Terminvergaben: Landrätin kritisiert „Impftourismus“

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) kritisiert nach den ersten Terminvergaben für das Impfzentrum Northeim einen bevorstehenden „Impftourismus“. Der Landkreis verliere dadurch außerdem die Übersicht über die Impfquote bei den Einwohnern im Kreisgebiet, erklärte die Kreishaus-Chefin.

Astrid Klinkert-Kittel am Schreibtisch im Northeimer Kreishaus. Archiv-Foto: Landkreis Northeim

Nach dem Start der Impfterminvergabe gestern hat sich die Landrätin heute zu ersten Erfahrungen geäußert. Für das Impfzentrum in Northeim waren 180 Terminangebote in das System des Landes eingegeben worden, die innerhalb kurzer Zeit vergeben waren. Mit dem Impfen dieser Personen soll ab dem 8. Februar begonnen werden, wenn die neue Impfstofflieferung den Landkreis planmäßig zum 5. Februar erreicht, kündigte die Kreisverwaltung an. Der Schwerpunkt der Impfbemühungen liege im Landkreis Northeim allerdings auch weiterhin in den Alten- und Pflegeheimen. Zumal im Bereich Einbeck noch kein einziges Seniorenheim versorgt ist. Erste Impfungen in Seniorenheimen im Stadtgebiet von Einbeck wird es nicht vor dem 5. Februar geben. “Wir rechnen aktuell damit, dass wir am 5. Februar eine neue Charge Impfstoff für die Erstimpfungen bekommen”, erklärte Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer auf meine Anfrage. Geplant sei dann, zum Ende der fünften und Beginn der sechsten Kalenderwoche mit Erstimpfungen im Seniorensitz Luhmühle in Einbeck-Greene zu beginnen.

Von jeder Impfstofflieferung mit rund 1130 Impfdosen werden immer auch anteilig Impfdosen für das Impfzentrum in Northeim abgezweigt und dort verimpft. Diese Situation könne sich erst ändern, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung steht oder das Personal und die Bewohner geimpft sind.

Von den 180 Terminen im Impfzentrum Northeim sind mit 45 nur rund 25 Prozent an Menschen aus dem Landkreis Northeim gegangen, berichtete die Kreisverwaltung. Deshalb werden ab dem 8. Februar auch Impfberechtigte aus den Landkreisen Hildesheim, Göttingen, Hameln-Pyrmont, Holzminden, Salzgitter, Hannover und Goslar in Northeim geimpft. Dies hängt laut Kreisverwaltung damit zusammen, dass man bei der Terminvereinbarung – je nach Terminverfügbarkeit – grundsätzlich wählen kann, wo man geimpft werden möchte. Die 50 Impfzentren in Niedersachsen sind somit als Netzwerk zu sehen, welches den Impfwilligen zur Verfügung steht.

„Den sich daraus ergebenden Impftourismus sehe ich, gerade auch in Pandemiezeiten, äußerst kritisch“, meint Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Eine weitere Folge sei auch, dass der Landkreis vollkommen die Übersicht über die Impfquote der Kreiseinwohner verliere. „Wir erfahren nämlich nicht, welche Personen aus dem Landkreis Northeim in einem anderen Landkreis geimpft wurden“, erklärte die Landrätin.

Direkt am Impfzentrum in Northeim in der Stadthalle gibt es keine Terminvergabe und auch keine direkte Impfmöglichkeit. Darauf hat die Kreisverwaltung noch einmal hingewiesen. Die Terminvergabe oder Terminreservierung sind ausschließlich über das Land möglich: Über die Telefonnummer 0800 99 88 665 oder online.