Nachruf Franz Alfus (1925-2021)

Am 11. Februar 2021 ist Franz Alfus im Alter von 95 Jahren von uns gegangen. Von uns, das dürfen viele Einbecker und Personen aus unserer Region für sich in Anspruch nehmen, denn Franz Alfus war einer der Großen der Nachkriegszeit in Stadt und Land mit einer enormen Ausstrahlung zum Wohle vieler Mitmenschen.

Beeindruckend war sein beruflicher Werdegang. Noch als Teenager wurde er zur Wehrmacht eingezogen und konnte nach Kriegsende und einer harten Übergangsperiode eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvieren, was ihm letztlich die Position des Bankdirektors der Filiale der Deutschen Bank in Einbeck bescherte bis zu seiner Verabschiedung in einen Unruhestand im Jahre 1988.

Franz Alfus konnte zu Recht stolz sein auf seine Tätigkeit als Bankier. Seine steile Karriere verdankte er der großen Anerkennung, die er sich im oberen Management der Deutschen Bank erwarb, wodurch er auch mit besonderen Kompetenzen ausgestattet war, die heute nicht mehr Ihresgleichen haben. Alfus hat dies zurückgegeben, denn sein Institut war zu seiner Zeit das mit Abstand führende in Einbeck. Damit hatte er einen erheblichen Anteil am Aufschwung der Wirtschaft Einbecks. Diskret und mit höchster Effektivität pflegte er die Kontakte zu den maßgeblichen Unternehmen. Seine Kompetenz und Persönlichkeit führten dazu, dass dabei auch freundschaftliche Bande entstanden. So kann auch seine Mitgliedschaft im Kegelklub „Frohsinn“ ab 1960 und im Rotary Club Einbeck-Northeim ab 1969 gewürdigt werden.

Franz Alfus (1925-2021). Foto: privat

Franz Alfus blieb Zeit seines Lebens eine beherrschende und durchweg engagierte Persönlichkeit ohne Allüren aber großer Wirkmächtigkeit bis in seine letzten Tage. Im besagten Unruhestand war er sofort mit der Wiedervereinigung in Magdeburg tätig und schulte als Seminarleiter und Dozent die jungen Talente, die in den neuen Bundesländern in das Bankgewerbe strebten. An seinem letzten Standort, dem Altenheim Deinerlinde, für das er viele Jahre als Vorstandsmitglied gewirkt hatte, war er nun seit 2017 Vorsitzender des Heimbeirats. Seine Freunde konnten beobachten, wie er auch in dieser Eigenschaft das Leben der Mitbewohner nachhaltig und besonnen zu ihrem Vorteil prägte.

Bewundernswert ist die Klarheit seines Geistes, seiner Gedanken bis zum Schluss mit einem phänomenalen Gedächtnis auch für Namen. Vielleicht war ihm das mit seinen Genen gegeben, sicher aber auch aufgrund seines vielfältigen Engagements, aufgrund dessen er von vielen wegen seines guten Rates gesucht wurde und dabei sehr unterhaltsam war. „Graue Eminenz“ klingt etwas abwertend, denn Franz Alfus war auch bescheiden. Nur hatten eben sein Wort und Urteil Gewicht, er war einfach gefragt bis zu allerletzt.

In diesem Zusammenhang kann seine außerordentliche Wirkung in vielen Bereichen nur angedeutet werden, so vielseitig ist sie. Franz Alfus war Kuratoriumsvorsitzender des Arbeitskreises zur Verminderung der Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis Northeim. Im Jahre 2002 erhielt er für sein Engagement das Verdienstkreuz am Bande. Er brachte nach der Wiedervereinigung die Gründung eines Pflegeheims in Sangerhausen voran, trug dort auch maßgeblich zur Gründung eines Rotary Clubs bei, der wie andere Clubs dieser Art große soziale Aufgaben für Bedürftige wahrnimmt. Er befeuerte die Freundschaft des Clubs Einbeck-Northeim mit dem holländischen Club in Vriezenveen, war tief freundschaftlich verbunden mit dortigen Mitgliedern, die sich ihm öffneten, obwohl sie in ihrer Verwandtschaft großes Leid während des Zweiten Weltkrieges erfahren hatten. Auch hob er den Burgverein Grubenhagen mit aus der Taufe und setzte sich als Vorstand nachhaltig für dieses beliebte Ausflugs- und Wanderziel ein. Sportlich frönte er der Jägerei und war bis in seine 80er Jahre hinein ein hervorragender Kegler. Bei „Frohsinn“ lebte er die Freundschaft zu anderen voll aus. Seine Reden aus dem Stehgreif waren legendär, weil sie so fesselnd waren und seine Persönlichkeit voll zum Ausdruck brachten.

Franz Alfus war auch ein Glückspilz, denn er hatte mit seiner Frau Renate die richtige Frau an seiner Seite, sportlich, liebeswert und voll Elan. Sie verstarb 2016, was er als schweren Schicksalsschlag empfand – genauso wie den tragischen Unfalltod eines geliebten Enkels, Student in Göttingen. Franz Alfus hatte die bemerkenswerte Kraft, wieder Lebensmut zu fassen und zufrieden zu sein und zu “regieren” in der Deinerlinde und von dort aus immer noch Mittelpunkt von Entscheidungsprozessen zu sein. Dazu trugen auch seine drei Töchter bei, alles studierte und fest in der Gesellschaft stehende Frauen, die ihn hoch verehren und lieben. Dies alles rundet das Bild einer großartigen Persönlichkeit ab. Hinterbliebene, Freunde und viele Bekannte wird es trösten, dass Franz Alfus ein im wahrsten Sinn des Wortes bis zum Schluss ein erfülltes Leben hatte und friedlich einschlief. Viele werden ihn sehr vermissen.

Professor Wolfgang König