Fünf Veranstaltungen des Göttinger Literaturherbst finden in Einbeck statt

(c) Foto: Frank Bertram

Rund 80 Veranstaltungen, 30 Spielorte und mehr als zehn Tage Veranstaltungen zwischen dem 18. Oktober und dem 2. November: Der diesjährige, mittlerweile 34. Göttinger Literaturherbst bietet Gegenwartsliteratur und Autoren: pointiert, politisch und poetisch. So viel Literatur passt nicht in eine Stadt allein – darum kommt der Göttinger Literaturherbst wieder in die Region. Und er ist in diesem Herbst mit fünf Abenden wieder stark in Einbeck präsent, die Bandbreite reicht von Harry Rowohlt bis zum Virologen Hendrik Streeck. Start des Vorverkaufs ist der 14. August. Tickets und Informationen sowie das On-Air-Ticket, mit dem sich ein Großteil der Veranstaltungen bis Ende November bequem streamen lässt, gibt es unter www.literaturherbst.com und bei allen an Reservix angeschlossenen Vorverkaufsstellen.

Im PS-Speicher in Einbeck sprechen Florian Illies und Navid Kermani am Sonnabend, 25. Oktober, um 18 Uhr über das Exil der Familie Mann in Sanary und die Zerbrechlichkeit von Heimat und Hoffnung. Im glühend heißen Sommer 1933 spitzt sich die politische Lage in Europa zu – und die der Familie Mann: Thomas und Katia Mann und ihre sechs Kinder sind nach abenteuerlichen Fluchten im Juni in dem verträumten Hafenort Sanary am französischen Mittelmeer gestrandet. Und jetzt wissen sie alle weder vor noch zurück. Gemeinsam mit Navid Kermani, Thomas-Mann-Preisträger und unverzichtbarer Zeitdiagnostiker, taucht Florian Illies ein in diese Lebensphase Thomas Manns, die geprägt ist vom Verlust der Heimat, Angst, Trotz und Leidenschaft.

In der Tangobrücke Einbeck erinnert Alexander Solloch am Montag, 27. Oktober, um 19 Uhr an den großartigen Übersetzer, Autor und Freigeist Harry Rowohlt. Rowohlt war so vieles: Übersetzer, Briefsteller, Sprachartist, Obdachloser in der Lindenstraße – und ein Vorlesekünstler, der das Format der Lesung neu erfand mit seinem Stimmenspiel, dem bissigen Humor und der „kultivierten Knurrigkeit“. Ein schillernder Künstler, der sich frei machte – und nicht als Nachfolger den Rowohlt-Verlag übernahm. Alexander Solloch hat seine Faszination für diesen besonderen Mann in eine Biografie (Harry Rowohlt: Ein freies Leben, Kein & Aber 2025) gegossen, wühlte sich durch Nachlass und Erinnerungen von Weggefährten. Ein Abend auf den Spuren eines unvergesslichen Mannes, der nicht nur gut war, sondern „der Beste“ (Spiegel).

Gleich mehrere literarische Höhepunkte versammelt das Biotechnikum KWS in Einbeck: Virologe Hendrik Streeck beschreibt am Donnerstag, 30. Oktober, um 19 Uhr hoffentlich fiktive Einblicke in die Abgründe eines medizinischen Spitzeninstituts, Lena Schätte erzählt am Freitag, 31. Oktober, um 19 Uhr von familiären Brüchen und am Sonnabend, 1. November, um 19 Uhr bringt Jasna Fritzi Bauer gemeinsam mit Katharina Zorn die ungewöhnliche Lebensgeschichte von Else Lasker-Schüler auf die Bühne.

Im wahren Thriller namens Corona-Pandemie war Hendrik Streeck eine der Hauptfiguren. Jetzt hat er einen eigenen geschrieben und stellt „Das Institut“ (Piper 2025) ins Zentrum: Eine Wissenschaftlerin, die dort forschte, wird tot aufgefunden. Offenbar hat sie ein Virus so manipuliert, dass es als tödliche Waffe eingesetzt werden kann. Und plötzlich finden sich ein Detective und ein Virologe im Zentrum eines Wettstreits zwischen Forschung, US-Militär und einem chinesischen Pharmakonzern wieder. Ein Blick in die hoffentlich fiktiven Abgründe der Wissenschaft – ganz passend – im Biotechnikum KWS in Einbeck, investigativ moderiert von Dorian Baganz, Redakteur bei „der Freitag“.

Das mit dem Alkohol, das war eigentlich bei allen Männern in der Familie so, sagt die Mutter. Und auch Motte trinkt längst mehr, als ihr guttut, schläft im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Lena Schätte hat mit „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ (S. Fischer 2025) einen im Ton unsentimentalen Roman über das Aufwachsen mit einem alkoholkranken Vater geschrieben, der aufs Tiefste berührt. Es ist eine bewegende Auseinandersetzung mit den Dynamiken einer Familie, in der es wenig Geld und viel Alkohol gibt. Über diesen harten wie zarten Roman spricht Schätte mit Niels Penke.

Lyrik, Performance, Film – da sind sie längst gemeinsam unterwegs. Jetzt folgt der erste Roman. Jasna Fritzi Bauer, auch bekannt als Bremer Tatortkommissarin, und Katharina Zorn blicken mit „Else“ (KiWi 2025) in die 60er und erzählen die Geschichte eines stillen Ausbruchs. Zeitgemäß abgestellt in der Hausfrauenrolle sucht Else das Abenteuer – und macht heimlich einen Taxischein. Die Fahrten durch die Frankfurter Nächte bringen ihr unverhoffte Begegnungen und führen sie am Ende an die Côte d‘Azur. Diese außergewöhnliche Emanzipationsgeschichte bringt das Künstlerinnenduo auf die Bühne, szenisch gelesen und mit multimedialen Elementen.