Acht Studierende der Hochschule Ostfalia (Standort Wolfenbüttel) im Studiengang Smart-City-Engineering und Klimamangement von Prof. Jan Büchsenschuß haben für das „Denk!Mal-Musterhaus“ in der Knochenhauerstraße 2/4 in Einbeck so genannte Raumwirkungskonzepte erstellt. Für ihre Vorschläge haben sie die Fachwerkhäuser besucht, sich intensiv mit der raumgestalterischen Wirkung der historischen Gebäude befasst und innovative Anregungen zur künftigen Nutzung und Innenraum-Gestaltung entwickelt. „Das sind so viele tolle Ideen, die sie uns schenken“, dankte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei der Eröffnung einer Tafel-Ausstellung der acht Konzepte, die bis Ende der Sommerferien (Mitte August) im Neuen Rathaus im 1. Obergeschoss angesehen werden können.
Die denkmalgeschützten Gebäude, in denen sich bisher lediglich eine neue Fahrradgarage befindet, sollen laut Stadt Einbeck bei der Sanierung mit modernster Technik ausgestattet werden: Geplant sind unter anderem Solarpanele, smarte Sensorik, eine Wärmepumpe mit Eisspeicher und innovative Energiezäune. Diese Maßnahmen sollen nicht nur den Energieverbrauch optimieren, sondern auch als Modellprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung für andere Fachwerkgebäude dienen, lautet der Anspruch dieses Smart-City-Teilprojektes. Die Studierenden untersuchen, wie sich die geplanten baulichen Maßnahmen auf die Raumwirkung auswirken und welche Faktoren – von Größe und Form bis hin zu Farbe und Beleuchtung – eine optimale Nutzung ermöglichen. Die eigentlichen Bauarbeiten indes verzögern sich weiter. Bauen-Fachbereichsleiter Jens Ellinghaus rechnet „frühestens im Herbst“ mit dem eigentlich schon im Juni geplanten Start der sichtbaren Arbeiten. Die Tragwerksplanung erweise sich als „sehr komplex“, sagte er: Aktuell erfolgen die statischen Berechnungen für den Dachstuhl und die erforderliche Lastabtragung durch die Geschosse in den Baugrund. Die Ausschreibung der Zimmermann- und Dachdeckerarbeiten sowie der Gebäudetechnik werden parallel vorbereitet.
Konzentriert sind die unterschiedlichen Ansätze der Ostfalia-Studierenden wesentlich auf das 1. Obergeschoss und eine Nutzung für Wohnzwecke im weitesten Sinne. Dabei hatten die Studierenden die Aufgabe, den Bedarf zu ermitteln und zu berücksichtigen, außerdem die Umgebung der Gebäude. Die meisten Entwürfe sehen eine Erschließung der Obergeschosse über den Innenhof und eine dort ohnehin geplante Treppe vor, einige integrieren einen Fahrstuhl am Gebäude, um dieses auch im Obergeschoss barrierefrei zu erreichen.
Von einem Generationen-Wohnhaus über verschiedene Varianten von Azubis-Wohngemeinschaften bis zu Schlafboxen für preiswerte Übernachtungen reicht die Palette der Überlegungen, die natürlich grundsätzlich auch auf andere leer stehende Fachwerkhäuser übertragen werden können. Viele Ideen gehen davon aus, Materialien zu erhalten, um zum einen nachhaltig zu bauen und zum anderen auch den historischen Charme zu erhalten. „Dieses Projekt bietet unseren Studierenden eine einmalige Gelegenheit, ihr Wissen praxisnah anzuwenden und reale Herausforderungen der Gebäudeplanung zu meistern“, freut sich Prof. Jan Büchsenschuß. „So sammeln sie bereits während des Studiums wertvolle Erfahrungen, die später auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.“ Es sei schwieriger, aber heute auch wichtiger, sich mit dem vorhandenen Bestand auseinanderzusetzen anstatt am Stadtrand neu planen.

