Wie können Kinder und Jugendliche auf die sich rasant wandelnde Zukunft vorbereitet werden? Welche Kompetenzen sind entscheidend, damit jedes Kind mit dem Vertrauen und den Fähigkeiten ausgestattet ist, die Herausforderungen anzugehen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich eine Bildungskonferenz der Südniedersachsenstiftung. Rund 180 Teilnehmer aus Schulen, Hochschulen, Politik, Verwaltung und Schulsozialarbeit haben in der Multifunktionshalle in Einbeck bei zwei Vorträgen viele Impulse für die Schule der Zukunft erhalten. Außerdem gab es ausführlich Gelegenheit, untereinander Kontakte zu knüpfen und auszubauen sowie Informationen über Projekte verschiedener Institutionen zu erhalten.

„Die Digitalisierung schreitet voran, der Klimawandel fordert uns heraus und gesellschaftliche Umbrüche verlangen von uns, eine neue Sichtweise auf Zukunftskompetenzen zu entwickeln und die jungen Menschen zu befähigen, den Herausforderungen zu begegnen“, begrüßte die Leiterin der Bildungsregion Südniedersachsen, Julia Koblitz, die Konferenzteilnehmer. Die Bildungsregion in der Südniedersachsenstiftung koordiniert als staatlich-kommunale Verantwortungsgemeinschaft für Bildung der Landkreise Göttingen und Northeim sowie die Stadt Göttingen gemeinsam mit dem Land Niedersachsen regionale Bildungsprozesse.
Pädagogik-Professor Dr. Olaf-Axel Burow (Kassel) präsentierte den Zuhörern mehrere Handlungsoptionen für eine Schule der Zukunft. Der gebürtige Berliner beschäftigt sich seit 50 Jahren mit Lehren und Lernen, startete einst an einer Brennpunktschule in Neukölln. „Veränderungen kommen nur von unten“, sagte der 73-Jährige. Er appellierte deshalb an die Teilnehmenden der Konferenz, ihre Netzwerke zu pflegen und zu stärken, Anregungen aus anderen Schulen aufzunehmen. Die Politik habe nur wenig Einfluss auf notwendige Veränderungen, Minister seien meist von zu vielen Bedenkenträgern umstellt, sagte der emeritierte Professor. Wenn aber Schulen selbst Ideen hätten und diese umsetzten, sich untereinander stärkten, dann komme auch das notwendige Geld für eine zukunftsfeste Schule. In Zeiten der Multikrisen (Klimawandel, Pandemie, Kriege) sei es Aufgabe der Lehrkräfte, bei den Schülern „Talente und Neigungen zu erkennen und sie nicht auf ein Curriculum zu trimmen“, sagte Burow. Lehrplan und Faktenwissen seien heute einfach abrufbar, mit Hilfe Künstlicher Intelligenz auch als Fragen stellender Tutor nutzbar. Wichtigere Aufgabe von Lehrern sei das Persönliche, seien Haltung, Werte und Handlungsfähigkeiten zu vermitteln. Burow plädierte dafür, das Schüler „selbstgewählte Herausforderungen in eigenem Tempo“ bewältigen und damit die Möglichkeit zum „Rückspulknopf“ erhalten sollten.
Bildungsautorin Jamila Tressel steuerte in ihrem Impulsbeitrag Praxisbeispiele zur „Bildung im Aufbruch: Ideen zur Bildungstransformation“ bei. Die 26-Jährige berichtete von der Schule, an der sie selbst vor wenigen Jahren ihr Abitur gemacht hat, der Evangelischen Schule Berlin-Mitte, die sich mittlerweile im Bildungsaufbruch befinde. Habe sie einst noch eine schlechte Note bekommen, als sie im Jahrgang übergreifenden Unterricht einer jüngeren Schülerin geholfen habe, gebe es heute dort einen Paradigmenwechsel. In einer immer komplexer werdenen Welt müsse angesichts globaler Krisen die Resilienz bei den Jugendlichen gestärkt werden, forderte Tressel. „Die Bildung hat eine Schlüsselrolle in der gesellschaftlichen Transformation.“ Lehrer müssten zu Coaches für die Schüler werden, mit dem Herzen bilden. In Schulen muss sich nach ihren Worten eine Wertschätzungskultur etablieren. Als Beispiel, das bereits in Kindertagesstätten einsetzbar sei, nannte die Bildungsautorin den „Frei Tag“. Das Prinzip des regelmäßigen Projekttages wirke gegen das Hoffnungsdefizit, das die Jugendlichen in heutiger Zeit mit ihren vielen negativen Nachrichten hätten.

