Ideen und Lösungsansätze für die Mobilität der Zukunft haben im Mittelpunkt des ersten so genannten Promptathons der Metropolregion und der Stadt Einbeck gestanden. 20 kreative, junge wie ältere Köpfe hatten im Forum des PS-Speichers knapp 24 Stunden Zeit, um bei dem Wettbewerb in vier Gruppen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ihre Mobilität-Konzepte für morgen zu entwickeln. Die Teilnehmenden haben dabei Anweisungen („Prompts“) in ein KI-System eingegeben und mit den erhaltenen Antworten die nächsten Fragen für ihre Mobilität-Lösungen gestellt. In der Innenstadt fand zeitgleich erstmals der Smart-City-Day statt. Eine erste positive Bilanz des Tages zog Koordinatorin Rebecca Spaunhorst: Das Angebot von Vorträgen und Workshops sei intensiv genutzt worden, besonders die Themen der Künstlichen Intelligenz mit Programmen wie ChatGPT oder Generierung von Bildern mit KI seien gut nachgefragt gewesen, sagte sie.

Während des gesamten Tages immer dicht umlagert auf dem Marktplatz war der kleine Roboter „Pepper“, der nicht müde wurde und stets gleichbleibend freundlich mit den Besuchern Memory spielte oder tanzte. Überraschenderweise weniger nachgefragt waren Techniksprechstunden, bei denen Experten individuelle Fragen rund um die Nutzung von Smartphones, Tablets und Apps beantwortet haben. Zum Abschluss des Smart-City-Day hatte eine Fachbereiche-Runde im Alten Rathaus die Digitalisierung und Zukunftsfragen der Stadtverwaltung in den Blick genommen. Im Online-Rathaus der städtischen Website sind rund 100 Services schon digital zu erledigen, teilweise voll digital, also inklusive digitaler Identifizierung. Am häufigsten nachgefragt werde der Mängel-Melder, sagte Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder. Aber auch Urkunden aus dem Standesamt würde heute schon häufig digital angefordert. In Kürze solle auch die Wohnsitzummeldung digital erledigt werden können, kündigte Schröder an. Was zur deutlichen Entlastung im Rathaus führen werde, immerhin gebe es zwischen 1000 und 1500 Fälle pro Jahr. Sensoren in Mülleimern, die melden sollen, ob die Tonne voll ist, seien eine schöne Sache, räumte Susanne Eichler vom Kommunalen Bauhof der Stadt Einbeck ein. Jedoch werde leider der Müll oftmals neben die Abfallbehälter geworfen, das könne der Sensor dann nicht erfassen und der Bauhof müsse trotzdem manuell kontrollieren. Bereits weit bei der Digitalisierung ist nach Angaben von Ulrike Lauerwald, Stabsstellenleiterin Public and Business Relations (PBR), der Bereich Tourismus und Veranstaltungskalender. Herzstück sei dabei eine gut gepflegte Datenbank, die dann über verschiedene Ausspielkanäle wie Website, App oder Infostele die Informationen veröffentlichen könne und auch niedersachsenweit bereitstelle.

Beim Mobilität-Promptathon im Forum des PS-Speicher gefragt waren unter anderem Umsetzungspotenzial und Nachhaltigkeit, aber auch eine gelungene technische Ausführung. Wiebke Osigus, niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und regionale Entwicklung, appellierte an die Teilnehmenden, sich untereinander zu vernetzen und Schulter an Schulter aufzustellen. Die Freiheit des Einzelnen dürfe gerade im ländlichen Raum nicht dazu führen, dass die Menschen bei der Mobilität abgehängt werden. Jede Teilnehmer-Gruppe des Promptathons hatte am Ende fünf Minuten Zeit, um mit einer Präsentation eine Jury zu überzeugen. Diese bestand aus Dr. Florian Schröder (Stadt Einbeck), Nicol Wiens (Firma Teqyard), Fabian Laaß (Landkreis Peine), Rebecca Spaunhorst (Smart City Einbeck) und Christoph Meineke (Geschäftsführer Metropolregion). Mit der HAWK und der Ostfalia haben zwei Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit Fachwissen in KI und Prompting als Mentoren unterstützt, ebenso die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und Regio-Bus der Deutschen Bahn.
Den ersten Platz belegte das Team „Bahn Buddy“ mit Anita Kirck, Ellen Steiner, Emanuel Scura, Paulo Ricardo Beckhauser de Araujo und Tobias Riedel aus Wolfsburg. Es erhält 1000 Euro für eine optimierte Reiseplanung mit Unterstützung von KI. Auf komplexe Daten soll einfacher zugegriffen werden können, um die Zugverbindungen zu meiden, die häufig ausfallen. Die Jury hat besonders beeindruckt, dass die Fünf ihr eigenes Zuspätkommen mit der Bahn zum Promptathon sofort in einen Lösungsansatz ungewandelt haben.
Mit einer Verbesserung der Elektro-Ladestationen auf Landes- und Bundesstraßen in Niedersachsen hat sich das Team „Gaslighted“ auf den zweiten Platz gebracht, was mit 500 Euro prämiert wird. Das Team hat vorhandene Daten des Tankstellennetzes, Standorte von Umspannwerken und bereits vorhandenen Ladestationen übereinandergelegt. Für eine flächendeckende Versorgung seien in Niedersachsen 50 bis 100 Ladepunkte an Bundesstraßen notwendig, möglichst sollten diese direkt von Photovoltaik- oder Windenergie-Anlagen auf benachbarten Äckern gespeist werden.
Den dritten Platz und 250 Euro teilen sich die Teams „Let’s mooove!“ und „Smart Sharing Mobility“. Die einen möchten das Thema Mobilität für junge Menschen über so genannte Memes sichtbarer gestalten, die anderen streben eine nachhaltige, klimaresiliente und generationenübergreifende Mobilität im ländlichen Raum an.

Bei einem „Kamingespräch“ (vor einem auf der Leinwand flackernden Kaminfeuer) hat der Bestseller-Autor und Youtube-Produzent Christoph Krachten (61) den Teilnehmenden am Abend gedankliche Impulse und spannende Thesen mit auf den weiteren Promptathon-Weg gegeben – und auch selbst mitgepromptet. In Zukunft werde es weniger Individualverkehr geben, die Mobilität müsse klimaneutral werden. Die Ladeinfrastruktur sei nicht mehr das Problem, sondern die Akzeptanz in der Bevölkerung. Viele Menschen müssten ihren Horizont in Richtung Elektromobilität öffnen, sagte Krachten. Eine Transformation einer etablierten Technik sei immer ein Problem. Der Verbrennermotor werde in Deutschland (wie auch beispielsweise in Italien) als Kulturgut gesehen, deswegen gebe es hier auch die „German Reichweitenangst“, sagte der Experte für E-Mobilität über die Herausforderungen und Chancen der E-Mobilität. Am 8. Oktober stelle Tesla seine Robo-Taxis vor, berichtete Christoph Krachten. Diese technische Lösung selbstfahrender Autos werde auch für den ländlichen Raum die Schwierigkeiten der Mobilität lösen, ist er überzeugt. Die technische Entwicklung sei dabei aktuell so rasant, dass beim autonomen Fahren die Grenze, bei der ein Fahrer noch eingreifen muss, immer weiter nach hinten verschoben werde, erklärte Christoph Krachten. Heute seien das circa 900 Kilometer, bei der nächsten Version sicher nur noch alle 1800 Kilometer, die Entwicklungen passierten wie bei allen KI-Fortschritten exponentiell. Der „glühende Anhänger der Elektromobilität“, wie sich Krachten selbst bezeichnete, bekannte sich auch als Fan der technischen Lösungen von Tesla. Tragisch sei allerdings, dass diese Firma einer so toxischen Person wie Elon Musk gehöre.



