Vor 100 Jahren wurde das heutige Bürgerhaus Kreiensen als Volksschule eröffnet. Dieses Jubiläum soll am Sonnabend, 20. Juni, ab 13 Uhr rund um und im Gebäude gefeiert werden. Am Nachmittag und Abend soll die Feier zum großen Klassentreffen werden, bei dem sich ehemalige Schüler und Lehrer des bis 1983 als Schule genutzten Bürgerhauses zum gemeinsamen Beisammensein versammeln können. Für die Feier können Sitzbänke reserviert werden unter OBM-Kreiensen@email.de.

Das Fest beginnt um 13 Uhr mit der Eröffnung durch Kreiensens Ortsbürgermeister Oliver Rieger und Pastor Mathias Kipp. Um 13.30 Uhr soll eine Infotafel eingeweiht werden, die 100 Jahre Bürgerhaus, davon die längste Zeit als Schule, zeigen wird. Ab 14 Uhr öffnet das Kaffee- und Kuchenbuffet. Es wird von der Schützengesellschaft Kreiensen Blasrohrsport zum Ausprobieren angeboten, vor dem Bürgerhaus ist die Feuerwehr live zu erleben. Außerdem öffnet der Heimatverein in der Bürgerstube seine Ausstellung „100 Jahre Bürgerhaus“. Ab 15 Uhr spielen die Musikfreunde Edesheim-Hohnstedt-Northeim, die Vereine Marinekameradschaft „Admiral von Hipper“ und Aikido öffnen im zweiten Obergeschoss ihre Räume. Um 16 Uhr werden Geschichten von früher erzählt. Um 19 Uhr startet eine Disco wie früher für Jung und Alt, organisiert durch den Jugendrat Kreiensen, im Jugendraum des Bürgerhauses.
Am 11. April 1926 wurde die Volksschule Am Plan 4 eingeweiht. Und das, obwohl es ein geräumiges, 1864 errichtetes Schulgebäude in direkter Nachbarschaft gegenüber an der Wilhelmstraße gab. Das Dorf Kreiensen war als Eisenbahnknotenpunkt gewachsen, durch die Bahn und die Post lebten immer mehr Menschen hier, bis in die 1920-er Jahre war die Einwohnerzahl auf rund 2000 Personen gestiegen. Damit hatte sich auch die Zahl der schulpflichtigen Kinder deutlich erhöht. Deshalb reichte das Raumangebot der bisherigen Schule an der Wilhelmstraße nicht mehr aus.
Wie der Heimatverein in seiner Chronik berichtet, war es trotz der Inflation der frühen 1920-er Jahre den Kreiensener Gemeindevertretern nach zähen Verhandlungen mit dem Ministerium in Braunschweig gelungen, die Finanzierung eines Schulneubaus zu sichern. Die Gemeinde Kreiensen selbst beteiligte sich mit circa 35.500 RM, die Gemeinde Billerbeck steuerte etwa 7.400 RM bei, und die Gemeinde Beulshausen brachte etwa 3.200 RM auf. Die Gesamtkosten des Neubaus betrugen aber rund 200.000 RM. Die Baufirma Marten aus Gandersheim erhielt den Auftrag und stand bei der Gründung des Gebäudes vor den gleichen Problemen, die auch zehn Jahre später beim Neubau der Kreiensener Kirche auftreten sollten: Der Boden war zu feucht, weil sich hier das ehemalige Flussbett der Gande befunden hatte. Deshalb war es erforderlich, die Fundamentplatte mit 133 Zementbeton-Bohrpfählen zu stabilisieren. Im August 1925 konnte das Richtfest gefeiert werden, offiziell wurde die Bürgerschule am 11. April 1926 von Rektor Temme mit einem Festakt eröffnet. Die Heimatzeitung berichtete ausführlich und lobte den stattlichen Neubau mit seinen acht Klassenräumen in höchsten Tönen. Der Besuch der Schule war anfangs für Schüler aus einigen umliegenden Orten nicht kostenlos, berichtet der Heimatverein. Die Eltern mussten 5 Mark pro Quartal Schulgeld zahlen, wie ein Dokument aus dem Schuljahr 1927/28 zeigt.
In den 1950-er Jahren wurde ein so genannter Aufbauzug eingerichtet: Die Volksschule erhielt einen Realschulzweig. Die komplette sechszügige Realschule nutzte dann aus Platzgründen ab den 1960-er Jahren auch die Räume der Fachwerkschule gegenüber. Langjähriger Leiter der Mittelschule war Rektor Hermann Biel. Mit dem Neubau der Kreiensener Grundschule/Volksschule am Thie im Jahre 1958 änderte sich die Schullandschaft: Die Realschule nutzte die alte (Fachwerk-)Schule, ins heutige Bürgerhaus Am Plan zog teilweise die Haus- und Landwirtschaftsschule des Westkreises Gandersheim ein. 1971 wurde das Schulzentrum in Greene eröffnet, in dem alle Schulformen inklusive geplanter Orientierungsstufe unter einem Dach zusammengeführt wurden. 1983 endete laut Chronik des Heimatvereins die Nutzung der Volksschule als reines Schulgebäude. Nach intensiven Diskussionen um Finanzierung und Ausgestaltung des Hauses entwickelte die Gemeinde Kreiensen ein neues Nutzungskonzept: Als „Bürgerhaus“ sollte das Gebäude im Mittelpunkt des Ortes den Einwohnern als Anlaufstelle für ein lebendiges Miteinander dienen und die Dorfgemeinschaft fördern. Start war 1986 mit einer Altenbegegnungsstätte in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Wie der Heimatverein auflistet, beheimatete das Bürgerhaus in den vergangenen 40 Jahren verschiedene Vereine und Institutionen, unter anderem Polizeistation, Igelzentrum, Sozialstation, Kleiderkammer der Feuerwehr, AWO, Gemeindejugendring/Jugendpflege, Gesangverein, Gemeinde (Aktendepot), Bücherei, Deutschunterricht für Russland-Flüchtlinge, Fahrradwerkstatt (Migranten). Renoviert wurde in den zurückliegenden Jahren auch mehrfach: Der Einbau einer modernen Toilettenanlage, die Dämmung der Dachgeschossdecke und der komplette Austausch der Fenster haben das Bürgerhaus für die Zukunft aufgestellt. Mit Leben erfüllen aktuell fünf Vereine mit ihren Ehrenamtlichen das Bürgerhaus: der Heimatverein Kreiensen, der Singkreis, die Marinekameradschaft „Admiral von Hipper“, der Angelverein und Aikido-Sport. Zudem steht dem Ortsrat Kreiensen ein Raum für Sitzungen zur Verfügung. Im Keller des Bürgerhauses befindet sich der Jugendraum.

