Bilanz der Gartenfestspiele für die Region: Landesgartenschau in Bad Gandersheim ist beendet

(c) Foto: Frank Bertram

Der rote Bristol-Doppeldeckerbus kann wieder zurück nach Einbeck fahren, ins Depot des PS-Speichers. Die siebte niedersächsische Landesgartenschau, die im vergangenen halben Jahr in Bad Gandersheim stattgefunden hat, ist seit Sonntag beendet. Dort hatte der markante rote Bus unweit des Südeingangs auf der so genannten steinernen Insel und der Seebühne für die Bier-Oldtimer-Fachwerkstadt Einbeck geworben. Rund 425.000 Besucher haben das gesehen, so viele Menschen registrierte die Laga an ihren Drehkreuzen an den Eingängen zu den Garten-Fest-Spielen. Für Ministerpräsident Stephan Weil war am Sonntag seine Teilnahme am Abschiedsfest der dritte Besuch der Laga in Bad Gandersheim.

Laga-Geschäftsführerin Ursula Hobbie zog bei der Abschlussveranstaltung ein positives Resümee, dankte alle Beteiligten, den vielen Ehrenamtlichen und verwies auf das „Wir-Gefühl“, das in den zurückliegenden 185 Tagen entstanden sei. Sie appellierte an die Bürger, sich weiterhin zu engagieren: „Gärten bauen heißt Geschichten und Geschichte erleben.“ Sie schloss ihren Dank mit den Worten: „Die Laga in Bad Gandersheim geht zu Ende, aber niemals war mehr Anfang in Bad Gandersheim als jetzt!“

Gemeinsam das Unmögliche möglich zu machen – das sei wahrhaftig gelungen, sagte Bad Gandersheims Bürgermeisterin Franziska Schwarz. Die Laga habe es nicht leicht gehabt, immer wieder habe es in den vergangenen sechs Jahren der Vorbereitungen Kritik und Wirbel gegeben. Umso dankbarer sei sie, dass sich die Bevölkerung in hohem Maße mit dem Projekt identifiziert habe. Schwarz verwies in ihrer Rede auf die vielen baulichen Errungenschaften, die der Stadt und damit der Region dauerhaft erhalten bleiben. „Südniedersachsen ist schön und Bad Gandersheim ist nun einmal mehr eine Reise wert“, sagte Schwarz. Die stellvertretende Landrätin Gudrun Borchers ergänzte: „Die Laga war ein Magnet für Besucher trotz des Wetters. Es profitierte nicht nur die Stadt Bad Gandersheim, sondern der gesamte Landkreis. Gerade der Pavillon der Regionen hat als Schaufenster der Region gezeigt, was wir zu bieten haben.“

Ministerpräsident und Schirmherr Stephan Weil erinnerte daran, dass Bad Gandersheim die kleinste Stadt mit der kleinsten Verwaltung gewesen sei, die jemals eine Landesgartenschau ausgerichtet habe. Als ehemaliger Kämmerer von Hannover während der Weltausstellung Expo 2000 könne er mit jedem Bürgermeister mitfühlen. Bei allen auch berichtigten Zweifeln sei klar, dass die Entscheidung für die Laga in Bad Gandersheim richtig und ein deutliches Zeichen für das Selbstbewusstsein der kleinen Gemeinde gewesen sei. Zwei Personen hob er besonders hervor: „Franziska, ich hatte den Eindruck, Du wirst immer weniger, aber Du hast Dich durchgebissen“, sagte er an die Bürgermeisterin gewandt, die viel Kritik hat einstecken müssen. Geschäftsführerin Ursula Hobbie habe ihren Job in Bad Gandersheim übernommen, als das Schiff zu kentern drohte und habe es in ruhigere Fahrwasser geführt.

Den Staffelstab übergab Bürgermeisterin Franziska Schwarz gemeinsam mit Geschäftsführerin Ursula Hobbie an den Samtgemeindebürgermeister von Bad Nenndorf, Mike Schmidt. Sie überreichten u.a. einen „Erste-Hilfe-Koffer“, den dieser schmunzelnd mit den Worten kommentierte: „Den werden wir sicher brauchen, weil wir uns bereits jetzt die ein oder andere blutige Nase geholt haben.“

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Ministerpräsident Stephan Weil mit Bürgermeisterin Franziska Schwarz und Geschäftsführerin Ursula Hobbie bei der Abschlussfeier. Foto: Frank Bertram
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“Pan” unterhielt die Besucher der Abschiedsfeier. Foto: Frank Bertram

Der Rückbau der temporären Anlagen startet in den nächsten Tagen unverzüglich, teilweise war er schon am Sonntag zu beobachten. In mehreren Etappen werden die unterschiedlichen Geländeteile wieder zugänglich gemacht, berichtet die Laga-Durchführungsgesellschaft. Geplant sei, dass Ende des Jahres alle Arbeiten abgeschlossen sind, so dass die Bad Gandersheimer und ihre Gäste aller Voraussicht nach zu Weihnachten wieder ohne Einschränkungen um die Osterbergseen spazieren können. Für Bad Gandersheim hat die Laga neben dem erhofften touristischen Schub dauerhaft vor allem bauliche Verbesserungen gebracht: “Ohne die Laga wäre das Meiste nicht realisierbar gewesen“, betonte Bürgermeisterin Franziska Schwarz immer wieder. Der gesamte Kurbereich wurde durch neue Wege, Stege und Brücken aufgewertet und durch eine Staudenband mit der Stadt barrierefrei verbunden. Die seit Jahren geplante innerörtliche Umgehungsstraße (Rampe B 64) konnte mit der Laga realisiert werden. Das prägende Element des Areals, das Wasser der Flüsse Gande und Eterna sowie der drei Osterbergseen, wurde neu in Szene gesetzt. Aufwendige Steganlagen und Antrittsflächen an den Ufern machen das Wasser erlebbar. Und schließlich konnte das seit 2018 geschlossene Freibad als Sole-Naturfreibad wiedereröffnet werden. „Es ist ein attraktives, nachhaltiges Freizeit- und Erholungsgebiet für die Stadt und den Landkreis entstanden, das in seiner Vielfalt gerade auch dem Kurbetrieb zu Gute kommt“, betonte Schwarz in ihrer Laga-Bilanz.

Bilanz der Laga in Zahlen

Laut offizieller Mitteilung der Veranstalter zählte die Landesgartenschau Bad Gandersheim am Ende rund 425.000 Besuche. Damit zeigte sich Geschäftsführerin Ursula Hobbie hochzufrieden trotz der ursprünglich kalkulierten 450.000 Besuche. „Wir haben sparsam gewirtschaftet, so dass wir im Gesamtergebnis annähernd die schwarze Null erreichen werden. Für die Stadt und den Landkreis entsteht also kein finanzielles Defizit“, erklärte sie. Das sagte auch Landrätin Astrid Klinkert-Kittel am Freitag im Kreistag: Durch die annähernd schwarze Null sei kein finanzielles Defizit zu erwarten. Und das, obwohl das Wetter nicht immer mitgespielt hat: „Einstellige Temperaturen in den ersten Laga-Wochen sowie die regenreiche Phase Ende Juli und Anfang August haben einige Besucher abgeschreckt“, erläuterte Hobbie.

Die Besucherzahl setzt sich im Wesentlichen zusammen aus den Tagesgästen (70,2 Prozent), den Gelände-Besuchen der Kurdauerkarten-Inhaber (2 Prozent) sowie den Dauerkarten-Inhabern. Und gerade die sorgten bei den Laga-Machern für eine handfeste Überraschung: In der kleinsten Kommune Niedersachsens, die jemals eine Laga ausrichtete, war mit 2.500 verkauften Dauerkarten kalkuliert worden. Ursula Hobbie: “Tatsächlich waren es am Ende 11.500, die für rund 25 Prozent aller Besuche stehen. Das zeigt den riesigen Rückhalt in der gesamten Region. Die Menschen zwischen Einbeck, Seesen, Alfeld und Northeim haben die LAGA zu ihrer gemacht.” Erfreulich hoch sei auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit über 23 Prozent gewesen. Hobbie führt das auf das familienfreundliche Konzept zurück: „Drei Spielplätze, zwei Boulderfelsen, vor allem aber das neue Sole-Naturfreibad mit dem großen Wasserspielplatz und viele Mitmach-Veranstaltungen haben junge Familien angelockt“, erklärte Hobbie.

Über 1800 Veranstaltungen fanden an den 185 Tagen statt, davon 205 auf der Sparkassen-Seebühne sowie 200 auf der Parkbühne. Dazu zählten Konzerte aller Art, Lesungen, Theater- und Tanzaufführungen, Talks ebenso wie Fachführungen durch die Themengärten, Fotoaktionen und die Andachten und Gottesdienste der Kirchen. 200 Mal verdrehten die acht Slackline Artisten aus fünf Nationen mit ihren spektakulären Shows in 20 Meter Höhe über dem Osterbergsee den Laga-Besuchern die Köpfe. Das alles organisiert und durchgeführt von Veranstaltungsmanagerin Rebecca Siemoneit-Barum und ihrem Team; die Einbeckerin kann sich nun wieder ganz auf ihren Geschäftsführerposten bei der Einbeck Marketing GmbH konzentrieren.

Der “Pavillon der Regionen” wurde zum Schaufenster für Tourismusverbände, Weltkulturerbestätten und insbesondere die Landkreise Northeim und Göttingen. Hier stellten sich insgesamt 36 Aussteller mit 214 Partnerorganisationen vor. „Die gesamte Region konnte sich bei den Gästen der Landesgartenschau präsentieren“, resümierte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Ich hoffe, dass viele der Besucherinnen und Besucher dadurch neugierig geworden sind und wiederkommen, um unsere Region weiter zu erkunden, denn wir haben hier viel zu bieten.“

Das von der Jugendstiftung des Landkreises Northeim unterstützte “Grüne Klassenzimmer” erreichte mit rund 360 Veranstaltungen über 6360 Teilnehmer. Damit war die Laga in diesem Sommer der größte außerschulische Lernort Niedersachsens, schreibt die Laga in ihrer Bilanz-Pressemitteilung. „Dass alle Veranstaltungen im Eintrittspreis enthalten waren, hat die Besucher begeistert“, ergänzte Prokurist Kai Schönberger.

Die Bad Gandersheimer haben sich mit ihrer Willkommenskultur als gute Gastgeber gezeigt: 108 Ehrenamtliche leisteten in 1602 Einsätzen beeindruckende 5613 Arbeitsstunden, vom Empfangsteam auf dem Parkplatz bis zum Gießtrupp. Die 40 zertifizierten Kulturlotsen haben in 625 Führungen insgesamt 14.375 Besucher über das weitläufige Gelände gelotst und damit für echte Wohlfühlatmosphäre auf dem Gelände gesorgt.

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Symbolisch wurde der Staffelstab, hier ein Erste-Hilfe-Koffer, von Bad Gandersheim an die Stadt der nächsten Laga 2026, Bad Nenndorf, überreicht. Foto: Frank Bertram
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Bürgermeisterin Franziska Schwarz (r.) dankte Geschäftsführerin Ursula Hobbie, Prokurist Kai Schönberger und Eventmanagerin Rebecca Siemoneit-Barum (v.l.) mit ihrem Team für anstrengende 185 Tage Laga. Foto: Frank Bertram
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Mehr als 600 Besucher wollten am letzten Abend der Laga dabei sein – bei kühlen Temperaturen. Foto: Frank Bertram