Neues Buch: Der vergessene Abtshof im Wendfeld auf der Hube nahe Holtershausen

Ein kleines Heftchen sollte es ursprünglich werden. Ein Buch von 160 Seiten ist es letztlich geworden. Es schildert eine spannende historische Spurensuche, an deren Ende ein völlig neuer Blick auf die Geschichte der Hube bei Einbeck steht, und bei der es um einen Abtshof des Klosters Amelungsborn im Wendfeld nahe Holtershausen geht. Dr. Stefan Teuber, der ehemalige Einbecker Stadtarchäologe, und Marco Strohmeier, der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Holtershausen, haben in den vergangenen Jahren gemeinsam an dem Projekt gearbeitet. Am Grillplatz auf der Hube hat der Einbecker Geschichtsverein eine Infotafel der Stadt Einbeck geschenkt, auf der die Geschichte des Höhenzuges geschildert wird – und auf der auch das Wendfeld mit dem vergessenen Klosterhof eine Rolle spielt.

Nach einer Legende soll es einst ein Kloster bei Holtershausen gegeben haben, Flurnamen und Bezeichnungen wie Mönche-Lieth, Mönche-Holz, Mönchsbreite sowie Sagen und historische Aufzeichnungen zeugen davon. Das genaue Wissen darüber jedoch war über die Jahrhunderte verloren gegangen. 2005, ein paar Jahre nach der 850-Jahrfeier des Einbecker Ortsteils Holtershausen, begann das Puzzle. „Stück für Stück zog die Begeisterung bei der Suche nach dem verschwundenen Klosterhof immer größere Kreise“, erinnert sich Ortsheimatpfleger Udo Strohmeier im Vorwort zum Buch. „Das Puzzlemotiv begann, deutlicher erkennbar zu werden.“

Das jetzt erschienene Buch erzählt, wie durch jahrelange akribische historische Recherchen, Geländeerkundungen und -vermessungen sowie archäologische Arbeit vor Ort aus den einstigen Vermutungen im Laufe der Zeit Gewissheiten und nachprüfbare Fakten wurden. Die Autoren wünschen sich, mit dem Buch die neuen Erkenntnisse für die Zukunft dauerhaft erhalten zu können, „damit diese Geschichte nicht wieder im Nebel der Vergangenheit verschwinden möge“.

„Das Buch erzählt, wie wir den alten Klosterhof an der Hube, im heutigen Einbecker Märchenwald, an der Wüstungsstelle im Wendfeld belegen konnten“, sagte Marco Strohmeier bei der Buch-Präsentation. „Seine Gesamtgröße wurde mit 16 Hufen an Feldern, Wiesen und Hopfenbergen angegeben, was etwa 120 bis 160 Hekat Land bedeutete – für die damalige Zeit eine gewaltige Größe, die es hier im klösterlichen Gutsbetrieb zu bewirtschaften galt.“ Das aufwändig zusammengetragene Wissen habe einen erheblichen Umfang angenommen und werfe einen völlig neuen Blick auf die historischen Geschehnisse an der Hube und die umliegenden Orte, im Besonderen auf das alte Amt Greene und die Stadt Einbeck, und stelle damit vielleicht auch jene oft gesuchte historische Verbindung zwischen der Stadt Einbeck und dem späteren Gebiet der Gemeinde Kreiensen dar, hofft Strohmeier.  

Am Ende des Buches können die Autoren bilanzieren und mit vielen Quellen belegen, dass es diesen Abtshof im Zentrum des heutigen Wendfelds gegeben haben muss. Klar wird auch, dass es weitere offene Fragen gibt, die erst bislang unbekannte Quellen beantworten könnten, die wahrscheinlich nach all der Akribie dann eher Zufallsfunde seien. Einen Beweis für die Lage des Klosterhofs könnten freilich großflächige archäologische Erkundungen im Gelände erbringen. „Alles in allem konnte für die Region um Holtershausen und dem Nordteil der Hube ein neues, sehr komplexes und facettenreiches, historisches Bild gezeichnet und der sehr wahrscheinliche Standort des fast vergessenen Klosterhofs auf der Hube bestimmt werden“, ziehen Dr. Stefan Teuber und Marco Strohmeier ihr Fazit.

Strohmeier dankte bei der Buch-Präsentation Teuber, ohne dessen fundierte Fachkenntnis und guten Kontakte zur Archäologie, Landeskunde und Denkmalpflege dieses Projekt nicht gelungen wäre. „Stefan, du hast sehr viel Zeit, Geld und Herzblut für dieses anspruchsvolle Projekt geopfert und auch dann nicht aufgegeben, als du nicht mehr Stadtarchäologe in Einbeck warst, sondern hast dich mit jedem neuen Archiv- und Scherbenfund, auch wenn es noch so mühselig war ihn zu bergen, weiter für dieses Projekt motivieren können.“ Gemeinsam habe man mit diesem Werk ein völlig in Vergessenheit geratenes Stück Orts-, Stadt- und Regionalgeschichte akribisch beschreiben können, auf welches sich noch Generationen von Geschichtsinteressierten und Heimatforscher berufen könnten.

Erhältlich ist das Buch „Der vergessene Klosterhof an der Hube bei Einbeck“ von Dr. Stefan Teuber und Marco Strohmeier ab sofort bei Nina Glatz (Lange Brücke), im Stadtmuseum Einbeck, in der Tourist-Information an der Marktstraße, im Heimatmuseum Greene sowie per Bestellung über den Buchhandel (Isensee Verlag Oldenburg, ISBN 978-3-7308-1723-0).

Dr. Stefan Teuber (Northeim) und Marco Strohmeier (Holtershausen) an der neuen Infotafel auf der Hube. Foto: Frank Bertram
Video von der Enthüllung des Schildes durch die Vorsitzende des Einbecker Geschichtsvereins, Dr. Elke Heege (l.) und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.