„Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung, Hass und Hetze haben in unserer Stadt keinen Platz“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek beim Gedenken an den 9. November 1938 am jüdischen Mahnmal in der Bismarckstraße. „Wir dürfen den öffentlichen Raum nicht den lauten, hasserfüllten Populisten, den Frustrierten und Gleichgültigen überlassen“, appellierte sie. Wer das tue, setze die Demokratie und die freiheitlich-demokratische Grundordnung aufs Spiel. Zur Erinnerung an den 9. November 1938, an dem auch die Einbecker Synagoge angezündet und zerstört wurde, versammelten sich zahlreiche Menschen bei einer Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Synagoge in der Bismarckstraße. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek legte im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Einbeck und der französischen Partnerstadt Thiais einen Kranz nieder.

Das Erinnern an die Vergangenheit sei keine passive Handlung, sondern eine aktive Verpflichtung, die Zukunft zu gestalten, zitierte die Bürgermeisterin die Kulturwissenschaftlerin und Friedenspreisträgerin Aleida Assmann: „Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft.“ Michalek forderte sich bewusst zu machen, dass die heutige freiheitlich-demokratische Grundordnung keine Selbstverständlichkeit sei, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Anstrengungen vieler mutiger Menschen. Die Demokratie müsse ständig verteidigt und weiterentwickelt werden, sie sei fragil. Das zu erkennen, sei in der heutigen Zeit, in der antidemokratische Kräfte versuchten, die Gesellschaft zu spalten und Hass zu säen, immer wichtiger. „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen und zulassen, dass Humanität und Menschenrechte missachtet werden und totalitäres Machtstreben gepaar mit geopolitischen Ansprüchen immer wieder aufs Neue zu Tod, Trauer und Schmerz führt“, sagte die Bürgermeisterin.
Demokratie sei kein Konsumgut, sie erfordere aktiven Einsatz, sagte Dr. Sabine Michalek. „Es liegt an uns allen, für die Werte der Demokratie einzutreten und sie zu verteidigen. Das bedeutet, dass wir bereit sein müssen, miteinander um die besten Lösungen zu ringen, Kompromisse zu schließen und diese auch auszuhalten.“ Die Bürgermeisterin rief dazu auch, gemeinsam aktiv für die Demokratie zu arbeiten. „Wir wollen nicht zuwarten, bis es zu spät ist, sondern stetig hinsehen und nicht wegsehen, wenn Menschen bedroht sind und Erregung geschürt wird.“
Der 9. November 1938 sei nicht Höhepunkt, sondern lediglich „Vorbote und Auftakt des Unfassbaren“ gewesen, das mit dem Menschheitsverbrechen des Holocaust noch folgen sollte. Ein solcher Schlag in das Gesicht von Humanität, Zivilisation und Anstand dürfe sich nicht wiederholen. „Wir gedenken gegen das Vergessen“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Denn es ist unsere Pflicht, die Pflicht jedes Einzelnen, die historischen Ereignisse nicht zu verdrängen, sondern sie wieder und wieder in eine Beziehung zur Gegenwart zu setzen.“
Was in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Einbeck passierte, steht hier.


Nach der Kranzniederlegung konnten die Teilnehmer einer jüdischen Tradition folgend zum Zeichen des Gedenkens Kieselsteine auf das Mahnmal legen. In einem Kooperationsbündnis aus Stadt Einbeck, „Einbeck ist bunt“, dem Landkreis Northeim mit seiner „Partnerschaft für Demokratie“ und den Einbecker Lichtspielfreunden fand im Anschluss an die Gedenkveranstaltung an der Bismarckstraße im Neu-Deli-Kino ein Filmnachmittag statt. Vor dem gezeigten Film „Résistance“ über den französischen Pantomimen Marcel Marceau, der im Zweiten Weltkrieg half, jüdische Kinder in die Schweiz zu bringen, um sie vor Rassengesetzen und KZ zu bewahren, berichtete der ehemalige Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen, Dr. Dietmar Sedlaczek, über Kinder und Jugendliche im Fokus der NS-Verfolgung. Vergessen ist keine Option, lautete das Motto des Tages.

