Jahrhunderte altes, wertvolles Eichenholz, aus dem jetzt Wein- oder Cognac-Fässer werden

Foto: Frank Bertram

Als die fast 300 Jahre alte Eiche gepflanzt wurde, war der Dichter Gotthold Ephraim Lessing Bibliothekar am Hof des Herzogs von Wolfenbüttel. Jetzt wurde der im Wald des Ritterguts Altenrode südlich von Wolfenbüttel gewachsene 4,60 Meter lange Stamm mit einem Durchmesser von einem Meter zur „Braut“ der diesjährigen Wertholzsubmission auf dem Holzlagerplatz im Einbecker Ortsteil Vogelbeck: Fast 10.000 Euro erbrachte dieser Eichenstamm, ein Spitzenpreis mit 2837 Euro pro Festmeter.

„Waldbesitzer und Förster sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, sagte der zuständige Forstamtsleiter Michael Degenhardt. Die Preise vor allem bei Eiche und Esche klettern seit Jahren. Mit 975 Euro pro Festmeter bei Eiche und 286 Euro bei Esche wurden in diesem Jahr neue Spitzenwerte erzielt. Zum Vergleich: Vor drei Jahren erbrachte Eiche noch 554 Euro, Esche 216 Euro pro Festmeter. Neben Eiche und Esche wurden Douglasien-, Kirschen-, Robinien- und Nussbaumstämme angeboten. „Ein buntes Sortiment, so wie der Name der Submission schon sagt“, freut sich Degenhardt. Auch die mittlerweile 32. Northeimer Buntlaub- und Eichenwertholzsubmission wurde wieder gemeinsam vom Forstamt Südniedersachsen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Holzlagerplatz Vogelbeck GbR und den Niedersächsischen Landesforsten ausgerichtet.

Auf dem Vogelbecker Holzlagerplatz der Privatwaldbesitzer liegen in diesem Jahr 769 Festmeter (Fm) Wertholz (das sind gut 400 Stämme), auf die geboten werden konnte, fast so viel wie im Vorjahr (804 Fm). Ein Festmeter ist ein Kubikmeter Holz ohne Rinde.

„Eine Wertholzsubmission bietet den Waldbesitzern die Möglichkeit, ihre über Generationen gepflegten Werthölzer einem größeren nationalen und internationalen Kundenkreis anzubieten“, berichtet Degenhardt. Es gehöre viel Vertrauen der Forstbesitzer dazu. Wie bei dem Eichenstamm aus dem Raum Wolfenbüttel hätten schließlich viele Generationen darauf hingearbeitet, die Bäume über viele Jahrzehnte gepflegt und wachsen lassen, bis sie nun sorgsam gefällt wurden. Degenhardt: „Jetzt haben wir die Ehre, es zu veräußern.“ Die Erlöse seien für viele Waldbesitzer dringend nötig, um die Schäden im Wald und den klimabedingten Waldumbau finanzieren zu können. Nur ein sehr kleiner Teil der Stämme sei als Wertholz geeignet, machte der Forstamtsleiter deutlich.

Der teuerste Eichenstamm geht an einen Furnierholz-Hersteller in Süddeutschland. Möbel oder auch Sportgeräte wie Ruder werden aus diesem Holz entstehen. Bei einem anderen Eichenstamm ist die Bestimmung auch noch nicht ganz klar, wenn auch die Richtung: Der 9,80 Meter lange Baum geht nach Frankreich in die Region Les Gonds, das liegt nördlich von Bordeaux und westlich von Cognac. „Zehn Bieter wollten diesen Stamm, haben zwischen 329 und 1027 Euro geboten“, erzählt Michael Degenhardt.

Die Bäume wurden ab Oktober gefällt und per Lkw auf den Wertholzplatz nach Vogelbeck gefahren. Die Präsentation der Stämme ist sehr aufwändig: Jeder Stamm wird auf Unterlagehölzern so gelagert, dass er von den Holzkäufern von allen Seiten begutachtet werden kann. In dieser Woche wurden die in verschlossenen Umschlägen abgegebenen Gebote im Forstamt Südniedersachsen geöffnet und ausgewertet: 33 Kunden aus Deutschland, Frankreich und Dänemark haben insgesamt 2530 Gebote abgegeben. Bis auf zwölf Festmeter konnte alles Holz zugeschlagen werden.

Der Holzlagerplatz Vogelbeck gehört mit einer Fläche von rund sechs Hektar und einer Lagerkapazität von etwa 3000 Festmetern Holz zu den größten Wertholzplätzen Deutschlands. Eigentümer ist die Holzlagerplatz Vogelbeck GbR mit den Gesellschaftern Forstbetriebsgemeinschaft Northeim und Forstbetriebsgemeinschaft Südhannover. Eine Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Waldbesitzern.

Foto: Frank Bertram
An der „Braut“ der Submission, dem teuersten Eichenstamm auf dem Platz in Vogelbeck (v.l.): Forstamtsleiter Michael Degenhardt, Forstbetriebsgemeinschaft-Vorsitzender Hilmar von Petersdorff-Campen, Bezirksförster Dieter Scholz und Holzlagerplatz-Geschäftsführerin Ulrike Säger. Foto: Frank Bertram
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