Die Mitgliederversammlung der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft hat einem Verkauf des 51-Prozent-Anteils des Vereins an der Einbeck Marketing GmbH an die Stadt Einbeck ohne Gegenstimme zugestimmt. Damit ist die neue EIN.Puls GmbH einen wichtigen Schritt näher gekommen, in der zum 1. Januar 2027 die Aufgaben des Stadt- und Standortmarketing, des Tourismus, der Events und der Wirtschaftsförderung unter einem Dach in einer 100-prozentig städtischen GmbH gebündelt werden sollen. Formal haben die Mitglieder des Vereins InitiativGemeinschaft mit ihrem Beschluss den Vorstand beauftragt, alle notwendigen juristischen Schritte für diesen Anteilsverkauf zum Nennwert von 17.500 Euro zu unternehmen. Wenn jetzt der Einbecker Stadtrat am 23. September auch grünes Licht gibt, ist nach schwerer Geburt der Weg endgültig frei. Per Stellenanzeige wird bereits eine neue Geschäftsführung gesucht, erste Bewerbungen sollen schon eingegangen sein, die Bewerbungsfrist endet am 11. September. Auch ein Wirtschaftsförderer und ein Eventmanager sollen zum heutigen Team hinzu kommen. In 40 Jahren in der Werbegemeinschaft und bei Einbeck Marketing habe er viele Veränderungen erlebt, sagte Vorsitzender Christoph Bajohr am Ende der Mitgliederversammlung. Heute gehe er hoffnungsvoll nach Hause.
Mit dem Verkauf der Anteilsmehrheit an der GmbH ende zwar ein aufwändiger, mehrjähriger Diskussionsweg für die InitiativGemeinschaft, in der mit aktuell mehr als 100 Mitgliedern die Interessen des Einzelhandels, der Gastronomie, der Industrie, der Dienstleister und Freiberufler vertreten sind. Der Verein bleibe aber bestehen, „wir wechseln nur den Dienstleister“, formulierte es Vorsitzender Christoph Bajohr. Statt an die Einbeck Marketing GmbH überweise die InitiativGemeinschaft nun an die EIN.Puls GmbH einen Betrag von 50.000 Euro pro Jahr – und adressiere nun an diese neue Adresse die Wünsche der Wirtschaft. „Bleiben Sie bitte alle dabei“, appellierte Bajohr, „stärken Sie die wichtige Position des Vereins“. Der Vorstand wünschte sich, dass möglichst viele den Mehrwert in der neuen Konstruktion erkennen. Bündelung statt Nebeneinander, eine neue Organisation vermindere Schnittstellen und erleichtere abgestimmtes Handeln. Künftig werden sich Mitglieder über Fachbeiräte und eine jährliche Fachkonferenz einbringen können. Auch Sponsoringverträge und Leistungspartnerschaften mit der GmbH für Events oder Maßnahmen der Standortentwicklung mit klar definierten Gegenleistungen soll es geben.
Schatzmeister Stefan Beumer, der gemeinsam mit dem Vorsitzenden Christoph Bajohr zuletzt die Fusionsgespräche geführt hatte, erläuterte den Mitgliedern ausführlich die anstehenden Veränderungen. Es solle keine Frage offen bleiben, hatte sich Bajohr gewünscht, und nach mehreren Nachfragen in der anschließenden Diskussion gab es dann auch keine Wortmeldungen mehr. Die neue EIN.Puls GmbH, die zum 1. Januar 2027 entstehen soll, soll die bisher getrennten Aktivitäten von Einbeck Marketing und der städtischen Bereiche Tourismus und Wirtschaftsförderung in einer leistungsfähigeren Struktur zusammenführen. Übersichtlich dargestellt ist das in einem Organigramm. Diese grundsätzliche Einigung gibt es schon länger, es waren letztlich die Details, die in den vergangenen Monaten noch geklärt werden mussten. Für eine 100 Prozent städtische GmbH-Lösung habe man sich aus Gründen des europäischen Beihilferechts entschieden, erläuterte Beumer. Ansonsten hätte man beispielsweise das Eulenfest europaweit ausschreiben müssen.
Zuletzt war ein Businessplan gefordert worden; diesen hat die Lenkungsgruppe des Stadtrates am 12. August aus mehreren gerechneten Varianten gebilligt. Finanziell soll die Variante mit einem jährlichen Defizit von rund 1,5 Millionen Euro realisiert werden. Gegenüber dem heutigen Budget ist das eine Verschlechterung von rund 200.000 Euro, die von der Stadt Einbeck zu tragen sein wird. Dafür ist auch noch der Beschluss des Stadtrates notwendig. Die empfohlene Variante sei leistungsfähiger als eine reine Fusion, konkreter als eine allgemeine Strukturdebatte. Im Mittelpunkt stehe nicht die Frage, wer ein Defizit ausgleiche, sondern welcher zusätzliche Nutzen für Einbeck entstehe – und wie Teilhaber diesen Nutzen sachorientiert mitgestalten können. Die KWS habe einen projektbezogenen weiteren Zuschuss in Höhe von rund 100.000 Euro pro Jahr zugesagt, sagte Beumer, mit dem auch das Leerstandmanagement zusammengeführt und umgesetzt werden kann, statt drei Dateien soll es nur noch eine geben, mit der gut gearbeitet werden kann. KWS engagiert sich ohnehin bereits mit einem sechsstelligen Betrag beim Stadt- und Standortmarketing.
„Eine Stadt, ein Team, ein Puls, der in uns schlägt“, so sei es zum Namen der EIN.Puls GmbH gekommen, berichtete Stefan Beumer. Der Name der Gesellschaft hebt das gemeinsame Engagement für die Standortentwicklung Einbecks hervor. Der Name steht für einen neuen Start und Leidenschaft für ein attraktives Einbeck, für eine gemeinsame Plattform, auf der Stadt, Wirtschaft und Stadtgesellschaft ihre jeweiligen Beiträge zur Standortentwicklung besser verbinden können. Die Organisationsstruktur sieht vor, dass 100 Prozent der Anteile der EIN.Puls GmbH bei der Stadt Einbeck liegen. Um die so genannte umsatzsteuerliche Organschaft sicherzustellen, ist der neue Geschäftsführer bei der Stadt Einbeck anzustellen. Gesellschafterversammlung ist der Verwaltungsausschuss des Stadtrates. Im Aufsichtsrat soll es fünf stimmberechtigte und drei nicht stimmberechtigte Mitglieder geben, letztere sollen aus der Mitgliedschaft der InitiativGemeinschaft kommen können. Für alle 14,5 Stellen in der GmbH sollen Tarifverträge des öffentlichen Dienstes (TVöD) gelten. Für die personelle Aufstellung ist juristisch eine Mischung aus Gestellung und Überleitung der Mitarbeitenden vorgesehen. Für alle Mitarbeitenden gilt gleichermaßen der TVöD einschließlich der weiteren Betriebsvereinbarungen der Stadt, zum Beispiel zu mobilem Arbeiten, gleitender Arbeitszeit oder Bike-Leasing. Die EIN.Puls GmbH wird Mitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband. Räumlich sind übergangsweise das Alte Rathaus im 1. Obergeschoss sowie weiterhin das Eicke’sche Haus für die Tourist-Information als Standorte benannt.

Bei der Mitgliederversammlung wurde auch der Vorstand wieder komplettiert. Aneka Falke war als Gastronomie-Vertreterin bei den Beisitzern ausgeschieden, die Mitglieder wählten einstimmig Jonas Krümmel zum Nachfolger, der seit rund zweieinhalb Jahren mit seinem Bruder das Hotel Panorama betreibt.
Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist Mitglied in der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft e.V., die 51-prozentige Gesellschafterin der Einbeck Marketing GmbH ist. 49 Prozent hält die Stadt Einbeck.

