Gildentag des Handwerks: Appelle, demokratische Strukturen gegen Rechtsextremismus zu stärken

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Appelle, die demokratischen Strukturen gegen den zunehmenden Rechtsextremismus zu stärken, standen im Mittelpunkt der Rednerinnen und Redner des diesjährigen Gildentages der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck mit rund 260 Teilnehmern in der Stadthalle Northeim. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel rief in ihrem Grußwort dazu auf, gemeinsam zu diskutieren, nach dem richtigen Weg zu suchen und Lösungen zu finden, die Demokratie mit Weltoffenheit und Toleranz zu erhalten. Bad Gandersheims Bürgermeisterin Franziska Schwarz, die in diesem Jahr für alle Bürgermeister im Landkreis sprach, war dankbar, dass sich mittlerweile auch immer mehr Stimmen aus der Wirtschaft gegen Rechtsextremismus aussprechen.  

Als er vor fünf Jahren Kreishandwerksmeister geworden sei, habe er sich vorgenommen so wenig wie möglich politisch zu agieren, sagte Ulrich Schonlau. In den heutigen Zeiten sei das ein frommer Wunsch. Den Populisten dürfe man nicht hinterherlaufen, jeder müsse an seiner Stelle dagegen halten und sich einsetzen, damit alle auch weiterhin in einem demokratischen Rechtsstaat leben können, in dem jeder demonstrieren, seine Meinung frei äußern und leben und arbeiten dürfe, wie er das wolle, sagte er.

„Der Politik mit der Brechstange sind die Leute überdrüssig“, kritisierte Schonlau die Ampel-Regierung in Berlin, die ihre Politik nicht ausreichend und ideologiefrei erkläre, die die Bevölkerung nicht mitnehme, Beschlüsse „raushaue“ und wenig später „nach- oder zurückbessert“. Der Kreishandwerksmeister zollte dem demokratischen, gut organisierten Protest der Landwirte Respekt, das Handwerk habe bislang noch wie immer auf Netzwerkarbeit gesetzt, bei rot-grün-gelb kämen die Appelle aber nicht an.

Das Handwerk steuere auf die größte Krise der vergangenen Jahrzehnte zu. Denn es seien nicht allein einige Gewerke von Fachkräfte- und Nachwuchsmangel und von Bürokratie betroffen, es sei das gesamte vielfältige Handwerk, das Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen benötige. Die Handwerksleistung dürfe durch steigendes Lohnkostenniveau nicht zu teuer werden, müsse bezahlbar bleiben, der Abstand zwischen Arbeitslohn und Transferleistung stimme nicht mehr, der Anreiz zu arbeiten sei zu gering.

„Das Handwerk ist die erste Adresse anzupacken für die Zukunft“, erklärte der Präsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, Delfino Roman. Die Meister von morgen sollten daher endlich von den Bürden des Bürokratismus befreit werden, auch sei eine echte Gleichstellung zwischen akademischer und betrieblicher Ausbildung überfällig. Während beispielsweise die Studierenden ein kostenfreies Deutschlandticket nutzen könnten, sei das für Handwerk-Azubis bislang nicht möglich, die Lehrlinge und Gesellen müssten doch aber auch von einem zum anderen Ort kommen, forderte der Handwerkskammer-Präsident hier eine Änderung.

Der Blick auf jeden einzelnen, auf seine Kompetenzen und Persönlichkeit, eine das Handwerk und die Kirche, sagte Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder in ihrem Festvortrag über den gemeinsamen Auftrag in Zeiten von Fachkräftemangel und Integrationsleistung. Berufe seien nicht nur ein Job, sondern Berufung, und das gelte nicht allein für Pastoren. Bei der Restaurierung des Klosters Loccum habe sie auf der Baustelle dort erfahren, wie im Handwerk die Konflikte der Gesellschaft ausgetragen würden. Da habe es die rumänischen Arbeitskräfte von Subunternehmern ebenso gegeben wie den jungen Afrikaner, der ein Handwerk erlernt habe. Ohne das Handwerk gäbe es keine Kirchen, sagte die Regionalbischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Durch die jahrhundertealte Geschichte habe das Handwerk ein besonderes Gespür für Traditionen und deren Bedeutungen in der Gegenwart.

Die Überzeugungen und Werte des Handwerks könne die Kirche gut verstehen. Es sei die im Handwerk hochgehaltene Ehrbarkeit, die das Gegenteil vom schamlosen Suchen des eigenen Vorteils sei. Ehrbarkeit bedeute Fairness auf dem Markt, die Einhaltung von Wettbewerbsregeln. Jesus sei ja bekanntlich Handwerker gewesen, habe das Zimmerer-Handwerk von seinem Vater Josef gelernt, sagte Adelheid Ruck-Schröder. „Seine grundlegende Figur des christlichen Glaubens war ein Handwerker auf Montage.“ Dieser Handwerker Jesus habe integrativ gewirkt wie kein anderer, habe die Botschaft des Evangeliums, dass alle Menschen angenommen seien und in Frieden zusammenleben können, an alle Menschen gerichtet – ohne Unterschied, ohne auf die Herkunft oder Prägung zu schauen. „Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst“, sagte die Regionalbischöfin. „Gott segne das ehrbare Handwerk.“

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Wolfgang Hermann (l.) erhielt den Ehrenamtspreis 2024 von Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau. Foto: Frank Bertram

Die diesjährige, zum vierten Mal verliehene Ehrenamtsurkunde der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck überreichte Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau an Wolfgang Hermann. Der 80-Jährige war Obermeister der Kfz-Innung, Kreishandwerksmeister, Vizepräsident der Handwerkskammer, Landtagsabgeordneter, Vorsitzender des Fußballclubs Eintracht Northeim. „Chapeau, ich bin begeistert, wieviel Zeit Du für die Gesellschaft eingesetzt hast“, dankte Schonlau.

Beim Gildentag wurden insgesamt 54 Handwerker für langjährige Betriebszugehörigkeit und Meisterjubiläen ausgezeichnet. An der Spitze stand Maler- und Lackierermeister Dieter Mikat aus Einbeck, der sein 65-jähriges Meisterjubiläum feiern konnte.

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Der Einbecker Malermeister Dieter Mikat wurde für sein 65-jähriges Meisterjubiläum geehrt. Foto: Frank Bertram

Im Leistungswettbewerb des Handwerks wurden fünf Nachwuchs-Handwerker aus dem Landkreis Northeim im Bezirk der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen ausgezeichnet: Merle Neumann, Hardegsen, Ausbildungsbetrieb Flemming Dental Mitte GmbH (Zahntechnikerin); Sebastian Hanschke, Einbeck, Ausbildungsbetrieb Gerlach-Metallbau GmbH & Co. KG, Einbeck (Metallbauer); Leon Bohnsack, Bad Gandersheim, Ausbildungsbetrieb Joh. Mattern Kälte-Klima GmbH, Northeim (Mechatroniker für Kältetechnik); Maurice Senal Okay, Northeim, Ausbildungsbetrieb Friseurmeisterin Manuela Lassig, Einbeck (Friseur); Mirko Sander, Kalefeld, Ausbildungsbetrieb Opitz Packaging Systems GmbH, Northeim (Feinwerkmechaniker).

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Auszeichnung im Leistungswettbewerb des Handwerks. Foto: Frank Bertram

Ehrung für 25-jährige Betriebszugehörigkeit: Lutz Ahlborn, Langenholtensen, im Betrieb Tischlerei Jahre GmbH, Northeim. Dirk Aßmann, Dassel im Betrieb Autohaus Siebrecht GmbH, Uslar. Ulli Bode, Göttingen, im Betrieb Autohaus Hermann GmbH, Northeim. Jakob Egel, Bad Gandersheim, im Betrieb Autohaus Hermann GmbH, Northeim. Gerald Genz, Einbeck, im Betrieb Sauter & Winkelvoss Bau GmbH & Co. KG, Einbeck. Ines Hellmiß, Stöckheim, im Betrieb Tischlerei Hellmiß GmbH, Stöckheim. Niels Huschebeck, Einbeck, im Betrieb Autohaus Hermann GmbH, Northeim. Thomas Kopp, Seulingen, im Betrieb Schonlau GmbH & Co. KG, Hardegsen. Juri Kunz, Einbeck, im Betrieb Autohaus Kerkau GmbH, Einbeck. Markus Leonhardt, Markoldendorf, im Betrieb Maler- und Lackierermeister Detlef Lohse, Dassel. Hussein Noureddine, Uslar, im Betrieb Autohaus Siebrecht GmbH, Uslar. Jörg Oberthür, Dingelstädt, im Betrieb Horst Medecke GmbH, Northeim. Stanislaus Patzer, Einbeck, im Betrieb Autohaus Kerkau GmbH, Einbeck. Nadine Raith, Nörten-Hardenberg, im Betrieb Automobilgruppe Harz-Leine GmbH, Autohaus Raith, Nörten-Hardenberg. Bodo Sieron, Einbeck, im Betrieb Martin Mattern GmbH, Einbeck. Jens Varges, Göttingen, im Betrieb HMN Gewerbe- und Industriebau GmbH & Co. KG, Northeim. Nelly Wittler, Hardegsen, im Betrieb Friseurmeisterin Lydia Vach, Moringen. Horst Wolleck, Northeim, im Betrieb Bock Industriebedachungen GmbH, Moringen.

Ehrung für 40-jährige Betriebszugehörigkeit: Andreas Böcker, Moringen, im Betrieb Autohaus Siebrecht, Uslar. Renate Kniejski, Fredelsloh, im Betrieb Tuchtfeld’s Brot- und Kuchenspezialitäten GmbH & Co. KG, Northeim. Peter Müller, Echte, im Betrieb Heinrich König, Inh. Heinz-Otto König e. K., Echte. Reiner Jahre, Höckelheim, im Betrieb Tischlerei Jahre GmbH, Northeim.

Meister-Ehrungen

25-jährige Meisterjubiläen: Metallbauermeister Günter Brandt, Kammerborn, Metallbauermeister Carsten Gobrecht, Allershausen, Installateur- und Heizungsbauermeister Rüdiger Junge, Langenholtensen, Maler- und Lackierermeister Andreas Krystiniak-Gegenmantel, Göttingen, Kraftfahrzeugtechnikermeister Thorsten Mendel, Northeim, Maurer- und Betonbauermeister Wolfram Müller, Kalefeld, Friseurmeisterin Daniela Neubauer, Dassel, Fleischermeister Dirk Petersen, Uslar, Kraftfahrzeugmechanikermeister Lars Schön, Sudheim, Installateur- und Heizungsbauermeister Christian Schramm, Harriehausen, Elektrotechnikermeister Rainer Schwenke, Parensen, Tischlermeister Siegfried Sosinski, Spanbeck, Installateur- und Heizungsbauermeister Dirk Stapel, Einbeck, Klempnermeister Lukas Tamme, Einbeck, Kraftfahrzeugtechnikermeister Markus Tenschert, Northeim, Bäckermeister Michael Wagner, Moringen.

40-jährige Meisterjubiläen: Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister Uwe Achtermann, Moringen, Dachdeckermeister Karl-Friedrich Engelhardt, Renshausen, Kraftfahrzeugelektrikermeister Michael Krieter, Katlenburg-Lindau, Tischlermeister Armin Sander, Hillerse.

50-jährige Meisterjubiläen: Gas- und Wasserinstallateurmeister Dieter Detlof, Einbeck, Klempnermeister Werner Drewes, Einbeck, Bäckermeister Heinz Linnemann, Gillersheim, Kraftfahrzeugmechanikermeister Hans-Joachim Raith, Nörten-Hardenberg, Kraftfahrzeugmechanikermeister Dieter Schmidt, Berka, Bäckermeister Dirk Tuchtfeld, Northeim, Bäckermeister Eckhard Warnecke, Amelsen.

60-jährige Meisterjubiläen: Friseurmeisterin Marianne Duntemann, Adelebsen, Tischlermeister Edgar Fried, Salzderhelden, Kraftfahrzeugmechanikermeister Helmut Lange, Einbeck, Fleischermeister Lothar Neidhardt, Katlenburg-Lindau, Dachdeckermeister Bernd Nienstedt, Northeim, Fleischermeister Hans-Dieter Nixdorf, Moringen, Sattlermeister Bruno Pflug, Northeim, Gas- und Wasserinstallateurmeister Klaus-Adolf Röttcher, Langenholtensen.

65-jähriges Meisterjubiläum: Maler- und Lackierermeister Dieter Mikat, Einbeck.

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