Virtuelles Gedenken an den Novemberpogrom 1938 in Einbeck

In Erinnerung an den 9. November 1938, an dem auch die Einbecker Synagoge in Brand gesetzt und zerstört wurde, findet jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Synagoge an der Bismarckstraße statt. In diesem Jahr ist eine solche Veranstaltung in der Corona-Pandemie nicht möglich. Daher wird das Gedenken an die Novemberpogrome der Nationalsozialisten virtuell und ins Internet verlegt.

Aus der Partnerstadt Keene in den USA erreichte alle Einbecker Bürgerinnen und Bürger eine Botschaft zum 9. November, die Dr. Elke Heege und Florian Fechner auf Deutsch und Englisch in diesem Video sprechen:

Dr. Elke Heege und Florian Fechner sprechen die Botschaft aus Keene an alle Einbecker.
(c) Foto: Stadtarchiv Einbeck
Die Synagoge in Einbeck an der Bismarckstraße am Abend des 9. November 1938. Foto: Stadtarchiv Einbeck

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat sich mit einer Videobotschaft zum 9. November an die Öffentlichkeit gewandt. „Die historischen Ereignisse dürfen wir nicht verdrängen, sondern sie immer wieder in Beziehung zur Gegenwart setzen“, sagt sie. „Wir kommen heute zu der bitteren Erkenntnis: Die Einschätzung, dass etwas Derartiges wie der Holocaust in Deutschland nicht mehr möglich sei, hat sich als Illusion erwiesen.“ Gedenken sei wichtig, verankere das damalige Geschehen in der Gegenwart, damit Veränderung möglich werde. „Mit der alljährlichen Erinnerung widersetzen wir uns der Gleichgültigkeit. Wir gedenken! Und damit setzen wir ein Zeichen gegen das Vergessen der jüdischen Menschen und ihres Lebens in unserer Stadt.“

„Gedenken heißt für mich auch: Einstehen für Würde, Einstehen für Recht und Menschlichkeit aller Menschen, wo immer sie in Gefahr sind: Juden, Moslems, Christen, Buddhisten, Menschen mit und ohne Religion“, sagte die Bürgermeisterin. „Allen muss diese Freiheit gelten, und ebenso sind alle gefordert, die im deutschen Grundgesetz verankerte Toleranz dem jeweils anderen auch zuzugestehen. Lassen Sie uns deshalb nicht mutlos den öffentlichen Raum den lauten hasserfüllten Horden, den Frustrierten und Gleichgültigen überlassen. Lassen Sie uns vielmehr jederzeit sehr deutlich machen, dass Weltoffenheit und Toleranz die Grundlage unseres politischen und individuellen Handelns gegenüber anderen Menschen ist und bleibt. Dass wir Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in unserer Stadt mit Sachlichkeit, aber unmissverständlich und vor allem gewaltfrei entgegentreten. Dass wir uns in Einbeck füreinander einsetzen und unseren Nächsten im Blick halten. Wir alle tragen Verantwortung für die Zukunft – für Freiheit in unserem Land, für eine starke Demokratie und für ein friedliches, respektvolles und gleichberechtigtes Miteinander aller Bürger.“

Video-Botschaft von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek zum 9. November.
Video von der Kranzniederlegung am 9. November 2020.
Mahnwache durch Mitglieder des Bündnisses „Einbeck ist bunt“ am Denkmal für die zerstörte Synagoge in Einbeck. Foto: Frank Bertram

In mehreren Videos erinnern Mitglieder des Bündnisses „Einbeck ist bunt“ an Mitbürger jüdischen Glaubens, die im Nationalsozialismus gedemütigt, verfolgt, vertrieben und getötet wurden. „Heute jährt sich zum 82. Mal die Reichspogromnacht“, sagt Sprecher Peter Zarske. „Auch die Einbecker Synagoge wurde angezündet und abgebrannt. Juden wurden bedrängt, ausgeraubt und vertrieben. Rechtsradikales Denken und Handeln ist weit verbreitet, auch bei uns in Einbeck. Das darf nicht sein. 1938 darf sich nicht wiederholen.“

Zahlreiche Mitglieder haben heute in einer Mahnwache, jeweils zu Zweit mit viel Abstand und Maske, über mehrere Stunden die Erinnerung wach gehalten.

Peter Zarske.
Peter Zarske.
Petra Reemts.
Annegret Kröger.
Kirsten Radon.
Dr. Sabine Michalek.
Margrit Cludius-Brandt.
Neue Synagoge in Einbeck an der Bismarckstraße. (c) Foto: Hugo Springmeier

Link-Tipp: https://pogrome1938-niedersachsen.de/einbeck/

(Aktualisiert 19:45 Uhr)