Zusammen im Gleichgewicht: Einbecker „Balancebank“ eingeweiht

(c) Foto: Frank Bertram

Allein das Gleichgewicht zu finden ist schwierig – es geht nur gemeinsam: Im „Garten der Generationen“ ist jetzt die „Balancebank“ des Künstlers Martin Binder eingeweiht worden. Die 4,50 Meter lange „Balancebank“ ist weit mehr als ein gewöhnliches Sitzmöbel. Denn statt auf herkömmlichen Beinen ruht die Bank auf einem mittig angeordneten Rohr, ähnlich einer Wippe. Nur wenn mindestens zwei Menschen Platz nehmen und gemeinsam die richtige Balance finden, kann die Sitzfläche in eine horizontale Position gebracht werden, erläutert der in Berlin lebende Künstler, der aus Einbeck stammt. Die „Balancebank“ aus Eichenholz und Stahl ist das neueste Projekt eines engagierten Kreises, der bereits mehrere Kunstwerke im öffentlichen Raum realisiert und privat finanziert hat: am PS-Speicher, an der Marktkirche und im Stukenbrokpark.

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Zusammen im Gleichgewicht (v.l.): Künstler Martin Binder, Vize-Bürgermeisterin Petra Bohnsack und Organisator Günter Dietzek. Foto: Frank Bertram

„Wie bei einer Wippe bringt uns die Balancebank dazu, gemeinsam zu balancieren, so wie wir auch unterschiedliche Interessen in unserer Stadtgesellschaft auf Augenhöhe miteinander aushandeln und verbinden müssen“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Einbeck, Petra Bohnsack, bei der Einweihung. „In einer Zeit, in der sich Interessen und Meinungen oft gegenüber stehen, lädt uns dieses interaktive Sitzobjekt dazu ein, aktiv zuzuhören, flexibel zu reagieren und Schritt für Schritt zum Ausgleich zu finden.“ Die „Balancebank“ werde zu einem Ort der kreativen Auseinandersetzung, „an dem Vielfalt nicht auseinander driftet, sondern harmonisch verbunden wird“, sagte Bohnsack. Der symbolische Wert reiche über den „Garten der Generationen“ hinaus. Die Bank erinnere daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt und lebendige Kultur aus dem bewussten In-Kontakt-treten entstehe – „wenn wir bereit sind, auch selbst neue Perspektiven einzunehmen“. „Möge die Balancebank als Symbol für das gemeinsame Austarieren und Miteinander uns alle inspirieren und an die Bedeutung von Zusammenhalt und Kreativität in unserer Stadt erinnern“, sagte Bohnsack.

Die stellvertretende Bürgermeisterin dankte dem Projektteam aus Günter Dietzek, Hella Rabbethge-Schiller, Margret Parpart und Michael Büchting. Der Künstler habe mit der „Balancebank“ ein innovatives und interaktives Element mit besonderer Symbolik und Bedeutung geschaffen. Welcher Platz könne besser geeignet sein als der Bereich des Stiftsgartens mit seinen altersübergreifenden, vielfältigen Spiel- und Sportgeräten, freut sich die stellvertretende Bürgermeisterin über den idealen Ort.

Petra Bohnsack betonte, dass es sich bei dem eingeweihten Kunstwerk nicht um ein Projekt der Stadt, sondern um eine private Spende handelt. Dafür gebühre Dank der AKB-Stiftung und der Walter und Waltraud Schmalzried-Stiftung in der Bürgerstiftung Einbeck. Dieses Engangement unterstreiche die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum und die Wertschätzung für das Schaffen eines Künstlers aus der Region.

Martin Binder stammt aus der Region, der heute in Berlin lebende Künstler ist Experte für Kunst im öffentlichen Raum und Public Design. Diese Interessen ziehen sich als roter Faden durch seine interdisziplinäre Studienlaufbahn in Kunst-im-Kontext und Industriedesign. Er ist häufig Teil von Kunst-am-Bau-Wettbewerben, sowohl als teilnehmender Künstler als auch als Fachjuror. Seit 2023 ist Binder Teil der Fachkommission für Kunst im öffentlichen Raum. „Die Benutzung der Bank fördert Kommunikation und Kollaboration“, erklärt Martin Binder. „Je nach Körpergewicht und Anzahl der Personen muss die richtige Position auf der Sitzfläche gefunden werden, um eine Balance zu erreichen.“ Dabei thematisiere das Kunstwerk spielerisch das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz im öffentlichen Raum, sagt Binder.

Technisch ausgeklügelt ist die Lagerung der 4,50 Meter langen Bank, für die Martin Binder mit dem Sondermaschinenbauer Henning Müller aus Deensen zusammengearbeitet hat: Ein innerer Ring ist fest mit dem Fundament verbunden, während sich ein äußerer Ring auf stoßdämpfenden Rollen bewegt. Die Füße klemmen kann sich niemand, denn die „Balancebank“ bewegt sich nicht bis ganz zum Boden.

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Petra Bohnsack, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Einbeck, weihte die „Balancebank“ offiziell ein. Foto: Frank Bertram
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4,50 Meter lang, 83 Zentimeter hoch und 55 Zentimeter tief aus Eichenholz und Stahl – das ist die „Balancebank“ in Einbeck. Foto: Frank Bertram