheit“. Die Ausstellung auf dem Kulturhof in Ippensen ist dann auch „Beautiful“ überschrieben, die die Folgen des Älterwerdens betrachten will. Nadja Rentzsch inszeniert verwelkte Blumensträuße in Übergröße für ihre Fotoserie, ohne Hintergrund oder Kontext. Die Berlinerin hat bereits ihre nächsten Objekte in Vorbereitung: In ähnlicher hoher Helligkeit und Beleuchungssituation möchte sie eine Serie mit Nahaufnahmen von verschiedenen Insekten kreieren.

Kunst zum Mitnehmen bietet Nadja Rentzsch in Ippensen. Foto: Frank Bertram

Nadja Rentzsch ist geboren und aufgewachsen in Berlin, wo sie nach mehreren Auslandaufenthalten jetzt auch wieder lebt und arbeitet. Ihre fotografische Ausbildung hat die Künstlerin am Photocentrum in Berlin-Kreuzberg an der renommierten Ostkreuzschule für Fotografie Berlin absolviert. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sich Nadja Rentzsch mit Phänomen aus der Alltagswelt. Sie inszeniert ihre Motive in einem Zusammenhang, der neue Sichtweisen auf gewohnte Verhaltens- und Denkmechanismen ermöglicht und neue Perspektiven bietet. Und falls der Hof nicht geöffnet sein sollte, steht ein Kunstautomat an der Scheune zur Verfügung, aus dem sich jeder Kunst zum Mitnehmen ziehen kann. Zurzeit enthält der Automat Miniatur-Fotografien von Nadja Rentzsch aus der Serie „Beautiful“.

Der Kunstnaturhof in Ippensen ist seit Anfang 2021 Sitz des neuen Vereins Kunst und Natur im Leinetal. Vorsitzende ist Dr. Maren Ziese. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kunst und Natur im ländlichen Raum zu fördern sowie die Begegnung und Kommunikation zwischen Kulturschaffenden, Künstlern, der regionalen Bevölkerung und einer überregionalen Öffentlichkeit zu den Themen ,,Kunst“ und ,,Natur“ zu bereichern. Ippensen Nummer 6 ist ein denkmalgeschützter Hof, der im Dorfkern der Einbecker Ortschaft an der Straße nach Greene gelegen ist. Der ehemalige Ackerhof in exponierter Lage stand lange leer, nachdem der letzte Bewohner Karl Haarmann mit 97 Jahren gestorben war.

Die erste Ausstellung auf dem Hof, die noch bis Ende Oktober zu sehen sein soll, passe hervorragend zum Ort der Schau, dem 350 Jahre alten Hof, der sich in einem einmaligen Originalzustand und aktuell in einem Wandlungsprozess befinde, sagt Vorsitzende Dr. Maren Ziese. Die ausgebliebenen Renovierungen und Modernisierungen auf dem Hof Ippensen 6 habe Substanz zu großen Teilen unberührt gelassen. Der neue Verein möchte zum Nachdenken über den aktuellen Zustand der Natur anregen. Der Hof soll behutsam umgebaut werden. Leader-Fördermittel sind zugesagt, damit auch vorbeikommende Radfahrer vom Leine-Heide-Radweg und der Euroroute R1 zum Verweilen eingeladen werden.

Der Kulturhof Ippensen. Foto: Frank Bertram
Herzlich willkommen in Ippensen: Dr. Maren Ziese, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Nadja Rentzsch im Gespräch. Foto: Frank Bertram
Der Kunstnaturhof in Ippensen. Foto: Frank Bertram
Solche Kunstwerke „zum Mitnehmen“ finden sich den den Pappboxen, die aus dem Kunstautomaten kommen. Foto: Frank Bertram

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