Thomas Döhrel ist seit 30 Jahren Richter am Amtsgericht seiner Heimatstadt Einbeck

(c) Foto: Frank Bertram

Er hat es immer als Vorteil gesehen, in Einbeck zu leben. In seiner Heimatstadt. In der Stadt, in der er Recht spricht als Richter. Und das seit inzwischen 30 Jahren am Amtsgericht. Von Menschen wie Thomas Döhrel gibt es in der Justiz in Niedersachsen nicht viele, die beständig ihr gesamtes Berufsleben an einem einzigen Gericht bleiben. Den heute 63-Jährigen hat es nie anderswohin gezogen. In Amtsgerichten sei man dicht dran an den Menschen, begründet Döhrel. „Ich interessiere mich für die Menschen und wie sie leben, auch außerhalb des Gerichtssaals“, sagt der Richter. „Ich bin auch kein Großstadtmensch.“ Da fügte es sich gut, dass der Mann, der in Einbeck geboren wurde und hier 1980 an der Goetheschule sein Abitur abgelegt hat, 1994 am Amtsgericht Einbeck eine Planstelle bekam. 2006 wurde Thomas Döhrel dann Direktor des Amtsgerichts.

Von Beginn an kümmert sich Richter Thomas Döhrel vor allem um Familiensachen bei Gericht. Da geht es beispielsweise um Unterhaltsfragen, um das Kindeswohl – und um Ehescheidungen. Er habe das mal hochgerechnet, rund 2500 Scheidungen kämen in den 30 Berufsjahren als Richter zusammen, erzählt Döhrel. Bei etwa 300 Verfahren pro Jahr komme er auf inzwischen 9000 Verfahren in seiner Berufslaufbahn. Bis zur Pensionierung wird er die 10.000-er Marke vermutlich nicht mehr ganz erreichen.

Eigentlich habe er sich bei seinem Start in Einbeck gerne um Strafsachen kümmern wollen. Doch die Position war damals mittelfristig am Amtsgericht Einbeck besetzt, da winkte das Familienrecht und das Jugendstrafrecht. Döhrel griff zu und hat es bis heute nicht bereut. Als Familienrichter habe er 1994 auch schon einen eigenen Computer auf dem Schreibtisch gehabt, um beispielsweise komplexe Unterhaltsberechnung durchführen zu können. Strafrichter hatten damals längst noch keinen eigenen Rechner bei Gericht. Eine Situation, die heute kaum noch vorstellbar ist. Auf den letzten Metern seines Berufslebens werde er auch noch die Umstellung auf die elektronische Akte mitmachen. „Ich freue mich darauf“, sagt der 63-Jährige. Die E-Akte werde wesentlich zum Abbau von Bürokratie in der Justiz beitragen, ist er sicher.

Zwei Wegmarken, die prägend im Laufe seines Berufslebens gewesen seien, nennt Thomas Döhrel. Die Reform des Familienrechts 2009 habe deutlich zur Befriedung in Familienstreitigkeiten beigetragen, habe Kompromisse erleichtert. Seit gut fünf Jahren bemerke er jedoch in seinem Arbeitsalltag, dass nicht mehr so gerne und einfach Kompromisse gesucht würden. Es gebe wieder mehr Menschen, die gerne Recht haben wollen, sagt Döhrel. Die Menschen seien streitbarer geworden, das sei spürbar. Den Richter als Respektsperson akzeptierten die meisten aber unverändert.

Eigentlich wollte Thomas Döhrel gar kein Jurist werden. Nach Abitur und Zivildienst hat der christlich engagierte Einbecker ein Lehramt-Studium in Göttingen begonnen. „Nach vier Wochen habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist“, erzählt Döhrel. Die folgenden Monate habe er zur Orientierung genutzt und zum Wintersemester 1982 mit Jura die Materie seines Lebens gefunden. Nach erstem Staatsexamen Ende 1987, dem dreijährigen Referendariat und dem zweiten Staatsexamen im Frühjahr 1991 folgten die Stationen als Richter auf Probe am Landgericht Hildesheim, Amtsgericht Alfeld, Amtsgericht Lehrte, Amtsgericht Osterode, Amtsgericht Northeim und bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim. 1994 dann die Planstelle am Amtsgericht Einbeck, gleichzeitig begann die Familienphase, erzählt der mit einer Ärztin verheiratete Vater zweier inzwischen erwachsener Töchter, beide auch Juristinnen. In seinem Elternhaus habe er mit seiner jungen Familie eine Wohnung beziehen können, da war die Entscheidung für Einbeck endgültig gefallen.

(c) Foto: Frank Bertram
Familienrichter seit 30 Jahren in Einbeck: der gebürtige Einbecker Thomas Döhrel (63). Foto: Frank Bertram