Aufregend, beeindruckend und interessant – so haben die vier Sternsingerinnen der katholischen St. Josef-Gemeinde mit ihren zwei Begleitpersonen die Fahrt nach Berlin zum Sternsinger-Empfang des Bundeskanzlers empfunden. Insgesamt mehr als 100 Heilige Drei Könige aus allen 27 Bistümern in Deutschland waren dabei, die Einbecker vertraten das Bistum Hildesheim. Für die Einbecker Gruppe war es „eine große Ehre und eine Überraschung, nach 1998 erneut dabei sein zu dürfen“, wie Begleiter und Organisator Daniel Weiß im Anschluss sagte. Denn vor fast 30 Jahren hatte die Josefsgemeinde schon einmal das Glück, damals noch in Bonn und Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Sternsinger-Empfang dabei zu sein.
Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramts, hieß in Vertretung von Bundeskanzler Friedrich Merz die Sternsingerinnen und Sternsinger in Berlin willkommen und fand viele lobende Worte für die engagierten Kinder und Jugendlichen. Der Bundeskanzler war wegen eines wichtigen politischen Termins in Paris kurzfristig verhindert, ließ von seinem Vertreter aber wertschätzende Grüße ausrichten. Frei, der „acht oder neun Jahre selber Sternsinger“ in seiner Jugend war, machte gleich mehrfach deutlich, wie sehr er das Engagement der Jugendlichen schätzt, die sich an der Aktion Dreikönigssingen beteiligen. „Ganz herzlichen Dank dafür, dass Ihr diesen Dienst tut für andere Kinder auf der Welt und natürlich auch für die Menschen in Euren Pfarreien, die sich freuen, wenn um den Dreikönigstag die Sternsinger vorbei kommen und die Häuser segnen.“
An einer Schultafel stellten Sternsinger aus Lüdenscheid das diesjährige Aktionsthema „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ vor. Am Beispiel von Tazim und Nour, zwei ehemals arbeitende Kinder aus Bangladesch, machten die Sternsinger deutlich: „Ein Ausweg aus der Kinderarbeit ist die Schule. Denn wenn Kinder zur Schule gehen, können sie später einen guten Beruf erlernen, um ihre Familie zu ernähren. Und dann können irgendwann auch ihre Kinder zur Schule gehen.“ Sternsingerinnen aus Aufenau (Bistum Fulda) trugen den Segen vor, schrieben zum Abschluss den Segen „20 * C + M + B + 26 – Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus im Jahr 2026“ im Kanzleramt an. Seit 1984 bringen Sternsinger jedes Jahr ihren Segen ins Bundeskanzleramt.
Die Einbecker Sternsinger-Gruppe war bereits am Vortag nach Berlin angereist. Nach dem Sicherheitscheck am Eingang zum Bundeskanzleramt hatten alle über 100 Sternsingerinnen und Sternsinger noch genügend Zeit für ein gemeinsames Mittagessen, das im Kanzleramt bereits vorbereitet war, bevor sich alle dort vor Ort umziehen konnten zu dem Empfang. Der dauerte am Ende rund 45 Minuten, berichtete Begleiter und Organisator Daniel Weiß, und natürlich seien alle ein wenig enttäuscht gewesen, als sie bereits auf der Anreise erfahren hatten, dass der Bundeskanzler nicht persönlich beim Empfang dabei sein werde, sondern dieser durch Kanzleramtsminister Thorsten Frei vertreten wurde. Doch der habe echtes Interesse deutlich gezeigt, freute sich Weiß, und das sei bei den Jugendlichen sehr gut angekommen. „Es war für uns alle ein unvergesslicher Moment, auch als Gemeinschaft“, sagte Daniel Weiß. Dabei sei der Austausch zwischen den einzelnen Sternsinger-Gruppen ebenfalls positiv gewesen, man habe viel erfahren, wie andere Gemeinden das Sternsingen organisieren und beispielsweise auch, wie dort die Jugendlichen eingekleidet seien. Nach dem Empfang habe es noch einige wenige Interviews gegeben, das Medieninteresse sei aber wohl geringer gewesen, als wenn der Kanzler persönlich da gewesen wäre, sagte Weiß. Nach einer kurzen Sightseeing-Tour durch Berlin zum Reichstag und Brandenburger Tor ging es für die Einbecker Sternsinger-Gruppe dann wieder nach Hause.


