Modell der Einbecker Marktkirche soll zugunsten des Originals versteigert werden

Ein einst von dem Einbecker Karl Rose erbautes Modell der Einbecker Marktkirche soll zugunsten des Originals versteigert werden. Initiator Alexander Kloss hatte sich im Frühjahr für die Rettung der kleinen, etwa 500 Kilo schweren Marktkirche aus Sandstein mit Kupferdach eingesetzt, die über Jahrzehnte am Deinerlindenweg gestanden hatte und dort einem entstehenden neuen Baugebiet weichen musste. Gebote können bis zum 20. Juli online bei Facebook abgegeben werden. Doch nicht das höchste Gebot soll am Ende entscheiden, sondern das nachhaltigste Konzept des Bieters für das Modell, das inzwischen arg gelitten hat und repariert werden muss. Der Erlös der Versteigerung kommt der Marktkirche St. Jacobi am Marktplatz zugute, die in den nächsten Jahren aufwändig saniert werden muss.

Wollen das Marktkirche-Modell versteigern (v.l.) Ulrich Hoppe, Bernd Rose, Alexander Kloss und Dr. Elke Heege. Foto: Frank Bertram
Erbauer Karl Rose an seinem Modell der Einbecker Marktkirche. Foto: privat

„Er musste jeden Tag etwas anderes basteln“, erinnert sich Bernd Rose an seinen Großvater Karl. „Es hat immer Spaß gemacht, mitzumachen.“ Karl Rose war eigentlich Justizbeamter und hat in seiner Freizeit zahlreiche Modelle aus Beton und Stein gebaut, der Verbleib der meisten ist heute ungeklärt. Die kleine Marktkirche hatte Rose lange in seinem Garten am Schillanger aufgestellt, sie hatte ursprünglich sogar Licht und auch ein eingebautes Tonband für das Läuten der Kirchenglocken. Die meisten Fotos des Hobbys von Karl Rose wurden beim Feuer in seinem späteren Wohnhaus am Pfänderwinkel zerstört. Karl Rose und dessen Ehefrau kamen bei dem tragischen Brand in ihrem kleinen Häuschen ums Leben.

Enkel Bernd am Marktkirche-Modell. Foto: privat

Das etwa zwei Meter hohe, massive Marktkirche-Modell hat Karl Rose vor gut 50 Jahren gebaut. Enkel Bernd ist auf einem Foto zu sehen, da ist er etwa sieben Jahre alt. Bernd Rose kann sich noch gut erinnern, dass die Familie seinerzeit extra in den Solling fuhr, um Sandsteine für den Bau zu beschaffen. Zur Fertigstellung des Objekts soll es sogar einen Fernsehbericht von Aktion Sorgenkind (heute: Aktion Mensch) gegeben haben, für die Karl Rose damals Spendengelder mit seinen selbst gebauten Modellen sammelte.

Als Anfang dieses Jahres die Bagger am Deinerlindenweg anrückten, die die Gebäude der ehemaligen Stadtgärtnerei und den unmittelbar angrenzenden Komplex mit den Altenwohnungen abreißen und das Gelände als Bauland herrichten sollten, musste auch entschieden werden, was mit dem inzwischen stark verwitterten Modell der Marktkirche passieren sollte, das unzählige Besucher der umliegenden Seniorenheime kannten – auch Alexander Kloss. Der Ratsherr, der sich bei der SPD aktuell auch um die Kandidatur für die Bürgermeisterwahl bewirbt, wandte sich nach Hinweisen aus der Bevölkerung kurzfristig an den Kommunalen Bauhof und das Stadtarchiv, um das Modell der Einbecker Marktkirche zu retten. Mit Stadtarchivarin Dr. Elke Heege fand er eine Unterstützerin der Aktion. Der Bauhof konnte die kleine Marktkirche bergen. Kurzzeitig machte die Kirche dann noch einen unbeabsichtigen Ausflug nach Hameln, weil die Abbruchfirma das Modell abtransportiert hatte. Seitdem ist die Ostgiebelwand abgefallen. Dennoch blieben alle Beteiligten dabei: Die kleine Marktkirche darf nicht verloren gehen – und sie gehört nach Einbeck . Viele Details sind dem Original vom Marktplatz exakt nachempfunden.

Das Marktkirche-Modell am ursprünglichen Standort im September 2019. Archivfoto: Frank Bertram

Nach Angaben von Dr. Elke Heege ist das Marktkirche-Modell zwar künstlerisch ausgesprochen gut gemacht. Wegen des starken Verfalls, der Größe und des enormen Gewichts sowie der vergleichsweise geringen historischen Bedeutung sieht sie eine Restaurierung durch die Stadt Einbeck und eine dauerhafte kommunale Archivierung eher nicht. Das Objekt benötigt aus ihrer Sicht vielmehr einen Liebhaber, der es behutsam in seinen Originalzustand zurückversetzt und dann im privaten – oder gern auch öffentlichen – Raum wieder zeigt.

Das Baufeld ist freigeräumt, nur das Modell der Marktkirche steht im Februar 2020 allein am Deinerlindenweg. Archivfoto: Frank Bertram

Die Idee von Alexander Kloss, das Modell zugunsten der „großen“ Marktkirche zu versteigern, griff Kirchenvorsteher Ulrich Hoppe dankbar auf. Muss doch die Kirche am Marktplatz in den nächsten Jahren weiter saniert werden. Die Arbeiten sollten eigentlich auch schon begonnen haben – die Corona-Pandemie verzögert den Start. Den Löwenanteil für die Finanzierung will zwar die Landeskirche aufbringen, doch auch die Evangelische Kirchengemeinde Einbeck muss sich engagieren, vor allem bei der Sanierung des Innenraumes.

Mit einer Versteigerung im Internet möchte Alexander Kloss ein neues Zuhause für das Modell finden. Unter dem Motto „David hilft Goliath“ hofft er in Anlehnung an das biblische Ereignis auf ein positives Auktions-Ergebnis. Dr. Elke Heege übernimmt aus dem Kulturetat den Transport zu dem künftigen Besitzer im Umkreis von 50 Kilometern. Ulrich Hoppe sichert zu, dass der Erlös der Versteigerung komplett in die Erhaltung der Marktkirche investiert wird. Für eine spätere Aufstellung im öffentlichen Raum zeigen sich Heege, Kloss und Hoppe offen – wenn der Platz passt und das Modell ausreichend gegen Witterung und Vandalismus geschützt ist.

Die Auktion findet bei Facebook auf der Seite David.Hilft.Goliath statt. In der Zeit vom 7. Juli bis zum 20. Juli 2020 können dort ernsthafte Interessensbekundungen mit Angabe des Gebotes öffentlich für alle Interessierten einsehbar abgegeben werden. Wer keinen Facebook-Zugang besitzt, kann alternativ eine E-Mail mit seinem Gebot und den künftigen Plänen für das Modell auch an info@alexanderkloss.de senden. Im Anschluss entscheidet neben dem Höchstgebot auch, was der oder die Höchstbietende mit dem Modell in der Zukunft plant. „Sowohl Stadtarchivarin als auch die Marktkirchengemeinde werden in die Entscheidung eng eingebunden“, verspricht Alexander Kloss. Das Modell ist bis zum Ende der Versteigerung auf dem Gelände von La Casa am Köppenweg zu den üblichen Öffnungszeiten auch zu besichtigen. Alexander Kloss dankt in diesem Zusammenhang dem Besitzer Klaus Veit für dessen Bereitschaft, das Modell übergangsweise auf seinem Grundstück am Köppenweg einzulagern.

Alexander Kloss, Ulrich Hoppe, Bernd Rose (v.l.). Foto: Frank Bertram

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