Die „Lanz-Wirtschaft“ öffnet

In Einbeck öffnet an diesem Sonnabend die „Lanz-Wirtschaft“. Damit ist die mehr als 50 landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge große Sammlung von größtenteils fahrbereiten Schleppern gemeint, darunter allein 37 Lanz Bulldogs. Unter Treckerfans nehmen diese kultigen Landmaschinen mit dem markanten Glühkopfmotor einen ganz besonderen Stellenwert ein.

Mehr als 50 Ackerschlepper mit Geschichte in der „Lanz-Wirtschaft“ des PS-Depots (v.l.): Kurator Andreas Bock, Pressesprecher Stephan Richter, Depot-Hausherr Michael Stadler und Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel. Foto: Frank Bertram

Die Lanz-Ackerschlepper haben eine große Fangemeinde. Sehnsüchtig wurde von vielen Oldtimerfans deshalb die Eröffnung der „Lanz-Wirtschaft“ genannten Sammlung im Lkw-Depot des PS-Speichers Einbeck erwartet. Ein erster Facebook-Post des PS-Speichers zu dem Thema erreichte mehr als 100.000 Klicks und zählt damit zu den bis dato reichenweitenstärksten der vergangenen Jahre. Ab 8. August kann jeder die Ausstellung von insgesamt 54 Landmaschinen besuchen – von der kleinen Dampfmaschine bis zur Dreschmaschine reicht die Bandbreite. Allein 37 Lanz Bulldogs des Mannheimer Kult-Herstellers sind zu sehen.

Viele ganz unterschiedliche Modelle sind zu sehen. Foto: Frank Bertram

„Alle haben ein arbeitsreiches Leben hinter sich“, sagt Andreas Bock, der Kurator für diesen Bereich, der PS-Speicher-Stifter Karl-Heinz Rehkopf besonders am Herzen liegt: Mit einem Lanz ist Rehkopf schon als Zehnjähriger auf dem Hof seines Onkels in Hollenstedt gefahren. Andreas Bock beschäftigt sich mit den unverwüstlichen und charaktervollen Lanz Bulldogs seit 35 Jahren und betreut die Sammlung von Karl-Heinz Rehkopf, die nun erstmals vollständig gezeigt wird. „Alle unsere Exponate haben eine Geschichte“, sagt er.

Auch Raupen gehören zu Sammlung. Foto: Frank Bertram

Zu sehen ist der kleinste (8 PS) und der größte (63 PS) gebaute Lanz Bullog, das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1923, das jüngste von 1955, als die Heinrich Lanz AG an John Deere verkauft worden war. Der schnellste Trecker ist der „Eil-Bulldog“. Einige Modelle haben einen Holzvergaser aus der Kriegszeit, andere sind mit Raupen ausgestattet. Auch eine fahrbare Bandsäge gehört zur Schau. Einer der Lanz-Traktoren war nach Australien exportiert worden und ist seit den 1990-er Jahren wieder in Deutschland – und nun in Einbeck zu sehen. Aus fast allen Lanz-Epochen ist ein Fahrzeug vorhanden, auch seltene, die nur in geringer Stückzahl erhalten sind, beherbergt die gezeigte Sammlung. Neben Lanz Bulldogs können Besucher auch Hanomag, Fano oder Stock-Schlepper bewundern.

Der Eil-Bulldog war mit 33 Stundenkilometer besonders schnell. Foto: Frank Bertram

Dennoch heißt die Halle, in der alle Fahrzeuge stehen, „Lanz-Wirtschaft“ – ein Wortspiel, das sich Karl-Heinz Rehkopf selbst hat einfallen lassen. „Das Leben ist nicht nur Autobahn, es gibt auch den Acker der Landwirtschaft“, lächelt PS-Speicher-Sprecher Stephan Richter.

Im Depot-Eröffnung-Marathon dieses Jahres ist der neue Ausstellungsbereich sozusagen eine nahrhafte  „Zwischenmahlzeit“, die das präsentierte Oldtimer-Spektrum der Mobilität abrundet, sagte Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel. Die großen Depots für Motorrad und Automobile folgen mit ihren Eröffnungen in den nächsten Wochen bis 5. September, dann wird im Einbecker PS-Speicher mit 2500 Fahrzeugen die nach eigenen Angaben größte Oldtimersammlung Europas öffentlich zugänglich sein.

Das PS-Depot Lkw und Bus im Otto-Hahn-Park mit seinem neuem Bereich „Lanz-Wirtschaft“ ist von April bis Oktober jeden Sonnabend von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppen können sich auch außerhalb dieser Zeit anmelden. Der Eintrittspreis für den neuen Trecker-Sammlungsbereich ist in dem Depot-Eintritt von 10 Euro pro Person (ermäßigt 6 Euro) enthalten. Seit 2016 sind hier bereits in den 7000 Quadratmeter großen Hallen rund 300 Lkw und Busse sowie andere Nutzfahrzeuge zu sehen.

Kurator Andreas Bock erläutert die Exponate, hier einen Hanomag-Schlepper WD 28, Baujahr 1927, mit 28 PS, an dem Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel steht. Foto: Frank Bertram

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