Aus Dankbarkeit für seine umsichtige und mutige Tat zum Wohl des Fleckens Greene und seiner Menschen am Ende des Zweiten Weltkrieges hat Hauptmann Friedrich Hauschild ein Ehrengrab auf dem Friedhof erhalten. Er widersetzte sich dem Befehl, den Ort gegen die anrückenden amerikanischen Truppen zu verteidigen, und wurde deshalb am 8. April 1945 von SS-Angehörigen erschossen. Der Flecken Greene erinnerte 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges an Friedrich Hauschild bei einer Gedenkveranstaltung. Ortsbürgermeister Frank-Dieter Pfefferkorn: „Gerade in der heutigen Zeit, die uns den Krieg wieder nach Europa gebracht hat, gilt es Menschen besonders zu würdigen, deren Zivilcourage Menschenleben gerettet hat, ohne an ihre Person zu denken.“
(Aktualisiert 08.04.2025, 20:59 Uhr)

Die Gedenkveranstaltung begann mit einer Andacht auf dem Friedhof in der vollbesetzten Kapelle. Pastor Sören Neuber-Tüngler erinnerte an das mutige Handeln von Friedrich Hauschild am 8. April 1945, eine Entscheidung zum Guten für die Menschen im Flecken Greene, für die Hauschild mit seinem Leben bezahlt habe. Wichtig sei, dass es Menschen gebe, die etwas tun – und wenn diese sich dann von der Liebe leiten ließen, dann sei Gott auch mit ihnen.
Noch vor zehn Jahren, bei der Gedenkfeier am 8. April, hätte niemand daran gedacht, dass heute wieder über massive Aufrüstung, Wehrpflicht und Zivilverteidigung gesprochen werde, sagte Greenes Ortsbürgermeister Frank-Dieter Pfefferkorn. „Können oder müssen wir aus der Geschichte lernen?“, fragte er. „Vielfach habe ich heute das Gefühl, dass die Vergangenheit ausgeblendet wird, man will keine Parallelen sehen und schon gar keine Konsequenzen ziehen.“ Doch wenn das Gedenken an Friedrich Hauschild nicht zum Ritual werden solle, müsse man aus der Geschichte seine Schlüsse ziehen. „Er hat sich für die Menschen entschieden, wissend, dass er damit sein Leben riskiert. Er hat die Verantwortung angenommen für die Bevölkerung, für den Ort. Jeder von uns mag sich fragen, wie er gehandelt hätte.“ Jeder möge sich heute umsehen, appellierte Pfefferkorn, wieder werde versucht, einfache Lösungen zu verkaufen, wieder würden Menschen ausgegrenzt, werde zu Hass aufgerufen. „Treten wir dem jeder an seinem Platz entgegen, erkennen wir wie wichtig und wertvoll unsere Demokratie ist“, sagte der Ortsbürgermeister. „Stellen wir uns allen Versuchen entgegen, Probleme mit Gewalt zu lösen.“ Wenn Hauschilds Tod am 8. April 1945 einen Sinn gehabt haben solle, dann sei dies die Dankbarkeit, dass er das Leben der anderen über sein eigenes gestellt hat und dass er damit die eindringliche Botschaft mitgebe: Nie wieder!
Am Ehrengrab von Hauptmann Friedrich Hauschild erinnerte Thomas Krüger, Vorsitzender des Heimatvereins Greene, an einen bislang meist unberücksichtigten Teil der Kriegsgeschehnisse in Greene und Kreiensen: die Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges. Auch Hauptmann Hauschild habe lange warten müssen, bis ihm mit dem Straßennamen ein weitere Ehrung außerhalb des Friedhofs erfahre. 105 Greener Soldaten haben den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Und in Greene/Kreiensen habe es vor 80 Jahren rund 800 Zwangsarbeiter gegeben, bei einer Einwohnerzahl von 2000 für Kreiensen und 1400 für Greene eine große Zahl, die nicht unbemerkt habe bleiben können. Noch immer sei vieles unerforscht. Bei aller Trauer für die Gefallenen und Vermissten aus Greene gehörten zu den Opfern des Krieges auch die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die den Krieg mitten unter der Bevölkerung erlitten hätten. „Ihnen gebührt ein bleibender Platz in unserem Gedenken“, sagte Krüger. Vier Zwangsarbeiter, die 1945 starben, seien direkt vor der Friedhofskapelle beigesetzt worden, die Gräber werden bis heute gepflegt.
Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung wurde im Neubaugebiet Löberfeld das Schild für die Hauptmann-Hauschild-Straße enthüllt. Die neue Stichstraße entsteht dort gerade. Auch ein erläuterndes Zusatzschild wird es noch geben, das zur Person von Friedrich Hauschild Auskunft gibt.

Wer war der Mann und was hat Friedrich Hauschild für Greene getan?

Friedrich Hauschild, der aus Erkrath/Iserlohn im Rheinland stammte, wurde nach einer schweren Verwundung in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges von der Ostfront nach Greene versetzt. Der Gefechtsstand des damals 46-jährigen Hauptmanns war die damalige Burggaststätte. Seinem Kommando waren fünf Flakgeschütze mit ihrer Besatzung unterstellt. Am Morgen des 8. April 1945, das war ein Sonntag, fuhr Hauschild nach Einbeck und traf gegen 11 Uhr den Chefarzt des dortigen Lazaretts, Dr. August Beulshausen, um mit ihm die Lage zu beraten. Bei diesem Gespräch war wahrscheinlich auch der Unteroffizier Heinrich Keim dabei, der sich wenig später maßgeblich für die friedlichen Übergabe der Stadt Einbeck eingesetzt hat. Keim soll von seiner Tätigkeit beim Generalkommando berichtet haben, dass Orte mit Lazaretten nicht verteidigt werden sollten. Hauschild fuhr dann nach Greene zurück, offenbar bestärkt in seinem Vorhaben, Greene kampflos zu übergeben; denn in der Greener Schule war ein Lazarett eingerichtet worden, in dem auch englische Soldaten lagen. Er besprach sich mit dem Greener Bürgermeister Otto Haupt und weiteren Greener Bürgern, und sie beschlossen: Greene soll kampflos übergeben werden. Friedrich Hauschild dürfte klar gewesen sein, dass er gegen die geltende allgemeine Befehlslage handelte und sich somit tödlicher Gefahr aussetzte. Hauschild ließ dennoch die Geschütze sprengen, entließ seine Männer und sorgte dafür, dass das bereits für eine Sprengung vorbereitete Eisenbahnviadukt nicht zerstört wurde. Dann ging er auf dem Bahndamm in Richtung Ippensen. Kurz vor dem Tunnel wurde er von einem SS-Trupp der berüchtigten „Kampfgruppe Görbig“ eingeholt, festgenommen, nach Greene zurückgebracht und in der Neuen Reihe an eine Eiche geführt. Hier wurde Friedrich Hauschild ohne ein Kriegsgerichtsverfahren mit der Pistole erschossen, angeblich von einem Leutnant. Die Tat soll von Anwohnern teilweise beobachtet worden sein. Die Polizei soll nach dem Krieg versucht haben, den Todesschützen zu ermitteln. Zu Ergebnissen kam es jedoch nicht.
Noch am 8. April gegen 18 Uhr rückten amerikanische Truppen kampflos in Greene ein. Friedrich Hauschild wurde auf dem Gemeindefriedhof in Greene beigesetzt. Der damalige Pastor Hans Ehlers berichtet in seiner Chronik, dass er die Leiche nachträglich am 13. April 1945 eingesegnet habe. Der Grabstein trägt die Inschrift: „Dem Retter Hauptmann Friedrich Hauschild, geb. 11.4.1898, gef. 8.4.1945, Marktflecken Greene“.
Quelle: Heimatverein Greene




